Jahrelang haben sie ungestört ihr Unwesen im Netz getrieben, unzählige Internetnutzer abgezockt, Millionengeschäfte gemacht: Jetzt ist die Identität einer Gruppe von russischen Cyber-Kriminellen aufgeflogen. Doch nicht etwa das FBI hat die Betrüger enttarnt, sondern zwei Privatmänner aus Hamburg.
Acht Monitore flackern in dem dunklen Arbeitszimmer von Dirk Kollberg. Der 37-Jährige raucht eine Zigarette, tippt Zahlen- und Buchstaben-Codes in seinen Rechner. Dann taucht eine neue Markierung in „Google Earth“ auf: Anton hat seine Position gewechselt. Anton ist der Mann, den Kollberg und sein Freund Jan Drömer (32) im Internet jagen. Anton soll mit seiner Betrüger-Bande Millionen Menschen abgezockt haben. Die Sicherheits-Experten haben nur ein Problem: Anton agiert von St.Petersburg (Russland) aus.
Es war Ende 2009, als die beiden Hamburger auf „Koobface“ (bestehend aus dem Wort „Facebook“) aufmerksam wurden – ein Virus, das Anton und seine vier Komplizen weltweit über soziale Netzwerke verbreiten. Schätzungen zufolge verdienen sie damit rund zwei Millionen Dollar im Jahr.
Nur ein Beispiel der Betrüger-Masche: Ein Nutzer erhält einen Link über Facebook, der ihn zu einem vermeintlichen YouTube-Video führt. Doch das Video fordert den Benutzer auf, den Player zu aktualisieren. Der Trick: Sobald der User den Button anklickt, installiert sich automatisch „Koobface“. Das Programm gaukelt dem User vor, auf seinem Rechner befände sich ein Virus. Gleichzeitig bietet die Software – wie praktisch! – einen kostenpflichtigen Schutz an.
Kollberg (entwickelt hauptberuflich Anti-Viren-Software) und Drömer (IT-Manager) fingen an, sich intensiver mit „Koobface“ zu beschäftigen, einen Schutz dagegen zu suchen: „Wir wollten unbedingt herausfinden, wer hinter dieser Betrugsserie steckt“, sagt Kollberg.
Sie machten sich „Koobface“ zum Hobby, recherchierten jede freie Minute, schlugen sich die Nächte um die Ohren. Dann endlich, im März 2010, konnten die beiden alle fünf Täter identifizieren: „Wir hatten alles: Adressen, Namen, Telefonnummern, Urlaubsfotos.“
Ihre Erkenntnisse fassten Kollberg und Drömer zusammen, übergaben sie deutschen Sicherheitsbehörden sowie dem amerikanischen FBI. Doch bislang konnten die Täter nicht gefasst werden. Die Kooperation mit den russischen Behörden sei problematisch, heißt es.
Facebook hat mittlerweile auf „Koobface“ reagiert: Laut einer Pressemitteilung ist die Sicherheitslücke nun behoben.
Wer sich im Internet nach kostenlosen Programmen wie etwa „Open Office“ umschaut, könnte sich einen Virus einfangen. Beim Download schließt das Opfer unwissentlich ein Abo ab, das es monatlich bis zu 100 Euro kosten kann. Der Betrag wird dann mit der Internet-Rechnung vom Konto abgebucht.
Betrüger bringen E-Mails in Umlauf, die angeblich von seriösen Firmen wie eBay, DHL oder Kreditkarteninstituten stammen. Im Anhang befindet sich ein Trojaner, der sich im Rechner einnistet und beim nächsten Online-Banking die Kontodaten abgreift. Die Betrüger können jetzt selbst Überweisungen tätigen.
Kriminelle haben es auch auf Webseitenbetreiber abgesehen: Sie verbreiten kleine Programme unter Privatnutzern, die dann alle gleichzeitig auf eine bestimmte Seite zugreifen. Das führt zu einer Überlastung des Servers, die Seite ist nicht mehr abrufbar. Anschließend wird der Betreiber mit weiteren Attacken erpresst.
Hinter der Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente stecken oft Internet-Abzocker. Bestellt ein Kunde etwa „Viagra“ aus dem Ausland, erhält er meist sogar eine Lieferung – allerdings handelt es sich um eine Fälschung. Die Tabletten sehen anders aus und welche Inhaltsstoffe drin sind, bleibt unklar.
Apple-Nutzer können nur einen Store nutzen, sind daher geschützt. Android-User haben viele Möglichkeiten, Anwendungen herunterzuladen. Auf einigen Seiten tummeln sich jedoch Viren. Diese rufen teure Hotlines an, die über die Rechnungen des Opfers abgebucht werden.
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