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Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 28.10.2012

Trinker und Obdachlose vertrieben: Pastor aus St. Georg: „Das ist nicht mehr meine Stadt“

Von Sandra Schäfer
Kay Kraack ist Pastor in St. Georg
Kay Kraack ist Pastor in St. Georg
Foto: Florian Quandt

„Wenn am Hauptbahnhof Trinker, Obdachlose und Migranten vertrieben werden, dann ist das nicht mehr meine Stadt“, empört sich Pastor Kay Kraack aus St. Georg. Wie er reagieren viele Vertreter sozialer Einrichtungen und Anwohner-Initiativen darauf, dass der Senat die überdachten Flächen vorm Hauptbahnhof an die Deutsche Bahn gibt.

Sie fordern: „Dieser Vertrag muss auf Eis gelegt werden.“ Pastor Kraack, der selbst in St. Georg wohnt, sieht keinen dringenden Handlungsbedarf. „Die Situation hier am Hauptbahnhof hat sich nicht so dramatisch verändert, dass eine Lösung übers Knie gebrochen werden müsste.“ Er vermutet, dass hier vielmehr die gleichen Gentrifizierungs-Tendenzen am Werk sind wie in anderen Gebieten von St. Georg. Der umgestaltete Hansaplatz, das Ohnsorg-Theater – da solle der Bahnhof nun wohl für Touristen und wohlhabende neue Bewohner des Stadtteils schön gemacht werden. „Die unliebsamen Menschen hier sollen aus dem Bild verschwinden.“

Leere Schnaps- und Bierflaschen vor der Wandelhalle: Die Bahn vertreibt Trinker von dem Bahnhofsvorplatz.
Leere Schnaps- und Bierflaschen vor der Wandelhalle: Die Bahn vertreibt Trinker von dem Bahnhofsvorplatz.
Foto: RUEGA

Am Bahnhof habe es doch schon immer Drogenabhängige, Alkoholiker und Obdachlose gegeben. Wenn Fahrgäste sich über Belästigungen von Trinkern und über wildes Urinieren beschwerten, so gebe es andere Lösungen. „Wir brauchen kostenlose Toiletten und mehr Sozialarbeiter.“


Der belastete Stadtteil St. Georg habe es zudem nicht verdient, dass die Menschen vom Hauptbahnhof ins Wohngebiet verdrängt werden. St. Georg übernehme eine große Auffangleistung für alle möglichen Menschen. Seit der EU-Öffnung nach Osten auch aus Rumänien und Bulgarien. „Die Stadt profitiert wirtschaftlich von dieser Öffnung. Da ist es doch nur folgerichtig, einen Teil dieses Reichtums dafür zu verwenden, entstehende Probleme zu beheben.“


Pastor Kraack gehört zu einer Stadtteil-Initiative (SOPI), die seit 25 Jahren aktiv ist. Die Mitglieder wurden am Donnerstag völlig davon überrascht, dass der Senat die überdachten Flächen des Bahnhofs inklusive Mö-Tunnel für zehn Jahre an die Deutsche Bahn gibt. Ab sofort ist dort sitzen, liegen, rauchen, betteln und Alkohol trinken verboten. Zwei „Hinz&Kunzt“-Verkäufer wurden bereits vertrieben.

Das Hausrecht für das Gelände um den Hauptbahnhof an die Bahn zu geben, sei ein Armutszeugnis für die Stadt, so Stephan Karrenbauer, politischer Sprecher des Straßenmagazins. „Der Bürgermeister sieht sich offensichtlich außerstande, ein sozialverträgliches Konzept zu erstellen, um den Hauptbahnhof für alle offen und attraktiv zu gestalten.“

Das werde Folgen haben: „Bald werden sich Geschäftsleute und Handelskammer anschließen und die Vertreibung der Obdachlosen, Bettler und andern Gruppen aus der City fordern. Durch die Vertreibung würden die Menschen von einem Ort zum anderen gedrängt. Wie soll es dann weitergehen? Die Mönckebergstraße, Spitalerstraße und andere öffentliche Räume zu privatisieren, kann ja wohl nicht die Lösung sein“, so Karrenbauer.
 
„Hinz&Kunzt“ fordert ein sozialverträgliches Gesamtkonzept für Hamburg: Dazu gehöre ausreichende Unterkünfte für Obdachlose, eine weitere Tagesaufenthaltsstätte im Innenstadtbereich und eine soziale Task Force, die an sozialen Knotenpunkten vermittelt.

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