Höcker-Boom in der Formel 1: So sieht der neue RB8 von Weltmeister Sebastian Vettel aus.
Sebastian Vettels neue Red-Bull-Flunder sieht ja aus wie Barbra Streisand! Das neue Weltmeister-Auto RB8 hat eine Höckernase mit zwei Luftlöchern zum Atmen. Ein aerodynamischer Zwang, der schon aus Fernando Alonsos Ferrari F2012 eine „hässliche Göttin“ machte.
Doch Vettel mag ja schräge Sachen. „Ein paar Dinge haben sich geändert. Es gab natürlich Dinge, an denen wir gefeilt und getüftelt haben“, sagt Vettel, der sich bei der Sitzprobe vor dem ersten Test in Jerez wohl fühlte: „Es ist nicht so, als müsste man die Gebrauchsanweisung 1:1 durchlesen.“
Artikel 3.7.9 ist schuld. Dort steht im Technischen Reglement für die kommende Formel-1-Saison, dass alle Karosserieteile ab einem bestimmten Punkt nicht höher als 550 Millimeter liegen dürfen. Das wäre an sich kein Problem. Im Gegenteil: Es soll der Sicherheit der Fahrer dienen. Mit den nun tiefer gelegten Nasen soll Unfällen vorgebeugt werden. Das Problem für die Designer: Die Chassis-Höhe wurde nicht entsprechend abgesenkt. An der Übergangsstelle auf Höhe der Vorderachse beträgt sie im Durchschnitt 595 Millimeter. Um die 40 Millimeter Differenz auszugleichen, entschieden sich einige Formel-1-Wagenbauer für einen mehr oder weniger massiven Höcker. Dieser verleiht den Autos ein gewöhnungsbedürftiges Aussehen. Vor allem der neue Ferrari F2012 fällt durch seinen massiven Knick auf. McLaren hat sich hingegen für einen geschwungenen Übergang entschieden. Aber ob Welle oder Delle, Hauptsache schnell.
Einen neuen sexy Namen hat er noch nicht gefunden: „Wir sind aber auf der Suche. Jegliche Bewerbungen sind willkommen.“
In den vergangenen beiden Jahren hatten ihn „Luscious Liz“ („Leckere Liz“) und „Kinky Kylie“ („Scharfe Kylie“) zum Titel getragen. Also, lieber Seppi: Wie wär’s in Anlehnung an Barbra Streisand mit „Busty Barbra“ (vollbusige Barbra)? Schöne Rundungen hat die blaue Renn-Lady ja.
Die Jungfernfahrt darf am Samstag allerdings Teamkollege Mark Webber absolvieren, Vettel wird den RB8 erst Donnerstag testen. Nach der Winterpause, die er mit Freundin Hanna vor allem in den Alpen verbrachte, will er endlich wieder auf der Asphalt-Piste Gas geben: „Es ist schön, rauszufahren und zu spüren, man hat wieder ordentlich Dampf unter der Haube.“
Der Doppel-Weltmeister ist heiß auf die erneute Titelverteidigung: „Natürlich will man sich nicht verschlechtern.“ Und Vettel griff die Prognose von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone auf, der eine erneute Red-Bull-Dominanz befürchtete: „Ich hoffe, dass seine Befürchtungen eintreten.“
Das will vor allem Ferrari verhindern, und für die Rückkehr in die Erfolgsspur nahm Präsident Luca di Montezemolo sogar die Höckernase in Kauf: „Sie ist sehr hässlich. Ihr Maul erinnert mich an einen Walfisch. Aber das ist okay. Ich habe dem Konstrukteur befohlen, ein miserabel aussehendes Auto zu bauen – Hauptsache es ist schnell und gewinnt.“
Das hofft aber auch Lewis Hamilton. Dem im Vorjahr abgestürzten Ex-Weltmeister baute McLaren das schönste Auto – ganz ohne Höckernase. Man darf gespannt sein, welches Auto die Supernase wird.