Seine Situation scheint ausweglos. Saikou C. (18) sitzt in Abschiebehaft. Er soll nach Gambia zurück. In ein Land, wo ihm laut seiner Anwältin Gefahr droht. Über Facebook kämpft seine Fußballmannschaft für sein Bleiberecht – und Tausende helfen mit.
Liebenswert, hilfsbereit, fröhlich – in höchsten Tönen schwärmen die Mannschaftskollegen der A-Jugend des Eimsbütteler Turnverbands (ETV) von ihrem Saikou. Im Sommer 2010 empfingen sie ihn mit offenen Armen. Sie peilen den Aufstieg in die Regionalliga an. Saikou C. aber sitzt nun auf der Beobachtungsstation des Untersuchungsgefängnisses am Holstenglacis. Dort ist kein Platz für Freude. Trainer Harald Wenzing (45): „Er ist sehr verzweifelt.“ Saikou C. soll nach Gambia abgeschoben werden. In ein Land, aus dem er vor zwei Jahren geflohen ist. In ein Land, in dem sein Vater hingerichtet worden sein soll, seine Mutter verstarb.
Unter Duldung versteht man gemäß Aufenthaltsrecht eine „vorübergehende Aussetzung der Abschiebung“ von ausreisepflichtigen Ausländern. Sie ist mit einer räumlichen Beschränkung versehen. Die Person darf sich nur in dem zuständigen Bundesland oder Landkreis aufhalten, in dem die Ausländerbehörde liegt. Rund 87000 Geduldete leben laut „Pro Asyl“ zurzeit in Deutschland. Laut Behörde handelt es sich in der Regel um Personen, deren Asylantrag vom zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt und diese Entscheidung vom Verwaltungsgericht bestätigt wurde. Rein rechtlich handele es sich um Ausreisepflichtige. Im Jahr 2010 wurden aus Hamburg 451 Menschen in ihre Heimat zurückgeführt. 173 von ihnen aus der Abschiebehaft.
Saikou C. hatte sich integriert, wollte in diesem Jahr seinen Hauptschulabschluss machen. Mitte Mai beginnen die Prüfungen. Eine Lehrstelle soll er bereits in Aussicht haben. Klingt nach Zukunftschancen – eigentlich. Denn er wurde erst kürzlich volljährig, wollte am vergangenen Montag bei der Ausländerbehörde seine Duldung verlängern. Sein Fehler: Er nahm keinen Rechtsbeistand mit. In der Behörde bezweifelte man, dass er freiwillig einer Ausreise-Aufforderung nachkommt. Man legte ihm Handschellen an und brachte ihn direkt in den Knast.
Sein Schicksal rührt Tausende. Mehr als 24000 Menschen unterstützen ihn auf Facebook, eine Unterschriftenaktion läuft. Eindrucksvoll setzt sich sein Fußballteam für ihn ein. „Die Mannschaft bedeutet ihm sehr viel“, sagt Trainer Wenzing.
Hilfe kommt auch vom Verein „basis & woge e.V.“, wo er am Projekt „Chancen für Flüchtlinge“ teilnimmt. Seine Anwältin Anette Schmidt besuchte ihn gestern im Knast. Sie klagt: „Der Umgang der Ausländerbehörde lässt das erforderliche Maß an Fürsorgepflicht vermissen. Die Art der Inhaftierung kann bei so jungen Menschen auch zu Suizidgedanken führen. Ich setze aber darauf, dass ihm die Unterstützung von außen den nötigen Lebensmut zurückbringt.“
Aufstieg, Freundschaften, Schulabschluss – für Saikou C. geht es jetzt um viel mehr. Wohl kein Spiel kann so hart sein wie der Kampf gegen die Angst und die drohende Abschiebung.
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