Riesige Ladenketten, teure Boutiquen und hippe Cafés statt beliebter Traditionsläden, die jahrzehntelang das Stadtbild prägten – St. Georg stirbt. Und den Bewohnern reicht’s: Nachdem auch die Buchhandlung „Dr. R. Wohlers & Co“ der Makler-Gier zum Opfer fällt (MOPO berichtete), demonstrierten gestern mehr als 500 von ihnen. Erst der Modelleisenbahnladen, dann das „Kräuterhaus“ – jetzt die Buchhandlung „Dr. R. Wohlers & Co“. St. Georg stirbt. Und den Anwohnern reicht’s. Genug Yuppisierung. Genug Spekulantengier.
Mehr als 500 Hamburgerinnen und Hamburger folgten gestern dem Aufruf des Einwohnervereins St. Georg, demonstrierten auf der Langen Reihe und dem Hansaplatz. Ihre Forderung: der Erhalt der Buchhandlung und ein Ende der Vertreibung alteingesessener Firmen.
100 Teilnehmer waren angemeldet, die Polizei rechnete aufgrund des Regens nur mit 50. Doch es kamen mehr als 500 – und die waren nicht zu überhören. Immer wenn der Name des Vermieters „Jendrusch“ fiel, buhte die Menge. Frank Jendruschs Firma droht durch die Verdreifachung der Miete von 1400 Euro auf 4100 Euro der Buchhandlung nach 79 Jahren den Todesstoß zu versetzen.
Nicht nur St. Georg müsse sich gegen die Gier solcher Vermieter wehren, so die einhellige Meinung, sondern die ganze Stadt. Und so sang St. Georgs Stadtteilchor „Drachengold“ vor der Firmenzentrale von Jendrusch am Hansaplatz ein Ständchen, zahlreiche Demonstranten hielten symbolisch Bücher in die Luft. Eine Stellungnahme blieb Frank Jendrusch, wie in den vergangenen Tagen schon, schuldig.
Rund 500 Demonstranten sind am Mittwochabend in St. Georg auf die Straße gegangen, um gegen Mieterhöhungen und die Vertreibung von Traditions-Geschäften zu protestieren.
Foto: Florian Quandt
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