Omid F. ist 35 Jahre alt und ein furchteinflößendes Muskelpaket, das keinem Stress aus dem Weg geht. Pit K. (58) dagegen das komplette Gegenteil: Gemütlich, dicker Bauch und jemand, der Konflikte lieber durch Verhandlungen löst. Beide Männer haben eines gemeinsam: Sie sind die neuen Chefs im Rotlicht-Milieu auf St. Pauli.
Mehr als 20 Jahre lang war auf dem Kiez das Wort von Carsten Marek (52) Gesetz. Der ehemalige Kickboxmeister hatte sich seit den 80er Jahren „hochgearbeitet“ und führte zuletzt eine Zuhältergang von 100 Mann. Großrazzien, Steuerfahndung und selbst gedungene Killer konnten dem Zuhälter-Boss nichts anhaben. Doch nun hat der „König von St. Pauli“ „abgedankt“.
„Der Alte ist müde geworden, der will einfach nicht mehr“, sagt einer seiner Leute. Die Folge: ein Machtvakuum auf dem Kiez. Und das wollen zwei Männer füllen:
Omid F. (35) tauchte 2005 erstmals auf dem Kiez auf. Im Schlepptau hatte der gebürtige Iraner 20 Landsleute – alle extrem „schlagfertig“ und durchsetzungsstark. Bald betrieb die Truppe auf dem Kiez Bordell-Etagen im „Eros-Laufhaus“ und Modellwohnungen im Stadtgebiet. 2007 schoss BMW-Fahrer Omid scharf und zwar mitten auf der Reeperbahn. Sein Opfer: Hells Angel Frank W. (46). Der Rocker wurde ins Bein getroffen. Rolex-Fan Omid F. bekam drei Jahre, neun Monate Knast. Die Tatsache, dass er den Mut hatte, auf einen Höllenengel zu schießen, „verbesserte“ seinen Ruf auf St. Pauli nochmals deutlich.
Eine Retourkutsche der Hells Angels schlug 2010 fehl. An der Eiffestraße feuerte ein 20-Jähriger auf Omid F., verfehlte ihn aber.
Pit K. (58) ist dagegen ein Milieu-Veteran. Der Westfale ist mehr als 25 Jahre im Rotlicht-Milieu. 2000 versuchte er zusammen mit dem Hannoveraner Chef-Hells Angel Frank Hanebuth gewaltsam den Hamburger Kiez zu erobern. Doch die Polizei stoppte die Expansionsbestrebungen der Hells Angels.
Vier Jahre und acht Monate lautete das Urteil für Pit K. Der zog seine Lehren aus dem Fiasko. „Ich will Ruhe im Milieu“, sagt er heute bei jeder Gelegenheit. Er ist ein Mann des Ausgleichs, der gelernt hat, dass jede blutige Auseinandersetzung auf St. Pauli schlecht fürs Geschäft ist. Der Mercedes-S-Klasse-Fahrer herrscht heute über ein Großbordell am Hammer Deich und Puffs an der Herbertstraße.
Doch auch bei aller Vorsicht geriet er 2011 wieder ins Visier der Kripo: Er soll in diverse dunkle Geschäfte mit Münchener Hells Angels verwickelt sein. In Pit K.s Haus fanden Beamte eine doppelläufige Schrotflinte und eine 16-schüssige „Glock-Pistole“. „Die Waffen wurden mir untergeschoben“, sagte Pit K. treuherzig.
Nun wird mit Spannung erwartet, wer im Rotlicht-Milieu das Rennen macht. Es ist aber auch denkbar, dass sich Omid F. und Pit K. zusammen tun und den Kiez aufteilen.
Pit K. bei einem Gerichtstermin. Beim 58-Jährigen waren scharfe Schusswaffen gefunden worden. Er kam mit einer Bewährungsstrafe davon.
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