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UKE-Professor Sommer rät: „Für guten Sex muss Mann trainieren“

Bei einem Date zu Hause gehen die meisten davon aus, dass der Abend im Bett enden könnte.
Bei einem Date zu Hause gehen die meisten davon aus, dass der Abend im Bett enden könnte.
Foto: dpa (Symbolfoto)

Er war hessischer Fitness-Aerobic-Meister, ist Sportmediziner, Urologe und seit 2005 am UKE Professor für „Männergesundheit“. Die MOPO sprach mit dem 44-jährigen Arzt Frank Sommer über Potenz, Sex im Alter und „Wundermittel“, die angeblich Männern mit Erektionsproblemen helfen.

MOPO: Ex-Währungsfonds-Chef Dominique Strauss-Kahn soll kürzlich gesagt haben, Sex mit sechs Frauen zur gleichen Zeit sei für ihn normal. Der Mann ist 63 Jahre alt. Was sagen Sie als Fachmann dazu?
Professor Frank Sommer: Da wäre er in einer außergewöhnlich glücklichen Lage. Zwar ist das auch mit 63 durchaus möglich. Doch wir haben eine Studie mit 20000 Menschen gemacht und Männer bis zum 80. Lebensjahr über ihr Sexualleben befragt. Dabei kam heraus: Jeder fünfte deutsche Mann zwischen 20 und 80 Jahren leidet unter Erektionsstörungen.


Ab wann lässt die sexuelle Leistungsfähigkeit denn nach?
Bei den 20- bis 30-Jährigen sind nur 2,4 Prozent der Männer von Erektionsstörungen betroffen. Männer zwischen dem 51. und dem 60. Lebensjahr sind schon zu 19,7 Prozent betroffen.

Und was hilft ?
Training ist alles.


Also täglich Sex?
Nehmen wir ruhig Strauss-Kahn als Beispiel. Wenn er fünf Mal die Woche Sex hätte, auf seine Ernährung achtet und gut schläft, so dass er gute nächtliche Erektionen hat – dann ist es möglich, dass er seinen jugendlichen Elan bis ins hohe Alter von sagen wir mal 80 Jahren aufrechterhalten kann.


Stichwort Ernährung: Austern, Eier – hilft da was?
Da gibt es nichts Spezielles. Fünf Hände voll Gemüse täglich sind gesund und helfen gegen Gefäßverengung. Denn die Gefäße im Penis sind vom Durchmesser her die kleinsten Gefäße im Körper. Sie haben ein bis zwei Millimeter Durchmesser und wenn es zu Ablagerungen kommt, merkt man es zuerst am Penis. Ich kann jedem Mann nur raten: Achten Sie auf Ihren Penis. Der Penis ist die Wünschelrute des Herzens. Bei der Untersuchung von Männern mit Herzinfarkt in Hamburg kam heraus: Vier bis acht Jahre bevor die den Infarkt hatten, lagen Erektionsstörungen vor. Daher: Jeder Mann mit Erektionsstörungen muss seine Penisgefäße mittels einer Doppler-Duplex-Sonografie untersuchen lassen!


Also Lebensstil ändern, wenn es Erektionsprobleme gibt?
Ja. Ich hatte hier einen ehemaligen Eishockey-Profi, Anfang 40. Der war nach Karriereende hochdotierter Manager geworden, hatte schnell 20 bis 30 Kilo zugenommen und Erektionsstörungen bekommen. Nur mit einer Tablette konnte er eine Erektion haben. Wir haben ihm geraten, seine Ernährung umzustellen und zu joggen. Mit Erfolg.


Türkische Forscher sollen Pistazien empfehlen?
Das ist wissenschaftlich nicht haltbar. Bei guten wissenschaftlichen Untersuchungen hätte man sowohl ein Placebo (also wirkungsloses Mittel) als auch Pistazien verabreicht. Bei 30 bis 50 Prozent der Personen, die nur leichte organische Probleme oder nur psychogene Probleme haben, gibt es einen Placebo-Effekt. Also 30 bis 50 Prozent der Männer zeigen plötzlich Superwerte.


Die Männer essen also ordentlich Pistazien und glauben fest daran und es wirkt?
Genau. Eine ähnliche Untersuchung gab es mal mit Ginseng.


Welche Rollen spielen psychologische Aspekte?
Starker Stress im Beruf kann sich auf die Sexualität auswirken. Ist der Kopf zu voll, beispielsweise mit Gedanken über Geschäftsabschlüsse, dann kann es im Bett zu Problemen kommen.

Nun soll es ein Nasenspray für besseren Sex geben?
Sie meinen Oxytocin, im Volksmund auch „Kuschelhormon“ genannt. Es wirkt nicht auf die Potenz, sondern eher bei Orgasmus-Problemen. Man muss es aber unmittelbar vor dem oder sogar beim Sex nehmen. Grundsätzlich ist es aber ein Bindungshormon. Man fühlt sich also allgemein unter Oxytocin mehr zu einem Menschen hingezogen.

Zur Person: Prof. Frank Sommer
Prof. Frank Sommer (44) ist selbst topfit, isst jeden Tag tropische Früchte wie Mango oder Papaya.
Foto: Schimkus

Frank Sommer (geb. 1967 in Aachen) studierte Medizin in Köln, war dann als Arzt in London tätig. An der Uniklinik Köln spezialisierte sich der Urologe auf männliche Sexualstörungen und erhielt ein Dutzend nationale und internationale Preise. Heute ist er weltweit der erste Universitätsprofessor für „Männergesundheit“. Die Namensgleichheit mit dem berühmten Sex-Ratgeber der Jugendzeitschrift „Bravo“ ist nur zufällig.

Gleich geht s weiter: Bitte einfach kurz die Frage zum Spot beantworten.

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