Der Pflegevater – vorbestraft und drogenabhängig: Bereits 2005 nahmen die Pflegeeltern ihr erstes Pflegekind auf. Es war ihre Enkelin Ashley. Jetzt ist klar: Das Jugendamt Harburg, damals für die Familie zuständig, wusste da bereits von Vorstrafe und Abhängigkeit des Pflegevaters Wolfgang A. (51). Der Bezirk war mit Bewährungshelfern von Wolfgang A. im Kontakt. „Wir haben genau abgewogen“, rechtfertigt sich der Harburger Jugendamtsleiter Holger Stuhlmann. Fakt ist: Ashley kam zu den Großeltern, weil ihre drogenabhängige Mutter sich nicht um sie kümmerte. Sie landete bei einem mehrfach wegen Raubs, Diebstahls und Drogenhandels verurteilten Großvater.
Was wussten die Ämter über die Mutter? Im Jugendhilfeausschuss des Bezirks Mitte wurde eingeräumt, dass Harburg und später auch Mitte von der Drogenabhängigkeit von Sylvia L. gewusst hätten. Dieser Darstellung widersprach der Harburger Stuhlmann. „Wir wussten nichts von Drogenkonsum oder Substitution bei der Pflegemutter.“
Kein Bett, kein Schrank, kein Zimmer für Chantal: Jugendamtsleiterin Pia Wolters verteidigte gestern ihre Einschätzung, dass die Wohnung der Pflegeeltern „kindgerecht“ sei. Obwohl die Familie mit zwei Erwachsenen, vier Kindern und drei Hunden in einer Vier-Zimmer-Wohnung lebte. Wolters räumte auch ein, dass Chantal kein eigenes Bett hatte, sondern je zwei Kinder sich ein Bett teilten: „Es gibt überall in Deutschland Familien, bei denen nicht jedes Kind ein eigenes Zimmer hat, und das Bett war breit genug für zwei.“
Chaos in der Wohnung: Keine Schränke, Wäsche auf dem Boden, keine Bettbezüge. Wolters verteidigt auch da ihre Mitarbeiter. „Mancher braucht es geleckt, den anderen stört nicht einmal dreckige Unterwäsche.“ Ein Amtsvormund habe die mangelnde Ordnung in der Wohnung einmal moniert. Pflegemutter Sylvia L. wurde aufgefordert, für Ordnung zu sorgen. Bei einem angekündigten Kontrollbesuch sei dann alles okay gewesen.
Auf Täuschung reingefallen: Das erschütternde Resümee von Pia Wolters auf die Frage, warum den Eltern trotz des Wissens um die problematische Familie nicht viel mehr auf die Finger geguckt wurde: „Die Eltern waren immer sehr kooperativ und der Kontakt war eng.“ Bei so viel Betriebsblindheit wird es Mitte-Chef Schreiber dann doch zu bunt. „Offenbar gibt es Familien, die bewusst lernen, die Behörden zu täuschen.“
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