Er ist 93 Jahre alt, er hat so viel für Deutschland getan. Und nun freut sich das ganze Land für ihn: Helmut Schmidt (SPD), Ex-Bundeskanzler und das größte Idol der Deutschen, hat eine neue Partnerin gefunden. Eine Frau, die übrigens Loki auffallend ähnlich sieht: Kurze dunkle Haare, spröder Typ. Ruth Loah (79) heißt sie.
Dass er und seine ehemalige Mitarbeiterin ein Paar sind – diese „Bombe“ ließ Schmidt in einem Interview mit dem „Zeit“-Magazin platzen. Auf die Frage „Ist sie Ihre neue Lebensgefährtin?“ antwortet der Altbundeskanzler gewohnt knapp: „Ja.“ Dann erzählt er, dass er sie seit 1955 kenne. „Sie war mal meine Mitarbeiterin, auch hier bei der ,Zeit’. Sie ist eine große Hilfe.“ Durch sie habe er den Tod seiner Frau leichter verkraftet.
Die Ehe von Helmut und Loki Schmidt galt als vorbildlich. Keine Skandale. Loki stärkte ihrem Mann immer den Rücken, war seine wichtigste Beraterin. 68 Jahre lang waren sie verheiratet, mehr als sieben Jahrzehnte ein Paar. Nach Lokis Tod am 21. Oktober 2010 machten sich viele Bürger Sorgen, ob Helmut Schmidt diesen Verlust verkraften würde.
Wann aus der Freundschaft zwischen Ruth Loah und Schmidt Liebe wurde, wissen wohl nur die beiden. Sicher ist aber: Gemeinsam besuchten sie am 20. März 2011, fünf Monate nach Lokis Tod, eine NDR-Veranstaltung anlässlich des 85. Geburtstags von Siegfried Lenz. Sie saßen nebeneinander, wie ein Paar.
Ruth Loah kannte auch Loki Schmidt gut, stand ihr nahe. Für einen Sammelband des Ehepaars Schmidt, der 1992 unter dem Titel „Kindheit und Jugend unter Hitler“ erschienen ist, hat Ruth Loah einen Beitrag geschrieben: Darin schildert die 1933 geborene Frau die Kriegsjahre in ihrer Heimatstadt Hannover.
Ruth Loah stammt aus einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie. Zuhause waren sie acht Kinder. Als die Nazis Loahs Mutter für diese „Leistung“ das Mutterverdienstkreuz verleihen wollten, kam es zum Eklat. Loah schreibt in ihren Erinnerungen, dass ihre Mutter sich aufgeregt habe: Sie habe die Kinder keineswegs für Hitler auf die Welt gebracht. Einen Tag lang wurde die Frau von den Nazis festgehalten.
Loahs Vater gehörte während des Dritten Reiches zu einer sozialdemokratischen Widerstandsgruppe. Loah beschreibt eindringlich, wie er sein Leben riskierte, als er eines Nachts mit weißer Ölfarbe „Lieber tot als Sklave“ auf den Bretterzaun einer Kesselfabrik malte.
Nach dem Krieg fängt Loah bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) an, wird Sekretärin des Bundesgeschäftsführers in Bonn. Sie ist inzwischen Sozialdemokratin, Mitglied der Jugendorganisation „Die Falken“ – und läuft Helmut Schmidt über den Weg, dessen Assistentin sie wird. Heute, 60 Jahre später, ist sie die Frau an seiner Seite.
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