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Geständnis vor Gericht: Michael P. missbrauchte die Tochter seines besten Freundes

Der Angeklagte Michael P. (43) erschien gestern mit Sonnenbrille und Schirmmütze im Gericht. Zwischen 2003 und 2009 hat er drei Mädchen sexuell missbraucht.
Der Angeklagte Michael P. (43) erschien gestern mit Sonnenbrille und Schirmmütze im Gericht. Zwischen 2003 und 2009 hat er drei Mädchen sexuell missbraucht.
 Foto: Marius Roeer

Er habe nett sein wollen und lieb. „Spielerisch“ sei er an die Kinder herangetreten, habe gedacht, dass auch sie „es“ vielleicht freiwillig tun. Michael P., heute 43 Jahre alt, hat sich zwischen 2003 und 2009 an drei Mädchen vergangen – darunter die Tochter seines besten Freundes. Seit Donnerstag steht P. vor Gericht.

Seine ehemaligen Kollegen beschreiben ihn als penibel. Streng katholisch. Erzkonservativ. Als Knöllchenschreiber vom Ordnungsdienst ging Michael P. im Bezirk Mitte auf Falschparker-Jagd, „er war einer von denen, die niemals ein Auge zugedrückt hätten“, sagt ein ehemaliger Kollege nach der Verhandlung.

Auch im Gerichtssaal verdeckt Michael P. sein Gesicht.
Auch im Gerichtssaal verdeckt Michael P. sein Gesicht.
 Foto: Marius Roeer

Nüchtern und mit fester Stimme spricht Michael P., ein unscheinbarer Mann mit gebügeltem Oberhemd, von seinem „gestörten Trieb“. Er beschreibt, wie er den Mädchen sagte, „dir gefällt das doch auch“, wie er ihnen Pornofilme zeigte und hoffte, dass „auch sie sich davon Erregung holen“, wie er sich insgesamt 14 Mal an ihnen vergriff. „Auch ich bin als Kind missbraucht worden“, sagt er.

Detailliert gesteht der 43-Jährige, wie er die damals neunjährige Anna B.*, Tochter eines befreundeten Ehepaares, missbrauchte, dann Jule S., die Tochter eines alten Schulfreundes – seines besten Freundes. Michael P. schildert, wie er Jule anfasste und sich anfassen ließ, wie er Anna zwang, das Ganze mit der Videokamera zu filmen. Er gesteht, dass er schließlich auch das Nachbarskind Mira W. lockte, das Mädchen auf seinen Schoß setzte und mit dem Kind Pornofilme guckte.

Die Eltern der Opfer sind gekommen an diesem ersten Prozesstag, sie sind als Zeugen geladen. Während P. spricht, halten sie sich an den Händen, weinen, zittern.

Können es noch immer nicht fassen: Ulrike (69) und Hans S. (71), Großeltern des Missbrauchsopfers Jule
Können es noch immer nicht fassen: Ulrike (69) und Hans S. (71), Großeltern des Missbrauchsopfers Jule
 Foto: Marius Roeer

„Ich habe ihm meine Tochter anvertraut, es zerreißt mir das Herz“, sagt Jules Vater Martin S. Die Männer waren schon in der Jugend befreundet, Michael P. war ein regelmäßiger Gast der Familie.

Die Eltern beschreiben, wie ihre Kinder nach vielen Jahren des Schweigens redeten, wie die Teenager noch heute leiden. Jule S. sei extrem still, in sich gekehrt, habe kaum Freunde, sagt die Mutter. „Ich habe Angst vor dem Tag, an dem sie mir zusammenbricht.“ Mira W. leidet unter einem Waschzwang. Die Mutter von Anna B. berichtet unter Tränen von Essattacken ihrer Tochter, von Aggressionen, Lügen, Selbstverletzungen, Selbstmordgedanken. „Ich wollte es nicht glauben und das hat Anna wohl gespürt. Er hat unser ganzes Leben zerstört, unsere Erinnerungen, unsere Zukunft“, sagt die 41-Jährige – die Familie sei zerbrochen, Eltern und Tochter hätten kaum Kontakt.

Nach den Anschuldigungen haben sich jetzt auch die Nichten des Angeklagten gemeldet. Auch sie sollen von Michael P. missbraucht worden sein – bereits in den 80er Jahren, P. war damals im Teenager-Alter. Auch sie werden aussagen. „Er war für uns wie ein Sohn. Unfassbar“, sagen die Großeltern von Jule S. nach der Verhandlung. Die Verhandlung wird kommende Woche fortgesetzt. Michael P. drohen bis zu zehn Jahre Haft.

*Namen von Opfern und Angehörigen geändert

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