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Linksalternatives Zentrum: „Rote Flora“: Einblicke in den Anarcho-Tempel

Besetzt, beschmiert, umkämpft – die „Rote Flora“. Das alte Theater im Herzen der Schanze ist deutschlandweit bekannt. Als „linksalternatives Zentrum“. Als „Bastion gegen Kapitalismus“. Viele sehen sie, frei von politischer Romantik, wohl schlicht als Rückzugsort für Krawallmacher. Die MOPO warf einen Blick hinter die Kulissen.


Seit 23 Jahren ist die „Flora“ besetzt. Seit 23 Jahren ist sie das Zentrum für Leute, die sozialistisch, anarchistisch, antikapitalistisch oder sonst irgendwie anders sind.

Um dieses Haus gab's unzählige Straßenschlachten: das Gebäude des historischen Flora-Theaters am Schulterblatt.
Um dieses Haus gab's unzählige Straßenschlachten: das Gebäude des historischen "Flora"-Theaters am Schulterblatt.


Sektiererei hat man den Floristen zuletzt vorgeworfen. Abgehobenheit. Vielleicht deswegen gab’s jetzt einen „Tag der offenen Tür“ – fast wie bei der Freiwilligen Feuerwehr oder beim Kaninchenzüchterverein.


Kaffee und Kuchen, Musik, eine Kindermalwand. Alles total normal. Und Hans-Martin, ein Historiker, macht Führungen durchs Haus. Der 53-Jährige sieht im Unterschied zu den meisten hier völlig bürgerlich aus. Keine bunten Haare, keine Springerstiefel, keine Löcher in der Hose.


Er selbst nennt sich ein „Fossil“, denn er gehört zu den Leuten der ersten Stunde, zu denen, die in den 80er Jahren dabei waren, als das alte Theater besetzt wurde.


Damals verwandelte sich die „Flora“ in die „Rote Flora“, ein selbstverwaltetes Kulturzentrum, das von unterschiedlichen Gruppen genutzt wird. Allerdings: Das mit der Selbstverwaltung funktioniere nur eingeschränkt, sagt Hans-Martin und schmunzelt. Jeden Mittwoch gibt’s ein Plenum, auf dem über alles basisdemokratisch abgestimmt wird. „Aber mehr als zehn Leute kommen da selten“, sagt er.


Wer nur die Fassade der „Roten Flora“ kennt, fragt sich: Wie mag’s drinnen aussehen? Der „Tag der offenen Tür“ gibt die Antwort: genau wie draußen. Es gibt kein Fleckchen Wand, das nicht wild mit Farbe beschmiert wäre. Dazwischen Parolen, Sprüche und Banner. „Hasta la vista capitalista“ steht drauf oder „No Justice – No Peace – Fight Police“.


Mittelpunkt des Gebäudes ist die Cafeteria, die hier sozialistisch „Volxküche“ heißt. Es gibt selbst gemachten Kuchen und Kaffee. Oben ist das „Archiv der sozialen Bewegung“, das alles sammelt, was mit APO, Antiatomkraft zu tun hat.
Im Keller gibt es Proberäume für Bands, eine Motorrad- und eine Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt. Da wird’s in der Propaganda-Zentrale ganz lebensnah ...

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