Zimmermädchen in Hamburger Luxushotels, die mit Hungerlöhnen abgespeist werden. Das Thema zieht immer weitere Kreise. Nun packt der Chef einer Reinigungsfirma aus. Und belastet seine Auftraggeber, die Hotels, schwer. „Die zwingen die Unternehmen ja regelrecht, Mindestlöhne zu umgehen.“
Christian Chodura (44), Inhaber der inzwischen insolventen Reinigungsfirma BNG AG, hatte bis vor wenigen Monaten unter anderem den Auftrag, die Zimmer des Hotels „Radisson Blu“ sauber zu halten. „Ich war so blöd, das ganz seriös machen zu wollen. Am Ende war ich pleite.“
Chodura kritisiert, dass die Hotels die Reinigungsfirmen nicht fair bezahlen. „Und sie können das, weil sie wissen, irgendeine unseriöse Firma findet sich schon.“
Der Trick sei, dass die Hotels Zeitvorgaben für die Zimmerreinigung machen, die völlig unrealistisch sind. Chodura: „Die Wartezeit, wenn ein Gast zu spät auscheckt, die Wege zwischen den Zimmern, das Bestücken der Wagen mit Reinigern – all das lassen sie einfach unter den Tisch fallen.“
Das „Radisson“ habe ihm pro Zimmer 7,85 Euro bezahlt. Pro Zimmer brauchten seine Leute 30 Minuten. Das bedeutet: 15,70 Euro nahm er pro Stunde ein. „Viel zu wenig! Davon kann ich keinen Tariflohn zahlen. Das geht nur, wenn ich Schwarzarbeiter oder Scheinselbstständige beschäftigte.“ Zum Beweis macht Chodura diese Rechnung auf: 8,82 Euro beträgt der Tariflohn pro Stunde. „Rechnen wir Sozialversicherung, Krankengeld, Berufsgenossenschaft etc. hinzu, hat mich aber der Mitarbeiter pro Stunde mehr als 16 Euro gekostet“, sagt Chodura. „Wie soll das gehen?“
Chodura kritisiert speziell den Chef des „Radisson Blu“, Oliver Staas. „Als der Mindestlohn am 1. Januar 2011 um 15 Cent erhöht wurde, habe ich verlangt, dass das Hotel auch mir mehr bezahlt. Das hat Staas abgelehnt.“ Daraufhin kündigte Chodura den Vertrag mit dem Hotel.
Das „Radisson“ sei kein Einzelfall, sagt Chodura. Andere namhafte Hamburger Hotels würden es genauso handhaben. Aber es gebe auch Ausnahmen. „Das ,Grand Elysée‘ und das ,Hotel Smolka‘. Wenigstens die zahlen faire Preise an die Reinigungsfirmen."
Zur Erinnerung: Das „Radisson Blu“ war vergangene Woche ins Gerede gekommen, als bekannt wurde, dass polnische Zimmermädchen vor dem Arbeitsgericht Geld einklagen. Der Vorwurf: Sie seien von der derzeitigen Reinigungsfirma des „Radisson“, der Erdmann Dienstleistung GmbH, weit unter Mindestlohn bezahlt worden.
In einer Stellungnahme sagt Hotelmanager Oliver Staas: „Die von uns beauftragten Fremdfirmen verpflichten sich vertraglich, den gesetzlichen Mindestlohn an ihre Mitarbeiter zu zahlen.“ Dass Reinigungsfirmen nur dann seriös arbeiten können, wenn sie von Hotels seriös bezahlt werden, sieht Staas offenbar nicht. Zum Vorwurf Choduras sagt Staas, es existiere kein Zusammenhang zwischen dem mit der Fremdfirma vereinbarten Zimmerpreis und der Tariferhöhung.
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