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Bahn-Posse : Meine Chaos-Reise im ICE nach Hamburg

Der ICE stoppt in dem bayrischen Ort Steinach: Damit die Saunagänger in Wagen 24 „etwas abkühlen können“.
Der ICE stoppt in dem bayrischen Ort Steinach: Damit die Saunagänger in Wagen 24 „etwas abkühlen können“.
Foto: Neuburger

Der „außerplanmäßige Halt zum Lufttanken“ wird am Freitag um 19.32 Uhr verkündet. In Wagen 24 herrschen da bereits Saunatemperaturen. Hinter Luft fächernden Armen schwitzen hochrote Köpfe. Dann öffnen sich endlich die Türen. Mitten in der Bayrischen Provinz stehen hunderte Leute auf einem Bahnhof, um sich abzukühlen. Die Bahn es mal wieder allen gezeigt: Ein Lehrstück über defekte Triebwagen, ausgefallene Züge, kaputte Klimaanlagen und zu kurze Bahnhöfe.

Die Blamage wird klammheimlich verkündet: „Der ICE von München nach Hamburg fährt aufgrund eines defekten Triebwagens nur mit der halben Anzahl der Waggons“, krächzt es am Münchner Hauptbahnhof aus den Lautsprechern. Den ersten Reisenden auf dem Bahnsteig schwant böses: Sechs Stunden in überfüllten Wagen. Schwitzende Menschen. Genervte Schaffner.

Dazu die Frage: Warum schafft es die Bahn, die Milliarden in einen unnötigen Stuttgarter Bahnhof pumpt, eigentlich nicht, an einem ihrer größten Stützpunkte einen Triebwagen oder Ersatzzug aufzutreiben?

Egal, rein in den Zug. Doch der ist natürlich proppevoll. Zu voll: Also werden die Fahrgäste aufgefordert, auszusteigen. Ticket hin, Ticket her. Sie sollen den nächsten Zug zu nehmen. Der letzte, der nach Hamburg fährt. Ratlose Blicke auf den Gängen: Wer bewegt sich, wer bleibt stur? Viele steigen aus. Sie werden es bereuen: Ihr Zug fällt aus, wie später auf der Bahn-Webseite steht – mit dem versprechen, einen Ersatz-IC aufzutreiben.

Dafür fahren wir los. Mit 35 Minuten Verspätung, aber immerhin. Die Glücklichen haben einen Sitzplatz. Das ändert sich in Augsburg: Laut Bahnsteigdurchsage dürfen nur Personen mit Reservierung zusteigen. Die vertreiben jetzt andere Passagiere, deren Reservierung zuvor per Zugdurchsage für obsolet erklärt wurde.

Ein Wort gibt das andere. Zu Handgreiflichkeiten kommt es nicht. Dafür steigt in Wagen 24 die Temperatur immer weiter. Es ist 28 Grad in Bayern. Zuviel für die Klimaanlage. Sie fällt aus.

In Wagen 21 beschwert sich ein auf dem Boden sitzender Mann beim Schaffner: „Alle schaffen es, über mich zu steigen. Nur der Vertreter der Deutschen Bahn tritt mir jedes Mal auf die Füße.“ Die kundenfreundliche Antwort: „Sie dürfen da eh nicht sitzen, das ist Sicherheitsbereich.“ Vertreiben will er den Mann vorerst nicht – die Stimmung im Waggon ist eindeutig gegen ihn.

Derweil kündigt der Zugführer einen Stopp an, damit die Saunagänger in Wagen 24 „etwas abkühlen können“. Selbst das gelingt nicht beim ersten Versuch: „Der angesteuerte Bahnhof erwies sich als zu klein“, tönt es kurz darauf aus dem Lautsprecher. Schallendes Gelächter im Zug. Wir zuckeln weiter durch die nordbayrische Provinz. Endlich stoppen wir in einem kleinen Kaff namens Steinach.

Alles stürmt aus dem Zug. Rauchen ist auf Bahnsteigen verboten. Als einer der ersten zündet sich der Schaffner eine Kippe an. Trotz Rauchverbot. Ein Mann spricht in sein Telefon: „Das ist der verrückteste Zug, in dem ich je gefahren bin.“

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