Es fehlen: eine Hose und der Regisseur. Beide haben eine Entschuldigung: Er ist bei der Hochzeit seines Bruders, die Hose beim Regisseur. Als sie schließlich mit einer Stunde Verspätung kommen, gehts los: die Backstage-Gruppe von Philipp Meier von Rouden probt ihr Stück "Denkste".
Backstage ist der Jugendclub des Schauspielhauses. Unter dem "Oberbefehl" von Theaterpädagoge Michael Müller haben Jugendliche zwischen 12 und 24 Jahren in acht Gruppen eine Saison lang getextet und geprobt. Ab Montag stellen sie in einem Festival ihre Arbeiten vor.
Als Erstes befreit sich Regisseur Philipp von seinen "Hochzeitsschuhen" - Einengungen mag er nicht. Neun Jugendliche sind in seiner Gruppe. Gemeinsam haben sie das Stück entwickelt. In 40 Minuten wird gezeigt, was sich innerhalb von drei Sekunden in einem Kopf abspielt. Jeder Schauspieler stellt eine Funktion dar. Und gleich am Anfang fällt eine aus: die Liebe.
Die neun sind eine eingeschworene Truppe. Nici Möser (18): "Unsere Stärke ist der Zusammenhalt." Manche sind zum ersten Mal hier, andere sind Wiederholungstäter. Manche wollen Schauspieler oder Regisseur werden, andere Theater nur als Hobby machen. Bei Verena Mannes (20) ist die Sache klar: "Schauspielen ist meine Leidenschaft, auch wenn ich damit vielleicht nicht viel Geld verdiene." Lilly Siewert (19) hat grad ihr Abi gemacht und will sich nun bei einer Schauspielschule bewerben. Und Anne Brammen (19) will auf jeden Fall Theater machen - aber nicht auf der Bühne.
Ob nun auf, vor oder hinter den Brettern, die die Welt bedeuten: Theater-Enthusiasten sind sie alle. Wenn andere am Nachmittag abhängen, gehen sie zur Probe. Da kriegen sie ihren Kick. Und Anne kriegt nun auch ihre Hose vom Regisseur. Leider fällt sie gleich in der ersten Szene aus. Sie spielt die Liebe. Doch ganz bestimmt kommt die irgendwann wieder.