Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) zieht die Reißleine – offenbar auf Druck des Sozialsenators. Die Leiterin des Jugendamtes Mitte, Pia Wolters, wird beurlaubt. „Ich habe Frau Wolters von ihren Aufgaben freigestellt“, so Schreiber. Damit reagiert Schreiber, selbst enorm unter Druck, auf die neuesten Enthüllungen im Fall Chantal: Denn die Jugendämter in Mitte und Harburg haben von den Zuständen gewusst, in denen das Pflegekind Chantal leben musste.
Eine vermüllte Wohnung, weder Zimmer noch eigenes Bett für das Pflegekind und Drogen im Haus. Das sind die Fakten. Aber Pia Wolters“ Strategie war das Leugnen und Schönreden. Immer wieder versicherte sie Bezirksamtschef Markus Schreiber (SPD) und später auch der Öffentlichkeit, alles sei korrekt gelaufen, den Kindern sei in der Familie gut ergangen. Erst als durch die Feuerwehr Schilderungen über die vermüllte Wohnung öffentlich wurden und Bekannte über Drogensucht und Vorstrafen der Pflegeeltern berichteten, musste Schreiber als oberster Dienstherr zurückrudern. Seine Amtsleiterin hatte ihn nicht informiert.
Die Amtsleiterin: Nach MOPO-Informationen zog Schreiber erst auf Druck von Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) die Reißleine, entließ Jugendamtsleiterin Pia Wolters. Schreiber: „Bereits nach dem Tod von Lara-Mia 2009 haben wir nach einer anderen Lösung für Frau Wolters gesucht.“ Schon damals hatte sie aus Sicht Schreibers versagt. Schreiber: „Wir haben damals keine angemessene Stelle gefunden.“ Schreiber kündigte weitere personelle Konsequenzen an. Wolters war offenbar überrascht von der schnellen Freistellung, im Familienausschuss kam es zu einem kleinen Eklat zwischen ihr und Schreiber. „Was soll ich hier im Ausschuss überhaupt, wenn ich schon nicht mehr auf dem Posten bin?“, fuhr sie ihn an. Scheele dementierte eine Einflussnahme auf diese Personalie, betonte aber, er sehe hier nicht nur Fehler, sondern einen Skandal.
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