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Hamburg Geheim: Schellfischtunnel: Im düsteren Herzen von Altona

MOPO-Redakteur Erik Trümpler im Altonaer Schellfischtunnel.
MOPO-Redakteur Erik Trümpler im Altonaer Schellfischtunnel.
 Foto: Florian Quandt

Krachend fliegt der Riegel des schmiedeeisernen Eingangstors zur Seite. An der Wand lehnt ein altes Emaille-Schild. Der Lärm verhallt in den Tiefen des Tunnels. Dann: Stille, Spannung, Dunkelheit. Durch den Schellfischtunnel fährt längst kein Zug mehr.

Dabei ging ohne diesen mehr als 900 Meter langen Schlund einst gar nichts. Auf dem Gleis transportierte die Altonaer Hafenbahn von 1876 an täglich bis 1992 leicht verderbliche Waren. Aufgeladen an den Kais des Altonaer Hafens, vom ehemaligen Kühlhaus Neumühlen, unter der Max-Brauer-Allee hindurch und dann zum Altonaer Bahnhof. Die Steigung auf den ersten Metern brachte ihr den Namen „Gebirgsbahn“ ein.

„Ratten werden Sie hier keine sehen. Die finden hier nichts zu fressen“, sagt Experte Martin Roehl vom Bezirksamt Altona, als wir die ersten 20 Meter durch den Tunnel getapst sind. Hamburgs Geschichte versteckt sich hier in tiefster Dunkelheit. Mit drei Taschenlampen im Anschlag bahnen wir uns den Weg in Richtung Fischereihafen. An den Wänden zeigt sich eine verspielte Geisterstimmung aus Schatten und Lichtkegeln. „Hier wurden schon Krimis gedreht und Theaterstücke gespielt“, sagt Roehl.

Ein Blick auf das Eingangstor im südlichen Teil. Die „Freunde zur Rettung der Hafenbahn“ haben die Lok angebracht.
Ein Blick auf das Eingangstor im südlichen Teil. Die „Freunde zur Rettung der Hafenbahn“ haben die Lok angebracht.
 Foto: Florian Quandt

Auf der großen Bühne – so wie einst – spielt der Schellfischtunnel keine Rolle mehr. Die Tore sind verschlossen, öffnen sich höchstens noch zum Tag des Denkmals für Besucher. „Es gab immer wieder Ideen, aber die Frage der dauerhaften Finanzierung verhinderte bisher deren Realisierung“, sagt Roehl, der regelmäßig im Tunnel unterwegs ist, dort von jeder Schmiererei, jedem Stück Müll sagen kann, ob es neu oder alt ist.

1876 nahm die Altonaer Hafenbahn ihren Betrieb mit gekuppelten, vierrädrigen Tendermaschinen auf. 24 Stunden Mehrschichtsystem. Die Waggons wurden von einer Lokomotive geschoben. Die Kommunikation zwischen dem Altonaer Bahnhof und dem Hafen lief über elektrische Glockenwerke und einen Morsetelegrafen. Das Geschäft boomte.

Großer Andrang bei einer Sonderfahrt der Hamburger Hafenbahn durch den legendären Schellfischtunnel im Jahr 1992.
Großer Andrang bei einer Sonderfahrt der Hamburger Hafenbahn durch den legendären Schellfischtunnel im Jahr 1992.
 Foto: hfr

Als 1895 der alte Altonaer Bahnhof, der heute Teil des Rathauses ist, an seinen jetzigen Standort verlegt wurde, musste der Tunnel um 520 Meter verlängert werden. Später fuhren E-Loks, dann wieder Dampfmaschinen. Eine bewegte Geschichte.
Im Licht der Scheinwerfer sehen wir eine Holzwand. Die anfangs trockene Luft weicht dahinter einem kalten, feuchten Luftzug. Dumpf dröhnt die S-Bahn unter unseren Füßen. Salze haben sich an der Wand abgesetzt, bilden bizarre Kunstwerke wie in einer Tropfsteinhöhle.

„Diese Matratze liegt da schon seit Jahren“, sagt Roehl und leuchtet mit seiner Lampe in eine der Notbuchten, die einst für die Arbeiter gebaut wurden. Immer wieder drangen Menschen in den Tunnel ein – teilweise wurde mit einer Stahlsäge am Eingang gewerkelt.

Wir sehen Licht. Davor Grün von den Bäumen. Jetzt kracht der Riegel des Tores am anderen Ende. Ein Schild mit Lokomotive-Motiv hängt am Eingang. Die „Freunde zur Rettung der Hafenbahn“ haben es angebracht. Sie kämpfen dafür, dass der Schellfischtunnel nie vergessen wird. Keine leichte Aufgabe.

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