Zwei brutale U-Bahn-Schläger kamen bei ihr mit Geldstrafen davon. Doch einen Vergewaltiger aus dem Osmani-Clan verknackte sie knallhart zu zwölf Jahren Haft: Die Richterin Birgit Woitas (49) lässt sich nicht so leicht in eine Schublade stecken. Kommenden Monat eröffnet die Vorsitzende der Großen Strafkammer 28 am Sievekingplatz den Prozess gegen den „Eppendorfer Todesraser“ Alexander S. (39).
Aktuell verhandelt die Richterin den Fall eines Taxifahrers (57), der eine 32-jährige Frau geschlagen, gequält und stundenlang in den Kofferraum seines Taxis gesperrt hatte (MOPO berichtete). Schwere Gewaltverbrechen sind das „Alltagsgeschäft“ einer Großen Strafkammer.
Erstmalig landet am 26. März ein Verkehrsunfall vor dem Landgericht. Warum? Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers: „Wegen des Ausmaßes der Rechtsverletzung und der besonderen Folgen der Tat“. Am 12. März 2011 starben in Eppendorf vier Menschen, weil der Angeklagte – vermutlich wegen eines Krampfanfalls – die Gewalt über seinen Fiat verloren hatte und in eine Fußgängergruppe raste. Möllers nennt als weiteren Grund das große Interesse der Öffentlichkeit an dem Fall und die außergewöhnliche Unfallursache.
Die Vorsitzende Richterin ist eine Frau klarer Worte. Dem langjährigen Chef des Hamburger Tierschutzvereins warf sie vor, seine Macht „schamlos ausgenutzt“ zu haben, sein Verhalten „grenze an Größenwahn“ . Das Urteil wegen Untreue: zwei Jahre auf Bewährung.
Viel Kritik einstecken musste Birgit Woitas, weil sie zwei Männer, die 2010 im U-Bahnhof Niendorf-Markt einen 40-Jährigen zum Krüppel geprügelt hatten, nur zu Geldstrafen verknackte. Der Mann hatte sich Pöbeleien der Täter gegenüber seiner Freundin verbeten. Ganz glücklich war die Richterin mit dem Urteil offenbar aber selbst nicht, sagte: „Der Ausgang ist auch für die Kammer höchst unbefriedigend.“
Kreuzung Eppendorfer Landstraße/Eppendorfer Baum. Beim Horror-Unfall vom 12. März wurde Ex-„Thalia“-Intendant Peter Striebeck (73) verletzt. Es starben Autor Günter Amendt (70) und das Schauspielerehepaar Dietmar (65) und Sibylle Mues (60).
Foto: dpa
Am Tag nach dem Unfall-Drama versammeln sich viele Anwohner an der Unglücksstelle, zünden Kerzen an und legen Blumen nieder.
Foto: Röer
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