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Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 21.3.2012

Hamburger Werbeagentur am Pranger: „Tofu ist schwules Fleisch“: Riesen-Zoff um diese Werbung

Von Felix Horstmann
Das umstrittene Werbemotiv: Ein Steak, in das der diskriminierende Slogan „Tofu  ist schwules Fleisch“ eingebrannt ist.
Das umstrittene Werbemotiv: Ein Steak, in das der diskriminierende Slogan „Tofu ist schwules Fleisch“ eingebrannt ist.
Foto: hfr

Großer Wirbel im Internet! Im Kreuzfeuer der Kritik: die Steakhaus-Kette „Maredo“ und die Hamburger Werbeagentur „Scholz & Friends“. Schwulen-Verbände, Politiker und Vegetarier laufen wegen des Werbemotiv-Entwurfs mit dem Slogan „Tofu ist schwules Fleisch“ Sturm. Sie fordern eine Entschuldigung und planen im Internet sogar den Boykott.

„Das ist ein völliger Fehltritt!“, sagt Farid Müller (49). Der medienpolitische Sprecher der GAL und bekennende Schwule betont: „Ich schäme mich dafür, dass so etwas passieren konnte. ‚Scholz & Friends‘ muss sich entschuldigen!“ Mit dieser Meinung ist der Politiker nicht alleine: In der ganzen Republik wird über das schwulenfeindliche Motiv der Steakhaus-Kette „Maredo“ diskutiert, das aktuell im Internet kursiert.

Darauf zu sehen: ein Steak auf einem Holzbrett, in das der Slogan „Tofu ist schwules Fleisch“ eingebrannt ist. Das Motiv ist Teil einer preisgekrönten Kampagne und reiht sich ein hinter Sprüchen wie „Wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Fleisch?“.

Im Kreuzfeuer der Kritik: die Steakhousekette „Maredo“ (hier die Filiale am Millerntor).
Im Kreuzfeuer der Kritik: die Steakhousekette „Maredo“ (hier die Filiale am Millerntor).
Foto: Schimkus


Provokant, unterhaltsam oder nur megapeinlich? Darf Werbung so weit gehen? Im Internet ist man sich sicher: Nein. Bei Facebook wird zu einem Boykott der Steakhaus-Kette aufgerufen. Inzwischen reicht der Ärger bis in die Bundespolitik: Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (51, Bündnis 90/Die Grünen) kritisiert das Motiv scharf.

„Schwule seien keine richtigen Männer, Lesben keine richtigen Frauen, Tofu kein richtiges Fleisch – wer so etwas denkt, ist nicht ganz bei Trost“, sagt der bekennende Homosexuelle Beck. Deshalb fordert er eine „aktive Wiedergutmachung“ durch die Werbeagentur. Auch Ingo Bertram von „Hamburg Pride e.V.“ findet klare Worte: „Das ist harter Tobak! Auch wenn man in der Werbung natürlich provozieren darf, ist es kontraproduktiv, wenn ein so großes Unternehmen mit so was rausgeht.“

Ein weiterer Plakatentwurf von Scholz & Friends. Darauf heißt es: Wenn man Tiere nicht essen soll warum sind sie dann aus Fleisch?
Ein weiterer Plakatentwurf von Scholz & Friends. Darauf heißt es: "Wenn man Tiere nicht essen soll warum sind sie dann aus Fleisch?"
Foto: Scholz & Friends


Und was sagt „Maredo“? Statt sich zu entschuldigen weist die Steakhaus-Kette alle Schuld von sich: In einer Mitteilung, die prominent auf der „Maredo“-Homepage platziert wurde, heißt es, dieses Motiv sei niemals Werbung für das Unternehmen gewesen, sondern „vielmehr ein Wettbewerbs-Beitrag einer Werbeagentur, der nie beauftragt oder genehmigt“ wurde. In einem Schreiben heißt es, das Motiv sei nicht vereinbar mit der Unternehmensphilosophie und dem Anspruch an einen respektvollen und diskriminierungsfreien Umgang miteinander. „Maredo“ distanziere sich ausdrücklich von diesem Inhalt.

Auf MOPO-Nachfrage bei „Scholz & Friends“ erklärt Sprecher Markus Mayr, dass dieses Motiv Teil der Grundidee einer Kampagne aus dem Jahr 2008 gewesen sei. Mayr: „Die fand der Kunde auch gut und hat sie so auch freigegeben. Lediglich dieses eine Motiv wurde abgelehnt und ist aufgrund eines Missverständnisses in unserem Haus trotzdem an die Öffentlichkeit gelangt.“ Das war bereits 2009. Erst jetzt sorgt das Motiv für Aufregung. Mayr: „Das Netz vergisst nichts. Wir haben ja probiert, das Motiv wieder zu entfernen.“

Offensichtlich ohne Erfolg. Kritisiert wird der Slogan auf Facebook, Twitter und diversen Internetseiten. Was hat sich die Agentur bloß dabei gedacht? Steckt dahinter wirklich Schwulenhass? „Scholz & Friends“-Sprecher Markus Mayr sagt: „Wir können nur dazu sagen, dass wir diese Anzeige heute so nicht mehr machen würden.“ Er betont: „Natürlich bedauern wir es, dass wir durch diese Anzeige die Gefühle von Homosexuellen verletzt haben.“

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