Der Entführer mit der Telefonzelle
Seine Anwältin: Er wollte nur Liebe
Von
Julia Sextl
Gerichtszeichnung des Angeklagten: Zusammengesunken sitzt Thomas F. am Montag im Gerichtssaal
Foto: dpa
Wie ein Häufchen Elend sitzt er da. Zusammengesunken, das rechte Bein unkontrolliert zitternd. Den Blick hält Thomas F. stoisch nach unten gerichtet. Doch als er vom Vorsitzenden Richter Göbel gebeten wird, ihn doch mal kurz anzugucken, sagt er mit erstaunlich fester Stimme: „Geht nicht“.
Sechs Monate nach seiner Tat muss sich der 30-Jährige vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Geiselnahme, Freiheitsberaubung und den Verstoß gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz vor. Das Motiv: F.s Wunsch nach einer Beziehung, Familie und Zuneigung. Laut Gerichtssprecher Conrad Müller-Horn wird die zentrale Frage in diesem Prozess die Schuldfähigkeit des Angeklagten sein.
Entführer Thomas F. nach seiner Festnahme im Polizeiwagen.
Foto: Marius Roeer
Entführer Thomas F. nach seiner Festnahme im Polizeiwagen.
Foto: Marius Roeer
Sein Opfer lernte Thomas F. im Sommer bei einem Bekannten beim Abendessen kennen. Er versucht, ihr näherzukommen, blitzt aber ab. Da schmiedet Thomas F. einen teuflischen Plan. Am 19. August 2011 überfällt er die junge Israelin in ihrem Zimmer im Studentenwohnheim. Als sie flüchten will, zerrt er sie zu Boden, zeigt ihr seine Pistole und eine Handgranate: Er müsse sie töten, falls sie nicht mitkomme, sagt er, und karrt sie in seinem Peugeot in seine Hochparterre-Wohnung an der Wachtelstraße (Barmbek).
Dort eröffnet sich der jungen Frau ein wahrer Albtraum: Die 42 Quadratmeter sind zu einer regelrechten Festung ausgebaut. Die Fenster sind mit Stacheldraht gesichert. Im Wohnzimmer steht eine schalldicht isolierte Telefonzelle, die offenbar als Gefängnis dienen soll. 1,7 Tonnen Lebensmittel für mehrere Wochen stapeln sich bis zur Decke – neben Medikamenten zur Steigerung der Fruchtbarkeit, Schwangerschaftstests und Potenzmitteln. Neun Stunden nach der Entführung gelingt es der Frau zu fliehen. Drei selbst gebaute Handgranaten, zwei Pistolen und einen Revolver findet die Polizei später noch in F.s Wohnung sowie 113 Feuerlöscher und 30 Holzbalken.
Thomas F. hatte sie offenbar aufgestellt, um Sarah P. darin gefangen zu halten.
Foto: Röer
Thomas F. hatte sie offenbar aufgestellt, um Sarah P. darin gefangen zu halten.
Foto: Röer
Er sei im Grunde genommen ein „armes, kleines Würstchen“, sagt Verteidigerin Leonore Gottschalk-Solger über ihren Mandaten. Er sei selbst entsetzt über seine Tat. Der 30-Jährige sei kein Sexgangster.„Sondern er sehnt sich verzweifelt nach einer Person, die ihn liebt und die er lieben kann.“
Er habe eine gestörte Persönlichkeit, so die Rechtsanwältin. „Das muss behandelt werden und dafür werde ich kämpfen.“ Sie sieht F. als einsamen Mann, der noch nie eine Freundin hatte. In der jungen Studentin glaubte er eine potenzielle Partnerin gefunden zu haben. „Er hat einfach gedacht, die mag ihn. Sie hat sich intensiv mit ihm unterhalten, hat ihm zugehört. Sie war einfach ausgesprochen nett zu ihm. Und das war der nicht gewohnt.“
Vor einigen Jahren hatte die Rechtsanwältin F. schon einmal vertreten. Er war angeklagt wegen Stalkings, das Verfahren wurde eingestellt. „Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich damals nicht erkannt habe, wie tief er in seiner Störung drinsteckt“, so Gottschalk-Solger.
Zu Prozessbeginn wurde nur die Anklage verlesen. Ob und inwieweit F. in seiner Schuld- und Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war, soll am 28. Februar ein psychiatrischer Gutachter klären. Die junge Frau, Nebenklägerin in dem Verfahren, wird von Kachelmann-Anwalt Schwenn vertreten.
Prozessbeginn gegen den Telefonzellen-Entführer
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Prozessbeginn gegen den Telefonzellen-Entführer
Die Verteidigerin von Thomas F.: Eleonore Gottschalk-Solger
Foto: RUEGA
Hier hauste Thomas F. In seinem Zimmer hatte er eine schalldichte Telefonzelle.
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Gerichtszeichnung des Angeklagten: Zusammengesunken sitzt Thomas F. am Montag im Gerichtssaal
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Der vorsitzende Richter Göbel (links)
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Bizarre Funde in der Wohnung des Sex-Sadisten
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Bizarre Funde in der Wohnung des Sex-Sadisten
Am Morgen des 23. August 2011 begann die Polizei erneut damit Spuren in der Wohnung des Geiselnaehmers an der Wachtelstrasse (Barmbek) zu sichern.
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Essensvorrat für mehrere Wochen.
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Hier muss die Telefonzelle durch.
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Auch die Fenster wurden abmontiert.
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Auch das Geländer musste entfernt werden.
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Polizist im Einsatz: hier mit einer Flex.
