Formel-1-Pilot Adrian Sutil hat sich in seiner Aussage im Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung bei dem von ihm mit einem Glas verletzten luxemburgischen Geschäftsmann Eric Lux entschuldigt, aber zugleich betont, dass er nicht absichtlich gehandelt habe.
„Es tut mir leid, wahnsinnig, ich wollte es nicht“, sagte Sutil am Montag bei seiner Vernehmung im Amtsgericht München. Der 28-Jährige aus Gräfelfing erklärte aber auch, dass er bereits zuvor mehrfach versucht habe, sich bei Lux zu entschuldigen. Der Teilhaber des ehemaligen Renault-Teams habe diese Versuche aber stets abgeblockt.
Lux, der während Sutils Aussagen noch nicht im Raum war, bestritt später bei seiner Vernehmung nicht, dass Sutil versucht hat, ihn zu kontaktieren. Warum er ein Gespräch abgeblockt hat, erklärte er nicht. Allerdings betonte Lux, er habe eine persönliche Entschuldigung erwartet.
„Ich hätte erwartet, dass er nach Luxemburg kommt und sich bei mir entschuldigt. Ein Anruf tut es nicht“, sagte der Geschäftsmann.
Sutil, der einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd und eine lachsfarbene Krawatte trug und sehr konzentriert und beherrscht auftrat, hatte Lux im April 2011 am Abend nach dem Großen Preis von China in einer Disco in Shanghai mit einem Glas am Hals verletzt. Die neun Zentimeter lange Wunde musste genäht werden. Später hatte Lux Sutil angezeigt.
Richterin Christiane Thiemann las im Gerichtssaal eine Mail von Sutil an Lux vom 15. Mai vor, in der sich der Rennfahrer entschuldigt, Vorsatz oder Absicht ausgeschlossen sowie seine Bereitschaft geäußert hatte, ein Charity-Projekt von Lux in Afrika zu unterstützen.
Auf Lux' Einwand der erwarteten persönlichen Entschuldigung antwortete die Richterin, er habe Sutil ja gesagt, er wolle nicht mit ihm reden, und der habe das wohl ernst genommen.
Erst am 25. November in Brasilien war es in einem Hotel zu einem persönlichen Gespräch zwischen Sutil und Lux gekommen. Laut Sutil sei es die erste Chance zu einer Aussprache gewesen, bis dahin sei ihm Lux bei Rennen ausgewichen.
Zuvor hatte es offenbar auch Versuche einer außergerichtlichen Einigung gegeben. Sutil sprach in diesem Zusammenhang von „komischen Angeboten“ und „sehr, sehr viel Geld“, zudem hätte er mehrere Rennen pausieren sollen.
„Er hat mir gedroht, er möchte mich zerstören, dafür sorgen, dass ich für Jahre in den Knast komme“, sagte Sutil. Die Vermutung, Lux habe durch eine Sutil-Pause sein eigenes Team stärken wollen, wies dieser zurück.
Der Prozess geht nun in einen zweiten Verhandlungstag. Nach ersten Aussagen unter anderem von Sutil und Lux könnte Richterin Christiane Thiemann am Dienstag bereits ein Urteil fällen, falls sich die Verteidigung und die Anklage nicht noch vorher auf einen „Täter-Opfer-Ausgleich“ einigen.
Gespräche darüber waren am Montag bereits unmittelbar nach Sitzungsende noch direkt vor dem Gerichtssaal aufgenommen worden. Gericht und Staatsanwaltschaft müssten einer Einigung zustimmen.
Sutils Anwalt Jürgen Wessing, Deutschlands Strafverteidiger des Jahres 2010, war in der Verhandlung darauf aus, zumindest den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung zu entkräften, wofür ein Vorsatz gegeben sein müsste. „Freisprüche sind nicht das, was man hier häufig hört, aber wir gehen in die Richtung“, sagte Wessing in einer Verhandlungspause.
Neben Sutil und Lux, Teilhaber des damaligen Renault- und heutigen Lotus-Rennstalls, wurden weitere Zeugen vernommen, unter ihnen auch der Belgier Jerome d'Ambrosio, der nach dem Aus bei Virgin für 2012 bei Lotus als Ersatzfahrer angeheuert hat.
McLaren-Pilot Lewis Hamilton, eigentlich ein guter Freund von Sutil, hatte sich als Zeuge entschuldigen lassen und vorab mitgeteilt, er habe nichts gesehen. Anders der als Zeuge aussagende Youssef Hammad, der als Gast von Lux in dem Club war.
Er hatte die fragliche Situation gesehen und von einer Art Ohrfeige gesprochen. Ein im Saal gezeigtes Überwachungsvideo aus der Disco brachte nicht viel Klarheit über den Ablauf.