„Herr Bürgermeister, schalten Sie sich ein!“ Das fordert Georg Ehrmann, Geschäftsführer der Deutschen Kinderhilfe in Berlin. Der 45-jährige Jurist ist entsetzt über das „politische Hickhack“, das auf den Tod von Chantal folgt. „Die Parteien sollten nicht aufeinander einschlagen, sondern an einem Strang ziehen, um den Kinder- und Jugendschutz zu verbessern.“
Ehrmann, dessen Verein der CDU nahe steht, sieht hier die Aufgabe von Olaf Scholz (SPD): „Der Bürgermeister sollte jetzt das Wort ergreifen, den Streit der Parteien beenden und dazu aufrufen, dass alle an einer Verbesserung der Situation mitarbeiten.“
Nach dem Hungertod eines Hamburger Mädchens im Jahr 2005 war Ehrmann Gutachter im „Sonderausschuss Jessica“. Nach Jessicas Tod habe sich in Hamburg zunächst viel getan, sagt Ehrmann. „Aber es hat nicht lange gedauert, da wurde das Personal wieder ausgedünnt. Träger machen wieder, was sie wollen, alle sind zurückgefallen in die fatale Routine, haben alte Verhaltensmuster angenommen.“
Der „Fall Chantal“ mache ihn sprachlos. „Es ist ja nicht in einer Stadt passiert, in der es so etwas noch nie gegeben hat. Hamburg war doch vorgewarnt!“
Den „Fall Chantal“ zur „Chefsache“ machen – das fordert auch das Deutsche Kinderhilfswerk. Sprecher Uwe Kamp (49): „Der Kinder- und Jugendschutz wird seit Jahren kaputt gespart. Olaf Scholz muss dafür sorgen, dass mehr Geld und Personal in die Jugendämter gesteckt wird.“ Laut UN-Kinderrechtskonvention habe bei allen behördlichen Entscheidungen das Kindeswohl an erster Stelle zu stehen. „Es ist Zeit, dass dies zur Richtschnur der Politik in Hamburg wird.“ (ow/san)
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