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Gewalt-Teenies an der Alster: Nachts wird der Jungfernstieg zur Gefahrenzone

Fünf Polizisten flanieren mit ihren Schlagstöcken den Jungfernstieg entlang. Insgesamt waren an diesem Abend 30 Beamte im Einsatz.
Fünf Polizisten flanieren mit ihren Schlagstöcken den Jungfernstieg entlang. Insgesamt waren an diesem Abend 30 Beamte im Einsatz.
Foto: Marius Röer

Sobald die Sonne über Hamburg untergeht, kapern Gewalt-Teenies die Bereiche rund um die Alster. Sie trinken Alkohol, liefern sich wilde Schlägereien, bepöbeln rücksichtslos Passanten. Weil die Polizei dabei nicht länger zusehen will, wird dort seit drei Wochen hart durchgegriffen. Aber ist die Binnenalster tatsächlich eine Gefahrenzone? Die MOPO war einen Abend vor Ort.

19.48 Uhr: Touristen und Nobel-Shopper verlassen die Geschäfte, langsam wird es etwas ruhiger in der City. Während die Sonne den Himmel rot färbt, flanieren fünf Polizisten mit Schlagstöcken an der Binnenalster entlang. Ein Mannschaftswagen parkt am Jungfernstieg, ein anderer vor der Europa-Passage. So sieht es in der City jetzt jedes Wochenende aus – dank eines neuen Polizeikonzepts.

„Wir hatten in der Vergangenheit immer wieder Körperverletzungen, Raubüberfälle und Messerstechereien“, sagt Polizeisprecher Mirko Streiber. „Dieses Jahr haben wir uns gesagt, wir wollen rechtzeitig präventiv vor Ort sein.“ Vor gut drei Wochen trat deshalb der sogenannte „Schwerpunkteinsatz Binnenalster“ (siehe Infokasten) in Kraft, am Wochenende wird seitdem massiv kontrolliert.

„Schwerpunkteinsatz Binnenalster“

Seit dem 15. März gilt das neue Sicherheitskonzept der Polizei für die Binnenalster. Vor allem donnerstags, freitags und sonnabends finden seitdem zwischen 14 und 1 Uhr sogenannte Schwerpunkteinsätze im Bereich Jungfernstieg, Ballindamm, Lombardsbrücke und Glockengießerwall statt. Bei fünf Einsätzen im März waren insgesamt 166 Beamte im Einsatz – darunter auch die Reiterstaffel. Vom 16. bis zum 27. März wurden insgesamt 583 Mal Personalien festgestellt, 197 Platzverweise erteilt und 17 Strafanzeigen eingeleitet. Die Linkspartei kritisiert das Vorgehen und fordert die „sofortige Aufhebung der Anordnung“.

Die beiden 15-jährigen Cihan und Mehmet (Namen geändert) fallen offenbar ins Raster. Die Beamten bemerken die Teenager mit Bushido-Frisuren am Alsteranleger, gehen zielgerichtet auf die Cousins zu. Ihre Personalien werden kontrolliert, die Plastiktüte inspiziert. Gute zehn Minuten müssen sie warten. Umringt von vier Uniformierten. Beobachtet von einem guten Dutzend Passanten.

„Wir wurden hier schon zwei Mal kontrolliert“, sagt Cihan wenig später genervt. Der 15-jährige Schüler wollte mit seinem Cousin zu McDonald’s, sich dort mit Freunden treffen und „abhängen“, wie er sagt. „Es ist ja gut, dass die Polizei Präsenz zeigt, aber diese Kontrollen nerven einfach. Die sprechen doch eh nur Schwarzköpfe wie uns an!“

Cihan und Mehmet (beide 15) werden kontrolliert. „Die sprechen doch eh nur Schwarzköpfe wie uns an“, glaubt Cihan.
Cihan und Mehmet (beide 15) werden kontrolliert. „Die sprechen doch eh nur Schwarzköpfe wie uns an“, glaubt Cihan.
Foto: Röer

Aus guten Grund, glaubt sein Cousin Mehmet: „Es gibt hier halt immer wieder mal Stress, manche Typen hängen hier ab und denken, das wäre ihr Revier. Aber damit zerstören sie den Ruf. Und die Polizei kontrolliert Ausländer wie uns, als wären wir kriminell.“ 20 Minuten später fällt den Beamten eine Gruppe von drei Männern auf. Sie haben Plastikbecher in der Hand, eine Flasche Wodka steht vor ihnen. Wieder heißt es: Die Personalausweise, bitte.

Sichtlich angetrunken erklären die Männer wenig später: „Die haben ja schon letztes Jahr kontrolliert und fleißig Platzverweise erteilt. Wenn größere Gruppen da sind, macht das ja Sinn, aber heute war das unnötig.“ Immer wieder gebe es hier Schlägereien, vor allem Jüngere würden an der Alster häufig Stress machen, meint die Gruppe. „Das sind halt die, bei denen das Alpha-Gen wächst – und da ist ganz egal, ob es Deutsche oder Türken oder so sind.“

Insgesamt etwa 30 Beamte sind an diesem Abend im Einsatz, darunter auch zwei Hundeführer. Präsenz zeigen. Die Polizei ist überzeugt, dass das der richtige Weg ist. Mirko Streiber: „Bei den Erstkontrollen haben wir festgestellt, dass eine große Anzahl von Intensivtätern vor Ort war.“ Aggressionspotenzial sei vorhanden gewesen. Davon war zumindest an diesem Abend nichts zu spüren.

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