Seelenruhig sitzt der 27-Jährige auf seinem Stuhl im Saal 237 des Landgerichts. Unscheinbar sieht er aus: Jeanshose, grauer Pulli, lockige dunkle Haare, unauffällige Brille. Als die Journalisten den Saal betreten, hält er sich zitternd mit der linken Hand einen Zettel vor das Gesicht. Dieser schlaksige Mann ist Vassilis A. aus Thessaloniki (Griechenland). Er soll die junge US-Touristin Brittany K. (✝ 23) im Sommer vergangenen Jahres auf bestialische Weise umgebracht haben.
Vassilis A. starrt stumm in die Luft. Weicht den Blicken der Anwesenden aus. Wirkt, als sei er nicht anwesend. Auch als seine Anwältin gestern gleich zu Beginn der Hauptverhandlung einen Antrag stellt, regt er sich nicht: Ihr Mandant sei seit dem 1. September 2011 in Obhut der Ärzte, erklärt die Juristin, habe nur Besuch von seinen Eltern, seinem Bruder und den Anwälten bekommen. Er leide an einer paranoiden Schizophrenie mit Wahnvorstellungen.
Und weil sein emotionaler Zustand noch nicht gefestigt sei, müsse man die Öffentlichkeit vom Verfahren gegen Vassilis A. ausschließen. Dem Antrag wird stattgegeben. Den Zuschauern bleiben so die Details eines Falls erspart, der klingt wie das Drehbuch zu einem Horrorfilm.
Als die Ermittler am 31. August 2011 das Zimmer 5216 des Hotels am Hauptbahnhof betraten, blieb selbst den hartgesottenen Ermittlern die Luft weg. Ein Blutbad. Der Körper der jungen Frau aus Houston (Texas) war bestialisch zugerichtet.
Warum das Mädchen mit ihm aufs Zimmer ging? Unklar. Woher sie sich kannten? Nicht bekannt. Was man weiß: Vassilis A. hat rund 180 Mal auf Brittany K. eingestochen und danach eine Reihe von entsetzlichen Ritualen an ihrem Körper vorgenommen.
Anschließend versuchte er, sich das Leben zu nehmen. Er fuhr zum Flughafen, stürzte sich dort von einer Wendeltreppe, überlebte schwer verletzt.
Es geht in diesem Prozess nicht darum, eine Strafe für den Täter zu finden. Die Staatsanwaltschaft hält ihn für „zur Tatzeit schuldunfähig“. Er habe das Unrecht seiner Tat nicht erkennen können, so Sprecher Dr. Conrad-Friedrich Müller-Horn.
Das Gericht entscheidet jetzt darüber, ob Vassilis A. in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss.
Wie lange? Solange es erforderlich ist, „die Allgemeinheit vor ihm zu schützen“. Vielleicht für immer. Ein Urteil wird frühestens im April erwartet. Welche Dämonen ihn aber zu der Tat trieben, wird auch bis dahin nicht geklärt sein ...
Was verbirgt sich hinter der Erkrankung, die Vassilis A. hat? Antworten von Prof. Michael Dettling, Leitendem Oberarzt der Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité in Berlin.
Dettling: Sie ist der häufigste Typ von Schizophrenien. Paranoid heißt wahnhaft und bedeutet, dass die so genannte Positivsymptomatik im Vordergrund steht. Darunter versteht man einen Wahn, Sinnestäuschungen wie das Hören von Stimmen und auch Denkstörungen, die von der „normalen“ Psyche abweichen
Das kommt drauf an, ob derjenige sich in Behandlung befindet oder nicht. Die Positivsymptome einer paranoiden Schizophrenie sind sehr gut behandelbar.
Nein, es gibt verschiedenste Verläufe. Bei der paranoiden Schizophrenie tritt bei einem Viertel der Fälle nur ein Mal im Leben eine sogenannte Episode auf.
Vermutlich ja. Es hängt davon ab, ob die Symptomatik so stark war, dass sie seine Steuerungsfähigkeit beeinflusst hat.
Grundsätzlich ja, aber das ist individuell unterschiedlich. Sie können sogar jemanden entlassen, der noch einen Wahn hat. Entscheidend dafür ist, wie die Krankheit sein tägliches Leben und auch sein Verhalten anderen Menschen gegenüber beeinflusst. Für Gutachter ist das ganz schwierig.
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