Hier ist alles nur Durchschnitt

Das ist Deutschlands häufigstes Wohnzimmer

Von Stephanie Lamprecht
Karen Heumann  (46), Vorstandsmitglied bei der Werbeagentur „Jung von Matt“. Das Wohnzimmer der Müllers soll den Werbern ein Gefühl für ihre Zielgruppe vermitteln: den deutschen Durchschnittsverbraucher.
Karen Heumann (46), Vorstandsmitglied bei der Werbeagentur „Jung von Matt“. Das Wohnzimmer der Müllers soll den Werbern ein Gefühl für ihre Zielgruppe vermitteln: den deutschen Durchschnittsverbraucher.
Foto: Florian Quandt

Ecksofa, Schrankwand und Deckenfluter – so wohnen Claudia und Thomas Müller, „Deutschlands häufigste Familie“. Die Werber der Hamburger Agentur „Jung von Matt“ haben dieses 20-Quadratmeter Durchschnittswohnzimmer streng statistisch eingerichtet.

Gemütlich ist es, mediterrane Farben, ein bisschen Deko-Nippes, Familienbilder und hinter der Tür ein paar Klappstühle. Das Wohnzimmer, in der Agentur liebevoll „Wozi“ genannt, soll den loftgewohnten Werbern den ganz normalen deutschen Verbraucher nahebringen.

Die Durchschnitts-Müllers

Claudia ist 43, Thomas 46. Sohn Jan ist 16. Sie wohnen in einem Mehrfamilienhaus in einer Dreizimmerwohnung (90 Quadratmeter, 410 Euro kalt), weiße Raufasertapete. Die Eheleute nennen sich „Schatz“. Seine Lieblingsbeschäftigung: Fernsehen. Ihre: Telefonieren. Ihr VW Golf ist acht Jahre al

Noch haben die Müllers ihren Rechner in einer Ecke des Wohnzimmers stehen, aber bald wird die Mehrheit einen Laptop besitzen. Dann fliegt der Computertisch raus.
Noch haben die Müllers ihren Rechner in einer Ecke des Wohnzimmers stehen, aber bald wird die Mehrheit einen Laptop besitzen. Dann fliegt der Computertisch raus.
Foto: Florian Quandt

Karen Heumann (46), Vorstandsmitglied bei Jung von Matt, kennt die Durchschnittsmüllers wie kaum jemand sonst: „Claudia träumt von Laminat“, sagt sie, „ich glaube, bald ist es so weit.“ Heißt: Sobald Laminat der häufigste deutsche Bodenbelag wird, muss das „Wozi“ umgestaltet werden.

Was hat sich seit 2004, als die Werber das „Wozi“ einrichteten, verändert? Der Fernseher ist nun ein Flachbildfernseher, ein Computertisch ist eingezogen, der DVD-Player hat den Videorekorder abgelöst. „Der Computertisch kommt wohl demnächst raus“, so Karen Heumann, „bald haben die meisten Familien einen Laptop.“ Das Sofa wurde bereits erneuert (machen die Deutschen alle acht Jahre).

Das Durchschnitts-Wohnzimmer

Bildergalerie ( 17 Bilder )

Die Durchschnittsdeutsche heißt Claudia (vor sechs Jahren war der häufigste Name noch „Sabine“), 1968 geboren, dunkelblond, 1,66 Meter, 67 Kilo. Sie arbeitet halbtags als kaufmännische Angestellte, hat ein Kind (16) und ist seit 1992 mit Thomas verheiratet, ebenfalls kaufmännischer Angestellter, 84 Kilo.

Anders als 2010 wird Claudia das Wohnzimmer zur Frauen-WM nicht schwarz-rot-gold schmücken. Trotzdem sind die Müllers sicher: Wir werden Weltmeisterinnen.

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Datum:  26.6.2011
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