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Rot steht für Raser: Was sagen die Farben unserer Autos?

 Beim Autokauf bekennen die Deutschen ungern Farbe. Neutrale Töne sind dominierend.
Beim Autokauf bekennen die Deutschen ungern Farbe. Neutrale Töne sind dominierend.
Foto: dpa

Beim Autokauf bekennen die Deutschen ungern Farbe. Das zeigt seit Jahren die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes. Erst auf dem vierten Platz, nach Grau, Schwarz und Weiß, bringt Blau ein wenig Farbe in die automobile Landschaft.

Das sei eine „Tarnkappengeschichte“, bei der man sich hinter gedeckten Tönen verstecke, erklärt der Farbpsychologe Professor Harald Braem vom Bettendorfer Institut für Farbpsychologie. Eigentlich sei der Autokauf eine „Liebesangelegenheit“. Doch das gebe man nicht offen zu und konzentriere sich stattdessen auf rationale Argumente wie den Wiederverkaufswert. „So muss man emotional keine Farbe bekennen“, sagt Braem.

Autofarbe zeigt Charakterzüge?

Hört man Experten beim Plaudern über Lacktöne und deren Bedeutung zu, verwundert die Zurückhaltung in Sachen Anstrich nicht. Denn wer möchte schon, dass von der Autofarbe gleich auf vermeintliche Charakterzüge geschlossen wird. Wer beispielsweise in einem braunen Auto um die Ecke biegt, wird in die Schublade „neue Ökogeneration“ gesteckt. Zumindest erklärt der Farbenhersteller BASF den anhaltenden Trend zu braunen Autolacken mit einem wachsenden Umweltbewusstsein. Auch eine Assoziation von Brauntönen und dem eigenen Zuhause, den eigenen Wurzeln, sei denkbar. Dem kann Farbpsychologe Braem nur beipflichten. Er bezeichnet die Erdton-Liebhaber als „Höhlenbewohner“ oder als „Einsiedlerkrebse“, die ihr Zuhause immer dabei hätten und sich meist für eine wohnzimmerähnliche Ausstattung entschieden.

Rot steht für schnell

Rot stehe hingegen für schnell, sagt der Farbpsychologe. Denn die Signalfarbe trickst das Gehirn aus und das derart lackierte Auto erscheint schneller, als es tatsächlich ist. Ein blauer Sportwagenfahrer gleite hingegen eher, als dass er rase, erklärt Braem. Denn Blau stehe in der Farbpsychologie für Unendlichkeit und der Fahrer fühle sich wie am Steuer eines „Raumschiffs“.

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger Center Automotive Research (CAR) nähert sich dem Thema auf sachlicher Ebene. Beim Autokauf spielten drei Aspekte eine Rolle: der psychologische, der wirtschaftliche und der technische. Zunächst einmal sei die Farbe eine Botschaft und bestimme, wie der Fahrer wahrgenommen werde: Wer sich für eine knallige Farbe entscheidet, will bewusst in Erscheinung treten. Deshalb finde man bei Selbstständigen viel häufiger ausgefallene Töne als bei Beamten, Ministern oder Bankern. „Sie werden einen Herrn Ackermann immer in einem dunklen Auto sehen“, sagt Dudenhöffer.

Zudem spielt bei der Farbwahl das Thema Wiederverkauf eine Rolle. Wer sich einem kurzlebigen Trend hingibt, muss das unter Umständen ein paar Jahre später beim Verkauf bezahlen. „Morgen und übermorgen“ werde bei der Farbwahl auch der Spritkonsum von Bedeutung sein, erläutert Dudenhöffer. Ein schwarzes Auto heizt sich im Sommer stark auf, wodurch die Klimaanlage mehr leisten muss - das kostet Sprit. Laut Dudenhöffer experimentiert die Industrie bereits mit Lacken, die ihre Farbe wechseln können - von dunkel zu hell und umgekehrt, je nach Lichteinfall.

Auswahl ist oft begrenzt

Fazit: Die unbunten Kolonnen auf deutschen Straßen sind rationalen und emotionalen Gründen geschuldet. Hinzu kommt, dass ein Autokäufer ohnehin auf das Angebot des Herstellers angewiesen ist. So kann man beim Kauf eines VW Polo aus zehn Farben wählen - Rosa nicht inbegriffen. Renault bietet seinen Twingo in neun Farben an und hat mit „Himbeerrot“ auch an mutige Selbstständige mit Geltungsdrang gedacht, die vielleicht auch ein wenig schneller wirken wollen als Beamte im dunkelblau gelackten Wagen.

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