Ihr kurzes Leben war eine einzige Tragödie. Weil ihre Mutter (✝2010) sich zu Tode soff und ihr Vater (41) jahrelang an der Nadel hing, kam Chantal (✝11) in eine Pflegefamilie. Doch das machte alles nur noch schlimmer. Wie jetzt bekannt wurde, sind die Pflegeeltern des Mädchens, das an einer Methadon-Vergiftung starb, beide heroinabhängig! Beide nehmen die Heroin-Ersatzdroge Methadon. Bei einer Razzia entdeckten die Ermittler 32 „Methaddict“-Tabletten.
Noch an Chantals Todestag (16. Januar) durchsuchten die Ermittler die Wohnung der Pflegeeltern an der Fährstraße (Wilhelmsburg) – und fanden nichts. Eine zweite Razzia am vergangenen Mittwoch brachte endlich die erste brauchbare Spur: In der Garage der Pflegefamilie – bislang war den Behörden nicht bekannt, dass die Familie eine Garage hat – entdeckten zehn Polizisten, ein Staatsanwalt und drei Spürhunde 31 Tabletten „Methaddict“ (Methadon in Tablettenform). „Wir haben außerdem Medikamente und Flaschen mit bisher unbekannten Flüssigkeiten beschlagnahmt“, sagt Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers.
Am Arbeitsplatz von Pflegevater Wolfgang A. (51, Lagerist) fanden die Ermittler eine weitere „Methaddict“-Tablette. Die Pflegeeltern scheinen das Methadon, das nur in geringen Dosen an Patienten abgegeben wird, regelrecht gehortet zu haben. Möglicherweise haben sie damit sogar gehandelt.
Damit nicht genug: Laut einem Bericht der „Welt“ sind Sylvia L. (47) und Wolfgang A. (saß wegen Drogenhandels und eines Raubs von 1996 bis 1998 im Knast) beide heroinabhängig und in Methadon-Programmen – er seit mehreren Jahren, sie seit knapp drei Jahren.
Noch am Dienstag hatte Lars Schmidt-von Koss, Sprecher des Bezirks Mitte, gesagt: „Seitens des Jugendamtes hat es bezüglich der Pflegefamilie keine Bedenken gegeben.“ Eine Fehleinschätzung, die krasser kaum sein könnte.
Und Sylvia L. hatte am Mittwoch gegenüber der MOPO behauptet: „Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, wo die Lütte dieses Zeug herhat. Bei uns gibt es kein Heroin oder Methadon. Mein Gott! Wir haben nicht einmal Alkohol im Haus.“
Am Donnerstag dann die Kehrtwende: „Ja, mein Mann und ich sind beide heroinabhängig und nehmen Methadon. Aber wir haben es immer vor den Kindern weggesperrt.“
Trotz der Funde bleiben L. und A., gegen die wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird, auf freiem Fuß. Möllers: „Es besteht kein dringender Tatverdacht.“
Warum Chantal das Methadon geschluckt hat, ist noch immer unklar. Eine feingewebliche Untersuchung soll nun klären, wie viel Methadon das Mädchen geschluckt hat.
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