„Kauf dir ein Lindenwerk, viel besser als ne Aktie“. So preist Udo Lindenberg seine berühmten Likör-Bilder, die „Likörelle“. Aus diesem Aufruf haben unbekannte Ganoven ihr eigenes Motto gemacht: „Klau dir ein Lindenwerk“. In den vergangenen sechs Jahren sind in Hamburg, Bad Homburg, Dresden und auf Rügen 15 von Lindis Werken gestohlen worden.
Die Diebstahlsserie begann 2005. Bei zwei Ausstellungen im Dresdner Hotel „Taschenberg-Palais“ zeigen Udo Lindenbergs „Likörelle“. Die 150 Werke kosten 590 bis 15500 Euro pro Stück. Kurz nach Eröffnung der Ausstellungen fehlen fünf Bilder und eine „Flaschenpost“, die zu einem großen Werk gehört.
Wenig später verschwinden Bilder aus einer Galerie in Bad Homburg (Hessen). 2009 dann ist der Tatort Hamburg. Aus dem „Hotel Atlantic“, Udos Wohnsitz und „Malerstube“, werden die Werke „Schatz, ich glaub, ich bin schwanger“ und „Message in a Bottle“ gestohlen. Und schließlich der aktuelle Einbruch in die Galerie Walentowski in Binz auf Rügen (MOPO berichtete).
Ganz gezielt suchten die Täter „Likörelle“ im Wert von insgesamt 31000 Euro aus , ließen weit teurere Werke anderer Künstler zurück.
Dass die Taten in einem Zusammenhang stehen, glaubt der Hamburger Kriminalhauptkommissar Joachim Schulz eher nicht. Der 53-Jährige ist Spezialist für Kunstdiebstähle.
Aber wer klaut denn überhaupt so etwas Exotisches wie „Likörelle?“ Schulz: „Udo hat eine ausgesprochen große Fangemeinde. Aus deren Reihen könnten durchaus die Täter kommen“. Außerdem könne man die Bilder im Gegensatz zu Werken weltberühmter Maler relativ einfach verkaufen. Schulz: „Sicher sehr viel einfacher, als einen Rubens.“
Laut Schulz kommt hinzu, dass Udos Werke oft nicht gut genug gesichert werden. Bei den Tatorten in den Hotels sei es außerdem so, dass dort reger Publikumsverkehr herrscht und die Täter deswegen schwer zu ermitteln sind. Bisher ist keines der gestohlenen Bilder auf dem Kunstmarkt wieder aufgetaucht.
Mitte der 90er Jahre hatte Udo Lindenberg sein Mal-Talent entdeckt: „Ich bin ein Spätberufener.“ Auf kleine Zettel oder sogar Bierdeckel malte er „Udogramme“. Zu vorgerückter Stunde an der Bar des „Hotels Atlantic“ kam Udo dann die Idee mit Likör zu malen. Mit Eierlikör oder Blue Curaçao entstanden farbenfroh Werke.
Udo ließ sich das Wort „Likörelle“ weltweit patentieren. Weit mehr als 1000 Likörelle dürften seitdem entstanden sein. Über seinen Stil sagt Udo: „Das ist Exzessionismus, weil ich ja der Exzessor bin. Ich fühle mich als direkter Schüler von Daniel Düsentrieb.“ Seine Bilder preist Lindi als Wertanlage: „Likörelle lohnen sich. Ein Bild hält 500 Jahre, mindestens, und steigert seinen Wert um das Vielfache“.
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