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Am Donnerstag gibt’s „Giftblätter“: Das Zittern vor den Zeugnissen

Schwitzige Hände, zittrige Knie, Panik: Rund 100.000 Hamburger Schüler bekommen am Donnerstag ihre Zeugnisse – für einige der blanke Horror. Die Angst vor schlechten Noten und Zoff mit den Eltern sorgt bei vielen Kindern und Jugendlichen für extremen Stress, auch die Drähte des Sorgentelefons glühen. Die Expertin erklärt, was die Schüler fertigmacht – und wie Eltern richtig reagieren.

„Zuhören und einfach da sein: Das ist unsere Aufgabe“, sagt Monika Steiniger (57) vom Sorgentelefon Eimsbüttel. Normalerweise rufen die Kids dort an, wenn sie Liebeskummer haben. Oder etwas über Sex wissen wollen. Doch am Tag der Zeugnisse greifen viele Schüler aus Angst vor erbosten Eltern zum Hörer.

Zwar gebe es durch die Veränderungen in der Schulpolitik kaum noch die Gefahr des Sitzenbleibens. Aber durch das „Turbo-Abi“ stünden die Kinder unter großem Druck, sagt Steininger, die das Sorgentelefon zusammen mit Ehrenamtlichen betreut. Um die Hemmschwelle zu senken, können Kinder und Jugendliche anonym anrufen.

Ein schluchzendes „Hallo, ich bekomme eine Fünf in Bio“: so wie gerade erst bei einer Siebtklässlerin startet ein typisches Sorgentelefon-Gespräch, sagt die Pädagogin. Oder wie bei dem Neuntklässler, der viel zu viele Fehlstunden hat – was jetzt rauskommt. „Die Hilflosigkeit am anderen Ende der Leitung berührt, wir merken den hohen Leistungsdruck.“

Die Kinder, die anrufen, sind sehr unterschiedlich. Trotzdem gibt es immer wieder ähnliche Gespräche. Für die MOPO stellt Steininger drei typische „Anrufer“ vor. Und Birgit Kärgel, die beim Elterntelefon gestresste Väter und Mütter berät, gibt Tipps, wie man bei miesen Noten richtig reagiert.

Der Enttäuschte: Hat eine schlechtere Note bekommen als erwartet und ist nun total enttäuscht.

Birgit Kärgel (51) vom Elterntelefon rät: „Kinder wünschen sich genau wie Erwachsene, erfolgreich zu sein – in diesem Bestreben sollten sie unterstützt werden“, sagt die Expertin. Dennoch sollten Eltern ihrem Kind in einer solchen Situation zeigen: Es ist nicht schlimm, auch mal eine schlechte Note nach Hause zu bringen. Und dass im Leben nicht nur Leistung zählt, sondern auch Werte wie Mut und Solidarität wichtig sind. „Natürlich sollte man auch schauen, ob das Kind vielleicht Probleme mit dem Lehrer hat“, sagt Kärgel.

Der Schwänzer: Geht nicht gerne zur Schule und bringt auch keine guten Noten mit nach Hause.

Birgit Kärgel rät: „Hier ist der Vergleich mit anderen Kindern die Falle. Eltern sollten lieber gucken, wo außerhalb der Schule die Stärken des Kindes liegen“, sagt Kärgel. Dem Schüler sollte Raum gegeben werden, sich auch anderweitig zu entfalten und persönlich zu entwickeln. Beim Sport zum Beispiel. Und zum Schluss sagt die Expertin noch: „Das Glück im Leben hängt nicht von Zensuren ab.“

Der Ehrgeizige: Ruft laut Steininger nicht nur zum Zeugnis beim Sorgentelefon an, sondern das ganze Jahr über. Dieser Typ ist meist gut in der Schule, hat aber ein Problemfach. Die Frustration rührt daher, dass der Schüler lernt und lernt und einfach nicht besser wird.

Birgit Kärgel rät: „Kinder, die sich in der Schule zu sehr unter Druck setzen, brauchen Unterstützung und Anerkennung. Eltern sollten die Kinder nun loben und für sie da sein. Denn die Kids stressen sich selbst viel zu sehr.“

Hilfe für besorgte Kids
Tipps für ratlose Eltern

Kinder- und Jugendtelefon 0800 111 0 333

Elterntelefon: (0800) 111 0550 oder beim Zeugnistelefon der Regionalen Bildungs- und Beratungszentren (noch bis Freitag)
jeweils von 8 bis 16 Uhr, Tel. 428992002

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