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Horror-Unfall von Eppendorf: Hier tragen die Mues-Söhne ihre Eltern zu Grabe

(v.l.) Die Brüder Jona, Woody und Wanja Mues tragen die Urne ihrer Eltern zum Grab.
(v.l.) Die Brüder Jona, Woody und Wanja Mues tragen die Urne ihrer Eltern zum Grab.
 Foto: dpa

Sie waren mehr als 40 Jahre verheiratet, starben gemeinsam vor drei Wochen bei dem Horrorunfall von Eppendorf. Am Sonnabend wurden Schauspieler Dietmar Mues und seine Frau Sibylle auf dem Ohlsdorfer Friedhof beerdigt.


In einer Urne aus Eschenholz tragen Woody (20), Jona (29) und Wanja Mues (38) die Asche ihrer Eltern aus der Kapelle 13. Die drei Männer wirken gefasst. Mit leicht geneigten Köpfen blicken sie ernst auf den Friedhofsweg vor ihnen. Im Wechsel überreichen sie sich die Urne. Tragen sie jeder ein paar Meter näher zur Grabstelle.

Die Urne des verstorbenen Schauspielers Dietmar Mues und seiner Frau Sibylle.
Die Urne des verstorbenen Schauspielers Dietmar Mues und seiner Frau Sibylle.
 Foto: dpa

Über der ragt eine mehr als 100 Jahre alte Eiche hoch in die Luft. Darunter haben sich die Trauergäste um die kleine Grabstelle versammelt. Die Sonne strahlt. Die Vögel zwitschern. Mehr als 600 Angehörige, Freunde und Kollegen sind gekommen, um von dem Ehepaar Mues Abschied zu nehmen.


„Es ist ein ganz furchtbarer Verlust“, sagt Dagmar Berghoff (68). Die ehemalige „Tagesschau“-Sprecherin ging von 1964 bis 1967 gemeinsam mit Dietmar Mues auf die Schauspielschule in Hamburg. Fast genauso lange kennt sie seine Frau. „Dietmar hatte sehr viel Power, aber sie hatte das Zepter in der Hand.“ Nur eine der Anekdoten, die über das Paar erzählt wurden.


Auch bei der Traueransprache in der Kirche wird nicht nur geweint. Auf einem Sockel, umschlossen von weißer Seide, liegt die Urne mit der Asche von Dietmar und Sibylle Mues in einem Blumenkranz. Dahinter hängt ein Bild des Paares. Am Rednerpult halten sich die Schauspieler Hannelore Hoger (68) und Sebastian Koch (48) fest. Sie lesen abwechselnd Briefe vor, die an der Unfallstelle in Eppendorf abgelegt wurden. „Wir hätten euch so gerne gewarnt“, heißt es da. Oder: „Liebe Frau Mues, danke dass Sie so eine tolle Lehrerin waren.“

Am Flügel sitzt Dieter Glawischnig. Der langjährige Chefdirigent der NDR-Bigband untermalt mit ruhigen Tönen die bewegende Feier. Danach treten die drei Söhne von Sibylle und Dietmar Mues ans Mikrofon. Sie halten sich an den Händen, während sie nacheinander letzte Worte an ihre Eltern richten: Ein Gedicht über den Wind vom jüngsten Sohn Woody. Jona Mues liest mit fester Stimme etwas von Kurt Tucholsky vor.

Wanja erzählt zuletzt aus dem Familienleben: Der Vater, der Autor („großer Durchschauer“), der ihm als 15-Jährigem eine brillante Geschichte für die Deutschhausarbeit in den Block diktierte, weil ihm der Entwurf des Jungen nicht gefiel. Und die Mutter, die Lehrerin („die kleine Niedliche“), die den Inhalt lobte, aber wegen der Grammatik- und Rechtschreibfehler des Sohnes den Rotstift ansetzte.

Ein Familien-Einsatz, der sich gelohnt hat: 14 Punkte gab es für den Aufsatz. Und dann gibt es noch diese Familientradition: das Anklatschen. Immer wenn ein Theaterstück dem Publikum nicht gefiel, hatten die Jungen als Erste geklatscht. Daraufhin spendeten die Trauergäste minutenlangen Applaus in der Kapelle. Der letzte Vorhang des traurigen Stückes war gefallen.

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