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Umweltamt schlägt Alarm: Angst um unsere Alster

Unsere Alster. Ein Naturparadies? Nein, sagt das Umweltbundesamt.
Unsere Alster. Ein Naturparadies? Nein, sagt das Umweltbundesamt.
 Foto: Fotofinder

Unsere Alster – äußerlich an vielen Stellen ein Naturparadies. Aber: Das Umweltbundesamt (UBA) hat dem Hamburger Stadtfluss jetzt nur das Prädikat „mäßig“ verpasst. Grund: Unter Wasser ist zu wenig Leben!

Die Alster ist ein „sandig-lehmiger Tieflandfluss“ und gehört damit zum „Gewässer-Typ des Jahres“. Aus diesem Anlass präsentierte das Umweltbundesamt in Dessau eine Untersuchung solcher Flüsse. Das Ergebnis fällt für die Alster nicht besonders gut aus. In der Rubrik „Wasserpflanzen“ wurde sogar das Urteil „schlecht“ vergeben. Bei Kleinlebewesen wie Larven und Schnecken und Kleinstlebewesen (Plankton) vergaben die obersten Umweltfachleute ein „unbefriedigend“. Beim Fischbestand kam die Alster auf ein „mäßig“.

Der Grund für die schlechten Werte aus dem UBA sind vor allem Baumaßnahmen. So wurde die Alster bereits 1914 stark kanalisiert (siehe Kasten).

Geschichte der Alster

Die Alster ist 56 Kilometer lang, die Quelle liegt bei Henstedt-Rhen in Schleswig-Holstein. 1310 verkaufte Graf Adolf VI. von Holstein der Stadt Hamburg die Alster für 600 Mark. Im 15. Jahrhundert wurde die Alster kanalisiert, um einen Wasserweg von Hamburg nach Lübeck zu schaffen. Bis ins 19. Jahrhundert flossen Abwässer ungeklärt in den Fluss. Noch bis in die 70er Jahre war die Alster ein wichtiger Verkehrsweg für den Gütertransport. Auch das ist ein Grund für die schlechte Wasserqualität. Erst mit dem „Alsterentlastungsprogramm“ ab 1982 wurde der Zufluss von Abwässern stark reduziert.

Der Naturschutzbund Hamburg (Nabu) pflichtet dem Urteil des UBA bei. Gewässerexperte Eike Schilling (33): „Die Alster ist mitnichten so naturnah, wie wir denken, sie wurde zu massiv ausgebaut.“ Als weiteren Grund für den mäßigen Zustand nennt Schilling landwirtschaftliche Nutzung der Flächen rund um den Fluss in Schleswig-Holstein und die Einleitung mangelhaft geklärten Wassers aus den Kläranlagen Ahrensburg und Ammersbek.

Hamburgs Umweltbehörde spricht bei der Beurteilung des UBA von einer „Pauschalverurteilung“. Man habe aber die Probleme erkannt und sei sicher, bis 2021 das Prädikat „gut“ zu erreichen.
Wie? Als Beispiel führt Behördensprecherin Kerstin Graupner den Bau von Fischtreppen an: „Wir geben dafür 1,2 Millionen Euro aus.“ Außerdem wird am Fuhlsbütteler Mühlenteich eine steile Uferwand durch eine naturnahe Böschung ersetzt. Am Teetzpark (Hummelsbüttel) wird das Gelände zur Alster tiefer gelegt. So kann sich eine Flussaue bilden.

Auch der Nabu ist aktiv. Helfer haben 180 Tonnen Kies in die Alster geschüttet und Bündel von „Totholz“ im Flussbett befestigt. Eike Schilling: „Beides ist wichtig, damit sich Kleinstlebewesen ansiedeln.“ Der Experte appelliert an Alster-Anrainer, Uferbefestigungen umzugestalten: „Viele Grundstücke sind mit Eisenbahnbohlen oder Gehwegplatten zur Alster hin befestigt. Besser wäre eine flache und naturnahe Ufergestaltung.“

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