Nachrichten
Aktuelle Nachrichten aus Hamburg

Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 

Shoppen statt Engagement: Die neue Ego-Jugend

Laura  (17, l.) aus Othmarschen und Philine  (17) aus Nienstedten gehen aufs Gymnasium Hochrad. Sie sagen: „Für soziales Engagement fehlt uns wegen der Schule leider die Zeit.“
Laura (17, l.) aus Othmarschen und Philine (17) aus Nienstedten gehen aufs Gymnasium Hochrad. Sie sagen: „Für soziales Engagement fehlt uns wegen der Schule leider die Zeit.“
Foto: Röer

Sie stehen Schlange, um in Trend-Läden wie Hollister ein Karo-Hemd zu kaufen oder im Apple-Store als Erste ein iPhone zu ergattern. Doch geht es um Umweltschutz und soziales Engagement, stellen sich Jugendliche lieber hinten an.

Die Jugend wird egoistischer, zeigt eine repräsentative Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Vielleicht liegt es an den dramatischen Klima-Prognosen mit Stürmen, Fluten und verhungernden Massen. Jeder dritte Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren glaubt nicht daran, dass er selbst etwas gegen den Klimawandel tun kann, so die Umfrage im Auftrag des Öko-Energieversorgers „Polarstern“. Vielmehr wird von Regierungen und Konzernen erwartet, die Karre allein aus dem Dreck zu ziehen. Umweltschutz, einst Herzenssache junger Generationen, ist nur für 22 Prozent der Jugendlichen ein Thema.

Den Müll zu trennen oder im Alltag Energie zu sparen, darauf achten nur 37 Prozent. Bei den Erwachsenen sind es immerhin 57 Prozent. Fairtrade-Produkte kauft nur jeder vierte Jugendliche. Lange vorbei die Zeiten, als mit dem Fairtrade-Kaffee-Kauf soziale Bewegungen in armen Ländern unterstützt wurden.

Auch andere gesellschaftliche Fragen spielen heute bei Jugendlichen nicht mehr so eine große Rolle. Soziales Engagement halten nur 44 Prozent für wichtig, Armutsbekämpfung brennt nur 39 Prozent von ihnen auf den Nägeln. Deutlich höher schlägt das Herz, wenn es darum geht, die richtigen Marken zu tragen. Drei Viertel bezeichnen sich als trendbewusst, jeder Zweite liebt Luxus und guckt beim Einkaufen nicht so genau auf den Preis.
Shoppen statt Welt retten – was ist nur mit der Jugend los? „Ökologie war vor 15, 20 Jahren angesagter, ist nicht mehr so en vogue“, sagt Zukunftsforscher Edgar Göll (siehe Interview). „Wir müssen Jugendlichen näherbringen, an nachfolgende Generationen zu denken. Wenn das nicht klappt, haben wir so eklatante Probleme, dass es unsere Zivilisation bedroht.“

Jugendforscher Edgar Göll: "Öko ist nicht mehr im Trend"

Was ist mit der Jugend los? Die MOPO sprach mit Jugendforscher Edgar Göll (Foto) vom Institut für Zukunftsstudien und Technologie-Bewertung in Berlin.

MOPO: Die Jugend steht auf Konsum. Ist Umweltschutz out?

Göll: Jugendlichen ist das Thema zwar nicht egal. Doch Ökologie war vor 15, 20 Jahren angesagter und ist heute nicht mehr so „en vogue“.

Warum ist die Bereitschaft zu handeln so wenig ausgeprägt?

Da spielen Angst und Ohnmachtsgefühle eine große Rolle. Beim Klimawandel entsteht schnell der Eindruck, durch eigenes Handeln nichts beeinflussen zu können.

Früher haben sich Jugendliche durch das Kaufen von Fairtrade-Kaffee aus Nicaragua etc. von Erwachsenen abgegrenzt. Ist das vorbei?

Ja, das ist auch nicht mehr cool. Fair gehandelten Kaffee gibt es jetzt im Supermarkt, der ist nichts Besonderes mehr. Aber bei Kleidung etwa gibt es eine Sensibilität. Jugendlichen ist bewusst, dass es Kinderarbeit gibt. Und es gibt Milieus, die sich dem Modediktat und Konsum verweigern.

Es gibt auch viele, die stundenlang in der Schlange vor irgendwelchen Trend-Shops warten.

