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Schwere Untreue und Bestechung: So dreist zockte der Taxi-Boss ab

Die Steuerfahndung bei Hansa Taxi am Schiffbeker Berg
Die Steuerfahndung bei Hansa Taxi am Schiffbeker Berg
 Foto: Rüga

Sie zockten jahrelang ab und ergaunerten rund 230.000 Euro. Mit fingierten Rechnungen haben Ex-Führungskräfte von „Hansa Taxi“ schwarze Kassen aufgebaut, mit denen Schwarzarbeit bezahlt und Hotels geschmiert wurden. Gestern standen fünf Männer wegen schwerer Untreue und Beihilfe vor dem Amtsgericht St. Georg.

Als führende Köpfe angeklagt sind Rolf H. (68) und Manfred G. (62), beide ehemals zweite Vorsitzende der „Hansa Taxi“-Genossenschaft (Ruf: 211211), sowie der ehemalige erste Vorsitzende Jürgen K. (55), der heute in einem anderen Taxi-Unternehmen tätig ist. Ein Fahrer (65) und ein Hausmeister (70) sind wegen Beihilfe angeklagt.

Der Zuschauerraum des Gerichtssaales ist proppenvoll, viele aktuelle und ehemalige Mitarbeiter sind gekommen. Sie sind wütend auf ihre Ex-Chefs und protestieren lautstark, als etliche von ihnen den Raum verlassen müssen, weil sie als Zeugen in Betracht kommen. Durch den Betrug habe das Unternehmen Miese gemacht, die die Genossenschaftsmitglieder ausgleichen mussten, berichtet ein Fahrer. „Einige haben bei dem Betrug mitgemacht. Aber dass sie uns das Geld aus der Tasche geklaut haben, das ist einfach ein Vertrauensbruch“, sagt er wütend.

Der Schmu funktionierte so: Man ließ einige Taxi-Genossen Rechnungen über Arbeitsstunden unterschreiben – die aber gar nicht geleistet wurden. Dabei ging es unter anderem um Büroarbeit. Die Genossen durften die Mehrwertsteuer behalten, den Nettowert reichte man in der Buchhaltung ein und füllte damit die schwarze Kasse. Daraus wurden Schwarzarbeit und Hotelmitarbeiter bezahlt, damit sie bevorzugt „Hansa Taxi“ beauftragten. Offen ist noch der Verbleib von 53000 Euro. Das System soll es seit den 80er Jahren gegeben haben, verhandelt werden Fälle aus den Jahren 2004 bis 2008.

Die Ex-Chefs sind bereits wegen Steuerhinterziehung zu teils fünfstelligen Geldstrafen verurteilt worden. Aussagen wollten sie gestern nicht. Ex-Chef Jürgen K. hatte vor einem Jahr in einem Interview alles zugegeben. „Ich habe das System von meinem Vorgänger übernommen. Doch es belastete mich, ich schaffte es ab, wollte lieber mehr Taxis“, sagte er damals. Der Prozess wurde gestern ausgesetzt und wird im Sommer neu aufgerollt, dieses Mal mit Zeugen.

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