Coup gegen russische Internet-Abzocker

Zwei Hamburger gegen die Mafia

Von Anastasia Iksanov
Jan Drömer (32, l.) sitzt mit Dirk Kollberg (37) in dessen Arbeitszimmer. Von dort aus machten sie Jagd auf die „Koobface“-Bande.
Jan Drömer (32, l.) sitzt mit Dirk Kollberg (37) in dessen Arbeitszimmer. Von dort aus machten sie Jagd auf die „Koobface“-Bande.
Foto: Florian Quandt

Jahrelang haben sie ungestört ihr Unwesen im Netz getrieben, unzählige Internetnutzer abgezockt, Millionengeschäfte gemacht: Jetzt ist die Identität einer Gruppe von russischen Cyber-Kriminellen aufgeflogen. Doch nicht etwa das FBI hat die Betrüger enttarnt, sondern zwei Privatmänner aus Hamburg.

Acht Monitore flackern in dem dunklen Arbeitszimmer von Dirk Kollberg. Der 37-Jährige raucht eine Zigarette, tippt Zahlen- und Buchstaben-Codes in seinen Rechner. Dann taucht eine neue Markierung in „Google Earth“ auf: Anton hat seine Position gewechselt. Anton ist der Mann, den Kollberg und sein Freund Jan Drömer (32) im Internet jagen. Anton soll mit seiner Betrüger-Bande Millionen Menschen abgezockt haben. Die Sicherheits-Experten haben nur ein Problem: Anton agiert von St.Petersburg (Russland) aus.

Es war Ende 2009, als die beiden Hamburger auf „Koobface“ (bestehend aus dem Wort „Facebook“) aufmerksam wurden – ein Virus, das Anton und seine vier Komplizen weltweit über soziale Netzwerke verbreiten. Schätzungen zufolge verdienen sie damit rund zwei Millionen Dollar im Jahr.

Das ist die „Koobface“-Bande aus St. Petersburg (Russland). Sie haben unzählige Internet-Nutzer abgezockt und jährlich zwei Millionen Dollar damit verdient. Anton (r.) wurde als Erster entdeckt.
Das ist die „Koobface“-Bande aus St. Petersburg (Russland). Sie haben unzählige Internet-Nutzer abgezockt und jährlich zwei Millionen Dollar damit verdient. Anton (r.) wurde als Erster entdeckt.
Foto: Kollberg / hfr

Nur ein Beispiel der Betrüger-Masche: Ein Nutzer erhält einen Link über Facebook, der ihn zu einem vermeintlichen YouTube-Video führt. Doch das Video fordert den Benutzer auf, den Player zu aktualisieren. Der Trick: Sobald der User den Button anklickt, installiert sich automatisch „Koobface“. Das Programm gaukelt dem User vor, auf seinem Rechner befände sich ein Virus. Gleichzeitig bietet die Software – wie praktisch! – einen kostenpflichtigen Schutz an.

Kollberg (entwickelt hauptberuflich Anti-Viren-Software) und Drömer (IT-Manager) fingen an, sich intensiver mit „Koobface“ zu beschäftigen, einen Schutz dagegen zu suchen: „Wir wollten unbedingt herausfinden, wer hinter dieser Betrugsserie steckt“, sagt Kollberg.

Sie machten sich „Koobface“ zum Hobby, recherchierten jede freie Minute, schlugen sich die Nächte um die Ohren. Dann endlich, im März 2010, konnten die beiden alle fünf Täter identifizieren: „Wir hatten alles: Adressen, Namen, Telefonnummern, Urlaubsfotos.“

Ihre Erkenntnisse fassten Kollberg und Drömer zusammen, übergaben sie deutschen Sicherheitsbehörden sowie dem amerikanischen FBI. Doch bislang konnten die Täter nicht gefasst werden. Die Kooperation mit den russischen Behörden sei problematisch, heißt es.

Facebook hat mittlerweile auf „Koobface“ reagiert: Laut einer Pressemitteilung ist die Sicherheitslücke nun behoben.

5 aktuelle Abzocker-Methoden im Internet

Abo-Fallen

Wer sich im Internet nach kostenlosen Programmen wie etwa „Open Office“ umschaut, könnte sich einen Virus einfangen. Beim Download schließt das Opfer unwissentlich ein Abo ab, das es monatlich bis zu 100 Euro kosten kann. Der Betrag wird dann mit der Internet-Rechnung vom Konto abgebucht.

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Datum:  19.1.2012
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