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Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 24.4.2012

HVV bald gratis?: So läuft es in anderen Städten

Von Mathis Neuburger
Fahrkarte? Unnötig! Parteien, Verbände und Forscher fordern die Gratis-Nutzung von Bus und Bahn.
Fahrkarte? Unnötig! Parteien, Verbände und Forscher fordern die Gratis-Nutzung von Bus und Bahn.
Foto: Schimkus

Soll der HVV gratis werden? Die Berichterstattung der MOPO hat zu heißen Debatten zwischen Gegnern und Befürwortern geführt. Die MOPO schaut deshalb mal über den Tellerrand und beschreibt, wie andere Städte das Thema angehen.

Tallinn (Estland, 400.000 Einwohner): Gerade erst haben 75 Prozent der Tallinner per Bürgerentscheid für einen Gratis-ÖPNV gestimmt. Ab 2013 wird damit die erste europäische Hauptstadt Busse und Straßenbahnen kostenlos anbieten. Das kostet 20 Millionen Euro – weit weniger, als es den HVV kosten würde, auf Tickets zu verzichten (617 Millionen Euro). Grund: Kleineres Streckennetz und weniger Nutzer. Das Geld kommt aus dem Haushalt, wird also von allen Steuerzahlern erbracht.

Tübingen (Baden-Württemberg, 90.000 Einwohner): Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) will die Bürger über eine Gratis-Nutzung der Stadtbusse abstimmen lassen. Zwei Finanzierungsvorschläge gibt es. Jeder Bürger müsste im Jahr 150 Euro zahlen (sozial gestaffelt) oder eine City-Maut wird eingeführt und so der ÖPNV finanziert. Das Problem: Je besser der ÖPNV angenommen wird, desto weniger Maut-Einnahmen gäbe es.

Templin (Brandenburg, 14.000 Einwohner): Hier wurde 1997 ein Bussystem eingeführt, das kaum jemand nutzte. Daraufhin wurde es gratis – die Nutzerzahlen explodierten. Aufgrund knapper Kassen wurde dann ein kostenpflichtiges Jahresticket (44 Euro) eingeführt, die Nutzerzahlen halbierten sich.

Portland (USA, 580.000 Einwohner): Die Fahrpreise für Busse und Straßenbahnen sind entfernungsabhängig. Im Innenstadtbereich sind alle Nahverkehrsmittel kostenlos. Im benachbarten Seattle ist der ÖPNV werktags von 6 - 19 Uhr gratis.

Hasselt (Belgien, 68.000 Einwohner): 1997wurde der Busverkehr gratis, die Nutzerzahlen verzehnfachten sich seitdem. Das Geld kommt aus Steuern und Parkplatzeinnahmen. Der Autoverkehr nahm massiv ab, Ringstraßen wurden zu Rad-Boulevards, neue Straßenbauprojekte wurden gestoppt, der ÖPNV ausgebaut, der Einzelhandel profitierte.

Nizza (Frankreich, 340.000 Einwohner): Nizza bietet seit Jahren Busse und Stadtbahn zu einem Einheitspreis von einem Euro (einfache Fahrt) an.

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