Der Streit um das eingestürzte Haus in der Bernhard-Nocht-Straße geht weiter. Während Baubehörde und Denkmalamt gegen den Investor ermitteln, steigt die Sorge der Anwohner: Wie sicher ist das benachbarte Haus? Bewohner berichten gegenüber der MOPO von neuen Rissen in der Fassade.
Am Freitag war das Haus mit der Nummer 85 aus unbekannten Gründen zusammengestürzt. Das Haus wurde am nächsten Tag abgerissen. Ein Nachbar erhebt nun schwere Vorwürfe: „Die Hauswand war nicht abgestützt und total feucht. Jeder in der Straße hatte das Gefühl, dass da bald was passiert.“
Bauarbeiter hätten über sieben bis zehn Tage mit einem gigantischen Bohrer das Erdreich neben dem später eingestürzten Haus zerpflügt. „Hier hat regelmäßig die ganze Straße gebebt“, so ein Anwohner. Jetzt beunruhigen neue Risse im Nachbarhaus die Anwohner. Einige Türen lassen sich nicht mehr schließen, berichten sie. Sie haben Angst, dass auch ihr Haus zusammenstürzt!
Indessen gehen die Ermittlungen zur Einsturzursache weiter. Ob es Fehlverhalten seitens des Investors gebe, will das Amt derzeit nicht sagen.
Auch der Abriss ist umstritten: Nachdem die Hauswand eingestürzt war, stimmte das Amt dem Abriss überhängender Gebäudeteile zu. Als Bauprüfer des Bezirks zur Einsturzstelle kamen, hatte der Investor weit mehr abgerissen. Jetzt prüfen die Behörden, ob erst dadurch der Bau nicht mehr zu halten war. Teile des Bauschutts dürfen daher nicht abtransportiert werden. Investor Köhler erklärte indes, das Gebäude in gleiche Form wieder aufbauen zu wollen. Ohne dass die Mieten steigen sollen.
Helmut Köhler: Wir haben unseren Statiker und die Baubehörde informiert. Nach einer Krisensitzung haben sich alle Beteiligten auf einen Teilabbruch verständigt. Am späten Nachmittag kamen Statiker und der von der Behörde beauftragte Prüfstatiker zu dem Urteil, dass das Haus einsturzgefährdet ist. Wir haben uns dann verantwortungsbewusst für den Abriss entschieden.
Die Außenwand war weggebrochen, somit fehlte eine Stütze des Gebäudes. Bei Wind wäre es zusammengefallen wie ein Kartenhaus – mit unabsehbaren Folgen für Passanten und das Nachbarhaus. Immerhin hatte schon die eingestürzte Wand ein Gewicht von 80 Tonnen.
Zum einen hatte das Bauprüfamt Sorge um das Nachbarhaus. Es war am Freitag noch unklar, ob das nebenstehende Haus eine eigene Außenwand hat. Zum anderen waren die Bauarbeiter am Ende ihrer Kräfte. Eine Intervention der Denkmalbehörde hat es nicht gegeben.
Aus unserer Sicht sind keine Fehler zu erkennen. Wir arbeiten an der Aufklärung. Wir haben Interesse, die Ursachen zu ermitteln.
Es muss ein Gutachter beauftragt werden, der den Schadenshergang sowie die Ursache beurteilt. Ziel ist die Ermittlung des Verursachers.
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