Die Susannenstraße in der Sternschanze wird zur Gastro-Meile. Nach zweieinhalb Jahren Verhandlungen und Streit steht jetzt fest: Etliche Parkplätze sollen spätestens ab Juni zu „Biergärtchen“ umfunktioniert werden.
Schon seit vielen Jahren gibt es Zoff zwischen Anwohnern und Gastronomen. Der Bezirk Mitte hatte mit farbigen Markierungen auf den Gehwegen reagiert, die die „Gastro-Bereiche“ festlegten. Der Bezirk Altona, der inzwischen für das Viertel zuständig ist, hielt offensichtlich nicht viel von der Aktion. Es folgte Ende September 2008 der Beschluss der Bezirksversammlung, dass Restaurants und Kneipen ihre Außenflächen auf die Parkbuchten auslagern sollen. So wollte man den Konflikt mit den Fußgängern entschärfen.
Eine Idee, die bei den Anwohnern jedoch für mächtig Ärger sorgte. Sie befürchteten noch mehr Gäste, Lärm und Müll, da sich die Gastro-Außenfläche dadurch vergrößerte. Es folgten zahlreiche Treffen mit Bezirkspolitikern, Gastronomen, Anwohnern.
Nach endlosen Debatten schickte das Bezirksamt Ende Dezember Angebote an 15 Gastronomen der Susannenstraße (inkl. einer Bäckerei und eines Kiosks). Wer die Parkplätze vor seiner Tür als Gastro-Bereich nutzen wollte, sollte die Verträge unterzeichnen. Bedingung: Die Geschäftsinhaber sollen Schirme, die einen speziellen Schallschutz haben, anschaffen und sie müssen den Ausbau der Parkbuchten selber bezahlen.
„Die Parkbuchten sollen der Gehweg-Höhe angepasst werden“
Nils Fischer (36), Bezirksamt
„Wegen der hohen Kosten wollte aber keiner unterschreiben. Alleine ein einziger Schirm soll um die 5000 Euro kosten“, sagt Turan Kocak (53), Betreiber des Cafés „Chakra“. Die Gastronomen ließen die Frist absichtlich verstreichen. „Es sollte gepokert werden, weil man die Schirme nicht anschaffen wollte“, sagt Abbas Tehrani (51), Betreiber der „Kostbar“. Daraufhin entschied der Regionalausschuss des Bezirks: Die Frist wird bis Mitte März verlängert, „um den Gastronomen mehr Zeit zu geben“, sagt Bezirksamts-Sprecher Nils Fischer (36).
„Die Grenze des Erträglichen ist längst überschritten“
Juristin Christiane Hollander (48)
Mittlerweile haben zehn Ladenbesitzer die Verträge unterschrieben. Sie müssen die Schirme anschaffen. „Die Baumaßnahme wird jetzt ausgeschrieben. Wie genau die Flächen aussehen sollen, steht noch nicht fest. Klar ist, dass die Parkbuchten der Gehweg-Höhe angepasst werden“, so Fischer. Im Juni wolle man mit den Bauarbeiten fertig sein. Dann dürfen die Gastronomen freitags und sonnabends bis Mitternacht und sonst bis 23 Uhr draußen Betrieb haben.
Und das wird für Ärger sorgen. „In den Sommermonaten haben wir fast täglich Beschwerden von Anwohnern. Und jetzt auch noch das. Die Grenze des Erträglichen ist längst überschritten“, sagt Christiane Hollander (48). Die Juristin von „Mieter helfen Mietern“ rechnet mit Protesten. Der Betreiber des „Chakra“ hat kein Verständnis für die Anwohner: „Man möchte in der Schanze wohnen, aber die Ruhe von Blankenese.“
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