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In dieser Telefonzelle wollte Thomas F. sein Opfer gefangen halten. Nun hebt sie die Polizei aus dem Fenster.
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In dieser Telefonzelle wollte Thomas F. sein Opfer gefangen halten. Nun hebt sie die Polizei aus dem Fenster.
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In dieser Telefonzelle wollte Thomas F. sein Opfer gefangen halten. Nun hebt sie die Polizei aus dem Fenster.
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In dieser Telefonzelle wollte Thomas F. sein Opfer gefangen halten. Nun hebt sie die Polizei aus dem Fenster.
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In dieser Telefonzelle wollte Thomas F. sein Opfer gefangen halten. Nun hebt sie die Polizei aus dem Fenster.
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In dieser Telefonzelle wollte Thomas F. sein Opfer gefangen halten. Nun hebt sie die Polizei aus dem Fenster.
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In dieser Telefonzelle wollte Thomas F. sein Opfer gefangen halten. Nun hebt sie die Polizei aus dem Fenster.
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In dieser Telefonzelle wollte Thomas F. sein Opfer gefangen halten. Nun hebt sie die Polizei aus dem Fenster.
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In dieser Telefonzelle wollte Thomas F. sein Opfer gefangen halten. Nun hebt sie die Polizei aus dem Fenster.
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In dieser Telefonzelle wollte Thomas F. sein Opfer gefangen halten. Nun hebt sie die Polizei aus dem Fenster.
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In dieser Telefonzelle wollte Thomas F. sein Opfer gefangen halten. Nun hebt sie die Polizei aus dem Fenster.
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In dieser Telefonzelle wollte Thomas F. sein Opfer gefangen halten. Nun hebt sie die Polizei aus dem Fenster.
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In dieser Telefonzelle wollte Thomas F. sein Opfer gefangen halten. Nun hebt sie die Polizei aus dem Fenster.
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Auch eine Puppe befand sich in der Wohnung von Thomas F.
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Hier räumen sie die Wohnung des Sex-Sadisten
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Hier räumen sie die Wohnung des Sex-Sadisten
Thomas F. hatte sie offenbar aufgestellt, um Sarah P. darin gefangen zu halten.
Foto: Röer
Als Dämmmaterial diente ihm Schaumstoff
Foto: Röer
Beamte entfernen den Stacheldraht vom Fenster der Wohnung.
Foto: dpa
Ein Bombenentschärfer entfernt den von Thomas F. selbst gemischten Sprengstoff.
Foto: Röer
Ein Bombenentschärfer entfernt den von Thomas F. selbst gemischten Sprengstoff.
Foto: RUEGA
Beamte evakuierten zuvor die Anwohner
Foto: RUEGA
Am Montagmittag räumten die Beamten, nachdem der Sprengstoff gesichert war, die Wohnung des Sex-Sadisten leer
Foto: dpa
Mit dem Stacheldraht vor den Fenstern wollte er sein Opfer am Fliehen hindern.
Foto: dpa
Beamte entfernten am Montag den Stacheldraht
Foto: dapd
Nachbarn erzählte Thomas F. er wolle sich dadurch vor Einbrechern schützen.
Foto: dapd
Im Keller des Verdächtigen entdeckte die Polizei auch über 100 Feuerlöscher.
Foto: Röer
Auch diese Holzbalken trugen die Beamten aus der Wohnung von Thomas F.
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Mit ihnen wollte F. sich offenbar in seiner Wohnung verbarrikadieren.
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Bizarr: eine schalldichte Telefonzelle mitten im Wohnzimmer.
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Entführung in Barmbek: Thomas F. wird festgenommen
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Entführung in Barmbek: Thomas F. wird festgenommen
Thomas F., der Entführer einer Frau in Barmbek, wird von der Polizei festgenommen.
Foto: Marius Roeer
Thomas F., der Entführer einer Frau in Barmbek, wird von der Polizei festgenommen.
Foto: Marius Roeer
Thomas F., der Entführer einer Frau in Barmbek, wird von der Polizei festgenommen.
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Thomas F., der Entführer einer Frau in Barmbek, wird von der Polizei festgenommen.
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Entführung einer Frau: Der Tatort in Barmbek
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Entführung einer Frau: Der Tatort in Barmbek
Dem Täter gelang es ein weibliches Opfer in seine Wohnung zu bringen.
Foto: Marius Roeer
Nachbarn bemerkten das Opfer, als es der Frau gelang über den mit Stacheldraht abgeriegelten Balkon zu fliehen.
Foto: Marius Roeer
Als der Täter die Flucht seines Opfers bemerkte, folgte er ihr durch die Haustür.
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Die Wohnung des Täters ist zu einer Festung ausgebaut.
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Sarah P. Die Angst gab ihr enorme Kräfte: Sie riss dieses Fenster aus den Angeln, schob den Stacheldraht beiseite und zwängte sich hindurch. Thomas F. verwandelte seine Wohnung in einen Käfig. Bizarr: Das Vogelhäuschen, das im Stacheldraht hängt.
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Der Stacheldraht war von außen am Balkon der Wohnung in Barmbek angebracht.
Foto: Marius Roeer
Die Wohnung des Täters ist zu einem Verließ ausgebaut.
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In diesem Haus wohnt der mutmaßliche Vergewaltiger.
Foto: Marius Roeer
Auch der kleine Balkon der Wohnung war mit Stacheldraht abgeriegelt.
Foto: dpa
Hier befreite sich die 26-jährige Geisel.
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Stacheldraht am Fenster der Wohnung in der Wachtelstraße in Barmbek.
Foto: dpa
Das Haus in Barmbek, in dem der Täter wohnt.
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Marius Roeer
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