Ja. Die Bereitschaft, sich über Konsum zu definieren, ist heute enorm. In einigen Milieus ist die richtige Kleidermarke eine Eintrittskarte. Das hat auch mit dem Einfluss der Werbung zu tun.

Viele Umwelt-Organisationen haben Probleme, Nachwuchs zu begeistern. Woran liegt das?

Kurzfristige Hypes werden immer wichtiger. Es ist schwer, Jugendliche für langfristige Engagements zu gewinnen. Sie wollen zeitlich überschaubare Projekte, die nach ein paar Monaten enden. Das widerspricht aber aller notwendigen Nachhaltigkeit.

In Hamburg ist jeder zweite Jugendliche Migrant. Wie sieht es da aus?

Da ist die Problematik noch größer. Das Handeln dieser Jugendlichen ist aufgrund ihrer unsicheren Situation – viele suchen noch stärker nach Orientierung und Anerkennung – oft noch kurzfristiger und noch stärker an Kleidung orientiert.

Jugendliche sind immer weniger in der Natur. Können sie da überhaupt eine Beziehung zur Umwelt aufbauen?

Wir beobachten, dass Jugendliche, die den direkten Draht zur Natur haben, viel sensibler beim Thema Umweltschutz sind. Sie handeln verantwortungsbewusster, weil sie die Natur wertschätzen.

Was muss das Ziel sein?

Wir müssen zu einer nachhaltigen Entwicklung umschwenken und Konsumstile deutlich ändern. Wir müssen Jugendlichen näherbringen, an nachfolgende Generationen zu denken. Klappt das nicht, haben wir so eklatante Probleme, dass es unsere Zivilisation bedroht.

Weitere Meldungen Nachrichten
Die A1: Als ob die Ferienzeit nicht genug wäre, sorgen auch noch zahlreiche Baustellen für Behinderungen.
|  4

Sie sind die letzten Nachzügler: Niedersachsen, Bremen und Baden-Württemberg mussten am längsten auf ihren Ferienbeginn warten. Nun ist es soweit: Alle Bundesländer haben schulfrei - und die Straßen sind verstopft.  mehr...

Valery Pearl (25, r.), Dragqueen und Radio-Kolumnistin aus St. Georg, war unzählige Male beim CSD. Benjamin Rial-Farina (27) arbeitet als Friseur in Winterhude. Er war bereits vier Mal beim CSD.
|  49

10.000 Teilnehmer, mindestens 110.000 Zuschauer am Straßenrand: „Grenzenlos stolz statt ausgegrenzt“ heißt es morgen auf der Parade des „Christopher Street Days“ (CSD). Dragqueen Valery Pearl (25) und Friseur Benjamin Rial-Farina (27) trafen sich zum Streitgespräch.  mehr...

Birgit Winter von der „Contra Sportsbar“ (Hoheluft) soll 50 Prozent mehr für Sky bezahlen.
|  33

Der Pay-TV-Sender Sky vermiest den Fußball-Fans kurz vor Start der Bundesliga jetzt so richtig den Spaß am gemeinsamen Fiebern beim Bier in der Kneipe. Denn die Hamburger Wirte sollen für die Ausstrahlungs-Rechte ab September rund 50 Prozent mehr zahlen. Kleinen Kneipen droht das Aus, andere organisieren schon den Boykott.  mehr...




Jobtitel, Suchwort oder Online-ID
Aktuelle Verkehrslage in Hamburg
MOPO-Teamstaffellauf
Spritpreismonitor
Cruise Days: Der Planer für die große Hafen-Sause zum Download






Aktuelle Videos

Barmbek oder Blankenese, Eimsbüttel oder Eppendorf: Machen Sie den Test, welcher Hamburger Stadtteil am besten zu Ihnen passt!

Die besten Hamburg-Tipps

So wird der Kiez-Abend ein Erfolg: MOPO.DE zeigt Ihnen zehn lustige Party-Anwendungen für das Smartphone.

Buli-Cup
Auf Facebook empfohlen
  • 9.239,15 Punkte -168,33 (-1,79%)
  • 15.635,55 Punkte -155,12 (-0,98%)
  • 1.194,83 Punkte -23,29 (-1,91%)
  • 15.523,11 Punkte -97,66 (-0,63%)
  • 1,3430 EUR +0,0040 (+0,30%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Kinoprogramm
Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute: Alle Kinos:
Kino oder Film suchen
Suchen
Kinofilm, Schauspieler oder Regie
Kino, PLZ oder Ort