20 Grad, Sonne: Die Fahrradsaison beginnt! Tausende Hamburger nutzen den 1. Mai-Feiertag, um ihre verstaubten Drahtesel aus dem Keller zu holen. Doch radeln in Hamburg ist leider selten ein Vergnügen: Radwege sind vielerorts mies oder gar nicht vorhanden und der Ausbau stockt – nicht mal alle Gelder wurden 2011 abgerufen! Die große Fahrradbilanz – und was jetzt passieren muss.
„Bürgermeister Olaf Scholz verpasst die große Chance, Hamburg zu einer fahrradfreundlichen Metropole zu machen“, so das Fazit von Dirk Lau, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Der Senat kontert: „Hamburg ist jetzt schon eine fahrradfreundliche Metropole. Was nicht heißt, dass man nicht noch mehr machen kann“, so Senatssprecher Christoph Holstein.
Doch die Bilanz nach einem Jahr SPD ist in der Tat ernüchternd: Gerade 6,4 Kilometer Radweg wurden 2011 laut Verkehrsbehörde aus- oder neu gebaut. 5,6 Kilometer sind derzeit im Bau.
Zwar seien die neuen Radwege besser als früher, so Lau. „Aber immer noch müssen Radfahrer um jeden Meter Straßenraum kämpfen.“ Vor allem mehr Radstreifen auf der Fahrbahn fordert der Pedal-Lobbyist. Doch das bedeutet meist weniger Platz für Autos – und wird nicht umgesetzt. „Zudem arbeiten die beteiligten Behörden oftmals nicht ausreichend zusammen, sondern blockieren sich“, sagt Lau. „Im Zweifel fördert die SPD dann eher den Lkw- und Kfz- statt den Radverkehr.
In der Tat: Investiert wurden im vergangenen Jahr nur 6,9 Millionen Euro, obwohl für Radwege zehn Millionen zur Verfügung stehen. Es sei nicht gelungen, die Gelder zu verbauen, so die Verkehrsbehörde. Immerhin steht das Geld weiter für Radwege zur Verfügung. Bei jeder Straßensanierung soll auch der Radweg verbessert werden.
Auch wird das „Stadtrad“ weiter ausgebaut. 35 Stationen wurden 2011 installiert, insgesamt gibt es damit 116.
Das große Ziel aber, den Rad-Anteil bis 2015 auf 18 Prozent zu steigern (derzeit ca. 13 Prozent), musste der Senat trotzdem fallen lassen. Es wird jetzt „unabhängig von einem Zeitziel“ angestrebt: „Ein verändertes Mobilitätsverhalten kann nicht erzwungen werden“, so die Verkehrsbehörde. „Zudem sind die Ressourcen begrenzt.“
Ronja Geburzky (20), angehende Musical-Darstellerin aus Altona: „Mich ärgert, dass ständig Radwege ganz plötzlich auf der Straße enden und ab da der Kampf mit den Autofahrern beginnt. Trotzdem bin ich begeisterte Radfahrerin, ich bin einfach schneller als mit Bus und Bahn, und günstiger ist es auch noch.“
Foto: Marius Roeer
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