Viel zu niedrige Preise

Vorsicht vor den Schmuck-Aufkäufern!

Gewinner des Tests: Das Goldstübchen, Wandsbeker Chaussee 283, bot für das Gleiche 1684 Euro.
Gewinner des Tests: Das Goldstübchen, Wandsbeker Chaussee 283, bot für das Gleiche 1684 Euro.
Foto: Patrick Sun

An den Hauptstraßen Hamburgs finden sie sich alle paar Hundert Meter: Goldaufkäufer-Shops. Weithin sichtbar durch Werbebanner, auf denen es heißt: „Machen Sie Ihr Gold zu Geld“, „Bargeld sofort“ und „Höchste Kurse“. Aber bekommt der Kunde wirklich das, was sein Gold wert ist?

Die MOPO hat’s getestet. Unser Lockvogel: Marianne W. Einen Nachmittag lang bietet die 81-Jährige ihre Lieblingsstücke überall in Hamburg zum Kauf an. Übrigens: Nur zum Schein. Hergeben würde sie sie niemals. Viel zu viele Erinnerungen hängen an den beiden Armbändern, dem Ring und dem Amulett mit eingefasster Goldmünze...

„Schönen guten Tag. Ich wollte mal wissen, was das hier so wert ist. Wissen Sie, mein Enkel studiert und könnte eine kleine Finanzspritze gut gebrauchen.“ Die Chefin von „Happy Gold“, einem Laden an der Osdorfer Landstraße, guckt sich die Stücke an. Aber statt einen Preis zu nennen, will sie von der Kundin wissen, was die sich denn so vorgestellt hat. Offensichtlich will die Frau testen, wie viel Ahnung die Kundin hat.

Unser Lockvogel gibt sich bewusst naiv, antwortet achselzuckend: „Vielleicht 900 Euro?“ Die Frau grinst. „Da liegen Sie gar nicht so schlecht“, entgegnet sie, wiegt den Schmuck, rechnet. „Ich gebe Ihnen sogar 1350 Euro“, sagt sie schließlich und guckt dabei, als müsste ihr Gegenüber sogar noch dankbar sein. Ist Marianne W. aber gar nicht. Sie packt den Schmuck empört wieder ein: „Danke, nein.“

Die Schmuck-Aufkäufer

Bildergalerie ( 3 Bilder )

Denn die Seniorin kennt sich aus, hat sich vor Beginn des Tests Rat geholt bei der Aurum GmbH, Norddeutschlands größter Goldscheideanstalt. Geschäftsführer Dr. Mathias Kruse (58) analysierte den Schmuck mit Hilfe eines Massenspektrometers ganz genau und ermittelte den Goldanteil. Ergebnis: Alles zusammen hat 45,04 Gramm Feingold. Macht bei 38,81 Euro je Gramm (und das war der Ankaufspreis am vergangenen Mittwoch) insgesamt 1748 Euro. Kruse: „So viel würden wir Ihnen für den Schmuck zahlen, wenn Sie ihn uns heute überlassen.“ Mit anderen Worten: rund 400 Euro mehr !

Und dabei ist „Happy Gold“ noch nicht einmal der Laden mit dem schlechtesten Kurs. Den Vogel abgeschossen hat vielmehr das Goldschmiede-Atelier, Wandsbeker Chaussee 25. Der Betreiber trägt ein monströses Vergrößerungsgerät auf dem Kopf, sieht aus wie ein echter Experte. Sein Angebot: 1336,50 Euro. Noch mal fast 14 Euro weniger. Unglaublich.
Marianne W. klappert weitere Aufkäufer ab: Gold & Juwelen an der Esplanade will 1400 Euro für den Schmuck zahlen. Etwas mehr als die anderen beiden zwar, aber immer noch 350 Euro weniger als Aurum. Unverschämtheit.

„Moralisch verwerflich“ nennt Gold-Experte Kruse solche Angebote. „Die Kundschaft hat blindes Vertrauen in die Aufkäufer.“ Gerade vor solchen Geschäften warne er, die in ihrer Werbung betonen, wie seriös sie sind. Nicht selten seien gerade sie es, die die Gutgläubigkeit eiskalt ausnutzen und dicken Reibach machen.
Am Ende die gute Nachricht: Es gibt auch noch ehrliche Kaufleute. Wie den Sieger unseres Tests, das „Goldstübchen“, Wandsbeker Chaussee 283. Immerhin 1684 Euro wurden Marianne W. dort geboten – verkauft hat sie den Schmuck trotzdem nicht.

OW

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Datum:  10.9.2011
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