Zigaretten qualmen, Flaschen klirren, aus der Jukebox tönt Engelbert. Und irgendwo mampft einer einen Dürüm. Ein ganz normaler Abend im „Silbersack“, einer der Kiez-Kult-Kneipen schlechthin.
Der, der da die Döner-Tasche verzehrt, ist übrigens Joachim Lux, Intendant des Thalia-Theaters. Wohl doch kein ganz normaler Abend. Denn im Rahmen der „Lessingtage“ wird der „Silbersack“ zur Bühne: Ein Schauspielkollektiv um Regisseur Franz von Strolchen lässt hier den „Stammtisch“ aufleben – mitsamt seinen Sitten, Gebräuchen und dem angestammten Tresenpersonal (Wirt wie Gäste), das ungerührt seine Tätigkeiten verrichtet (Bedienen, Trinken).
Strolchen mischt dabei fünf Darsteller unters Publikum – Individuen, die aus dem System gefallen sind: eine Krisenfotografin, die versucht, Menschen auf Bildern zu vereinen. Ein verhinderter Astronaut, der eine Menschenkolonie im Weltraum ansiedeln will. Ein gestürzter EU-Politiker, eine gefallene Grande Dame, ein Vertreter von Wunderpillen – was einem eben so an skurrilen Existenzen begegnet an einem bierseligen Abend.
Der höhere Sinn bleibt dem Zuschauer leider verborgen. Und der wirkliche Stammtisch, die „kleinste Zelle der Demokratie“, wie es das Programmheft ausruft, findet ohnehin am Tresen statt: „Wenn wir nicht bald den Mindestlohn einführen, rappelt’s im Karton“, raunt Siegfried. Der ehemalige Kellner muss es wissen, schließlich hat er schon Altkanzler Helmut Schmidt bedient – „das war der Arroganteste von allen!“ Darauf eine Zigarette!
„Zum Silbersack“: 3.2., 13 Uhr, 4./5.2., 19 Uhr, 12 Euro, Thalia-Karten-Tel. 32814444
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