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Gänsemarkt - Mit Video: Hohn und Spott auf der Guttenberg-Demo

Die Gegendemonstranten mischten sich unter die Guttenberg-Sympathisanten.
Die Gegendemonstranten mischten sich unter die Guttenberg-Sympathisanten.
 Foto: Röer

Wir wollen unseren ,Gutti‘ wiederhaben“, kreischen sie, haben sich rote Nasen aufgesetzt und Mäntel mit Pelzbesatz übergezogen. Sie wirken wie übrig geblieben von der Weiberfastnacht. „Wir lassen uns das nicht gefallen“, rufen die älteren Frauen, die sich als Angehörige des Hochadels ausgeben. „Die haben uns den ,Gutti‘ gestohlen!“

Hohn und Spott für den geschassten Verteidigungsminister gestern auf dem Gänsemarkt. Manche reiben sich die Augen: Sollte das nicht eine Pro-Guttenberg-Demo sein? Dazu hatte die Facebook-Gruppe „Wir wollen Guttenberg zurück“ aufgerufen. Bundesweit fast 600.000 Menschen gehören ihr an. Aber wo sind die bloß? Für die Hamburger Demo sind 1000 Teilnehmer erwartet worden. Darüber, wie viele gekommen sind, gibt es unterschiedliche Angaben: zwischen 100 und 300.

Lauter und auffallender: die Guttenberg-Gegner, die alles durch den Kakao ziehen, ironisch Forderungen stellen wie: „Erbmonarchie jetzt – Adelige sind bessere Menschen“. Oder: „Schluss mit den Doktorspielen!“ Es gibt Paare, die sich verkleidet haben wie Guttenberg und seine Stephanie. Andere verteilen Papierschnipsel, auf denen steht „Dr. phil“ oder „Dr. jur“, „Doktortitel für lau. Wer hat noch nicht, wer will noch mal?“

Christoph Bähnk, 21-jähriger Chef der Jungen Union Geesthacht und Anmelder der Demo, hat sich das alles anders vorgestellt. Nicht einmal mit Megafon können sich er und seine Mitstreiter Gehör verschaffen. Im Wirrwarr verwechseln sie sogar Freund und Feind, lassen einen Guttenberg-Gegner aufs Podium. Als er, der sich als Ole von Protz vorstellt, fordert, Guttenberg müsse sofort Bundeskanzler werden, applaudieren die „Gutti“-Fans auch noch. Sie merken nicht mal was...

Astrid Mielck (53) gehört zu denen, die finden, dass Guttenberg zurückkehren muss in die Politik. Ihr Idol sei Opfer einer Rufmordkampagne. Und die falsche Doktorarbeit? „Na ja, abgeschrieben haben wir doch alle mal, oder?“ Schon wird an Legenden gestrickt: Gegner, auch innerparteiliche, hätten Guttenberg loswerden wollen, weil dessen Popularität zu gefährlich wurde. Guttenberg – jetzt also das Opfer einer Verschwörung...

So was greifen die Gegner gerne auf, fordern lautstark, Guttenberg heilig zu sprechen. Der Humor, der Ideenreichtum der Gegendemonstranten – entwaffnend. „Schöne Herrscher braucht das Land“, finden sie. Oder: „Dr. Best for President“. Eine böse Anspielung: „Guttenberg befiehl – wir folgen dir!“

Immerhin: Obwohl Anhänger und Gegner direkt nebeneinanderstehen, bleibt’s friedlich auf dem Gänsemarkt. Und als die Gegner voller Häme anstimmen: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den ,Gutti‘ klaut“, singen die Guttenberg-Fans mit – weil sie wieder nicht kapieren, dass sie hochgenommen werden.

Übrigens: Auch die anderen Guttenberg Demos gestern waren eine Pleite. In Berlin waren es gar mehr Gegner als Befürworter. In Bremen und Hannover erschien niemand. Allein in Guttenbergs gleichnamiger oberfränkischer Heimatgemeinde sind die Fans zahlreich. Unter den 2000 Menschen auch Dirigent Enoch zu Guttenberg, der Vater. Die Kritik an seinem Sohn nennt er „Menschenjagd“ – und erhält dafür Applaus.

Hier geht's zum Video der Guttenberg-Demo in Hamburg.

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