Zusammengesunken und mit grauem Gesicht sitzt er im Gerichtssaal, der Taxifahrer (57) der im September 2011 eine Frau in den Kofferraum seines Wagens sperrte und stundenlang dort fest hielt. Ralph B. räumt die Tat ein, will aber keine weiteren Angaben machen. Der Prozess beginnt mit der Aussage der Frau, die ihre Verzweiflung und Todesangst schildert.
Julia H. (32) ist eine kleine, zierliche Frau, Erzieherin, Mutter einer dreijährigen Tochter. Sie wollte am frühen Morgen des 4. September nach einem Kiezbummel mit Freundinnen nach Hause fahren. "Ich stieg in das erste Taxi, das dort stand", schildert sie dem Gericht. Sie ahnte nicht, dass mit dieser Zufallsentscheidung ihr bisheriges Leben endete.
Schon nach kurzer Zeit habe sie den Taxifahrer darauf hingewiesen, dass er einen falschen Weg fahre: "Ich bin sehr selbstbewusst gewesen, damals, und er wurde immer wütender." Plötzlich habe der Fahrer angehalten, sie vom Rücksitz gezerrt, geschlagen und in den Kofferraum gestoßen: "Ich blieb wie erstarrt liegen, dann schrie ich und er stellte die Musik lauter. Ich war völlig unter Schock."
Sie habe gemerkt, wie das Taxi immer schneller fuhr, aus der Stadt heraus: "Ich flehte ihn an, mich frei zu lassen, ich bot ihm Geld und versprach, niemandem etwas zu sagen." Der Fahrer bepöbelt die Frau als "Thainutte". In dem dunklen Kofferraum reift in dem panischen Opfer eine grauenvolle Vorstellung: "Ich dachte, er fährt das Taxi in einen See und ich ertrinke."
Als der Wagen hält, verstärkt Ralph die Ängste seiner Geisel auf perfide Weise, rüttelt mehrfach an der Kofferraumtür, schreit: "Du kommst da nicht raus, du kannst darin sterben!" Das, sagt Julia H., sei der schlimmste Moment gewesen: "Er ließ mich in dem Glauben, ich würde im See versinken, ich sah meinen Mann und meine Tochter alleine lebend, ich schrie den Namen meines Mannes, auch wenn das keinen Sinn hatte."
Während Julia H. mit ihrem Leben abschließt, ahnt sie nicht, dass das Taxi in einem Carport in Hasloh (Schleswig Holstein) steht und ihr Peiniger im Hof seiner Eltern sitzt und Alkohol trinkt. Erst nach einer Stunde sagt sie, erinnert sie sich an ihr Handy, ruft ihren Mann und Freunde an, erst als sie so früh am Morgen niemanden erreicht, kommt ihr der Gedanke, die Polizei zu rufen.
Mittags, nach sieben Stunden, wird Julia H. befreit. Zuvor hatte sie Polizeisirenen vorbeifahren hören, auch den Hubschrauber, der wieder abdrehte: "Das waren Momente, in denen ich innerlich zerbrach." Im Kofferraum sind die Spuren ihrer Ausbruchsversuche zu sehen: Löcher im Schaumstoff, zerrissene Kabel. Am Nachmittag wird das Gericht die Aufzeichnungen ihrer Telefonate mit der Polizei anhören. Julia H. kämpft sich langsam ins Leben zurück: "Für mich war es wie ein versuchter Mord." Eine Entschuldigung des Angeklagten wollte sie nicht hören.
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