Die Gorch-Fock-Schule in Blankenese im Ausnahmezustand. Am Sonntag starb eine sechsjährige Schülerin an einer EHEC-Infektion. Ein Mädchen aus der Klasse 1e. Die Angst unter den Eltern der übrigen Schüler ist groß: Trifft es morgen mein Kind?
Der Tag nach dem tragischen Todesfall. Vor dem Eingang der Schule: jede Menge Presse. Fotografen lichten es immer wieder ab: das Schild neben der Tür, auf dem „Gesunde Schule“ steht. Eine Auszeichnung für gelungene Gesundheitsförderung. Dass der EHEC-Fall ausgerechnet hier passieren musste…
Im Schulgebäude: Ungewöhnliche Ruhe. Kein Fingerschnippen aus den Klassen, kein Geschrei. Lediglich 70 der 450 Schüler sind zum Unterricht erschienen. „Eine emotionale Reaktion unserer Eltern, für die ich Verständnis habe“, so Schulleiterin Vera Klischan (60). Aber auch eine Reaktion, die nach Ansicht von Experten übertrieben ist.
Alle Väter und Mütter, deren Kinder die Gorch-Fock-Schule besuchen, haben Angst. Viele sind darüber empört, dass sie von dem EHEC-Fall an der Schule erst erfuhren, als das Kind schon tot war. „Wieso so spät?“, fragt Lydia Witt (42) voller Empörung, Mutter der sechsjährigen Victoria. „Ich finde das unverantwortlich.“
Auch eine weitere Mutter ist verärgert. Das Gesundheitsamt spreche davon, dass es sich bei der EHEC-Infektion um einen Einzelfall handelt. „Aber woher wollen die das wissen? In mehreren Klassen und im Hort grassiert seit Wochen ein schlimmer Darmvirus. Das könnte doch auch EHEC sein.“
Mittags Krisensitzung in der Aula der Schule. Dr. Mario Bauer, der stellvertretende Chef des Gesundheitsamtes Altona, und Dr. Ulrike Juhl, die für die Gesundheitsaufsicht zuständig ist, stellen sich den Fragen der besorgten Eltern. Sie versuchen zu besänftigen. Das Risiko, dass noch weitere Kinder an EHEC erkranken, sei gering, berichten sie. Es spricht alles dafür, dass sich das Mädchen nicht in der Schule infiziert hat, sondern daheim. Andernfalls hätte es längst weitere Krankheitsfälle unter den Schülern geben müssen. Einen Grund, die Schule zu schließen, wie manche jetzt fordern, gebe es nicht.
Doch die Angst unter den Eltern, sie ist weiter da. Nicht alle Bedenken sind ausgeräumt. Eine Gruppe Väter und Mütter will jetzt Stuhlproben ihrer Kinder auf eigene Kosten untersuchen lassen. Schulleiterin Klischan geht davon aus, dass auch am Dienstag und Mittwoch viele Schüler nicht zum Unterricht erscheinen werden. Das für Dienstag geplante Faschingsfest findet nicht statt.
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