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Hamburgs schlimmster Sprüher: Sprayer Oz muss wieder in den Knast

Street-Art-Künstler oder Vandale? Auf jeden Fall ein scheuer Sonderling: Josef F. (61) hat schon acht Jahre in Haft verbracht, sprayt immer weiter.
Street-Art-Künstler oder Vandale? Auf jeden Fall ein scheuer Sonderling: Josef F. (61) hat schon acht Jahre in Haft verbracht, sprayt immer weiter.
Foto: Roeer

14 Monate Haft wegen Sachbeschädigung, so lautet das Urteil des Amtsgerichts Barmbek gegen Josef F. (61), den betagten Helden der deutschen Sprayer-Szene.

Nicht einmal die Richterin glaubt, dass der als Oz bekannte Sonderling sich von der harten Strafe beeindrucken lässt. Hat ja all die Male zuvor auch nicht funktioniert.Für die jungen Sympathisanten, die im überfüllten Gerichtssaal an den Wänden hocken, ist der kleine Mann auf der Anklagebank ein Held. Einer, der die Stadt verschönert, der Hauswände nicht allein den Werbeplakaten überlassen will, ein Rebell. „Hamburg ohne Oz ist München“, haben sie auf ein Schild geschrieben.

Sie fordern Freispruch für den notorischen Sprayer, weil er „Lebensfreude“ in den öffentlichen Raum bringe. 600 Unterschriften für die Aktion „Free Oz“ haben sie gesammelt, auch die HipHopper von „Fettes Brot“ haben unterschrieben.
„Pfui“ kommentiert einer der jungen Zuschauer das Urteil. Amtsrichterin Birgit Valentin überhört den Zwischenruf: „Wir sprechen hier von Sachbeschädigung“, stellt sie nüchtern fest. Und erklärt, dass Kunst sich nicht über das Eigentumsrecht hinwegsetzen dürfe.

Wegen seiner Sprüherei saß Josef F. bereits insgesamt acht Jahre in Haft, das ist deutscher Rekord. Sobald er frei kam, sprayte er wieder. Jedes Mal. Spiralen auf Brückenpfeiler, Smileys auf Verkehrsschilder, „USP“ (steht für Ultra St. Pauli) und sein Markenzeichen „Oz“ auf Verteilerkästen und überallhin, wo Platz ist.

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Erst am Mittwoch ist er wieder auf frischer Tat ertappt worden. Er hatte rund um die Sierichstraße (Winterhude) mit einem Schlüssel wellenförmige Muster in die Fassaden geritzt. Ob das große Pflaster auf seinem Kopf etwas mit der Festnahme zu tun hat, ist unklar.

„Resozialisierung können wir vergessen“, sagt die Richterin leicht resigniert, „aber das Urteil kann dazu dienen, jugendliche Nachahmungstäter abzuschrecken.“ Es gibt Gutachter, die Oz in früheren Prozessen verminderte Schuldfähigkeit zusprachen. Aber er ist kein Gewalttäter, er sprüht nur. Dafür kann man niemanden in die Psychiatrie zwingen.

Die Richterin sinniert auch über das Publikum: „Die Buchstaben USP finden Sie okay, aber was ist, wenn sich jemand das Recht herausnimmt, überall NPD hinzumalen? Wäre das dann auch Kunst?“ Unwilliges Gemurmel im Saal.

Seit Februar läuft der Mammutprozess, fast 30 Zeugen wurden verhört. Am Ende bleiben von 20 Anklagepunkten nur elf übrig. Darunter auch der „Lieblingsfall“ des Verteidigers Andreas Beuth, ein großes Wandgemälde auf einem Bunker in Altona:

„Da haben sich die Anwohner drüber gefreut.“ Er verweist auf die Freiheit der Kunst, sein Kollege Martin Kolwaske demonstriert mit einem Ceranfeld-Reiniger, wie leicht Schriftzüge mit Wachsmalkreide zu entfernen sind – es nützt alles nichts.
Josef F. nahm das Urteil regungslos auf.

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