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Chefetage: Warum Frauen so selten den Ton angeben

Foto: dpa

Deutsche Chefetagen sind in Männerhand. Noch immer gibt es nur wenige Frauen in Top-Positionen. Doch woran liegt das? Sind die Frauen selbst schuld? Und kann eine Quote etwas ändern?

Von Frauen-Power keine Spur: Nur 15 weibliche Vorstände gibt es derzeit in den 30 wichtigsten deutschen Unternehmen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Warum arbeiten so wenige Frauen in Spitzenposten?

Die Bremer Soziologie-Professorin Hilke Brockmann hat darauf eine einfache Antwort: „Viele Frauen reagieren gar nicht so positiv auf Karriereschritte wie Männer.“ Darüber hinaus sagt sie: „Außerdem ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gerade in Spitzenposition in aller Regel nicht möglich. Das so wichtige 'Networking' ist unglaublich zeitintensiv. Spitzenposten sind einfach keine Nine-to-five-Jobs.“ Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums fürchten Frauen, dass sie mehr leisten müssen als ein Mann in derselben Position und ihre eigenen Konzepte nur schwer durchsetzen können.

Kris Hauf, Präsidentin des Managerinnen-Netzwerks EWMD in Wiesbaden, macht vor allem altes Denken in den Chefetagen dafür die niedrige Frauenquote verantwortlich: „Es hängt mit der immer noch geringen Bereitschaft zusammen, andere Führungsstile und eine andere Arbeitskultur zuzulassen. Wie Beispiele in anderen Ländern zeigen, muss sich hier in der nächsten Zeit noch sehr viel tun.“ Studien hätten gezeigt, dass gemischte Teams bessere Ergebnisse zum Wohl der Unternehmen bringen. Doch die Untersuchungen würden noch nicht genug zur Kenntnis genommen.

Ist der Anteil von Top-Managerinnen gestiegen?

Frauen haben in den Führungsebenen deutscher Unternehmen im vergangenen Jahrzehnt aufgeholt, wenn auch nur sehr langsam: Ihr Anteil an leitenden Positionen stieg zwischen 2001 und 2010 von 22 auf 30 Prozent, wie eine im September 2012 veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ergab. In den Vorständen der 200 größten Unternehmen waren Ende 2011 allerdings nur 3 Prozent Frauen, in Aufsichtsgremien nur etwa 11 Prozent.

Wieso sitzen Frauen so oft im Personal-Ressort?

„Viele Frauen beginnen ihre Karriere in diesem Bereich, so dass es nur logisch ist, dass auch an der Spitze mehr Frauen vertreten sind“, erläutert Hauf. Es habe auch damit zu tun, „dass Frauen anders mit Macht umgehen, was in diesem Bereich eines Unternehmens besonders wichtig ist“.

Schneiden andere Länder besser ab?

Während es in Deutschland keine einzige Frau auf den Chefsessel eines der großen Konzerne geschafft hat, sind die Kolleginnen in den USA einen Schritt weiter. Zwar sind weibliche Firmenchefs auch hier eher die Ausnahme, doch es gibt sie. Vor allem in der Technologiebranche haben es auffällig viele Frauen bis ganz nach oben geschafft: Beim Computerbauer Hewlett-Packard hat Meg Whitman das Sagen. Bei der Internetfirma Yahoo ist die ehemalige Google-Vorzeigefrau Marissa Mayer die Nummer eins. Und beim IT-Urgestein IBM führt Virginia Rometty seit kurzem die Geschäfte.

Doch auch abseits der Tech-Branche gibt es Frauen in Top-Positionen: Ellen Kullman lenkt den Chemiekonzern DuPont, Irene Rosenfeld den Milka-Hersteller Mondelez (ehemals Kraft) und Indra Nooyi den Coca-Cola-Erzrivalen PepsiCo.

Braucht Deutschland eine Frauenquote?

Über eine gesetzliche Frauenquote wird seit Jahren gestritten: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte sich zuletzt für eine Quote von 40 Prozent sowohl in Vorständen als auch in Aufsichtsräten ausgesprochen. Die CDU hingegen hatte auf ihrem Parteitag im Dezember eine sogenannte Flexi-Quote beschlossen, mit der sich Unternehmen freiwillig zu einer Quote verpflichten sollen. Zielmarke soll sein, dass bis 2020 im Schnitt 30 Prozent der Aufsichtsräte in mitbestimmungspflichtigen Firmen Frauen sind.

Die EU-Kommission will den börsennotierten Unternehmen in der Europäischen Union vorschreiben, bis 2020 Aufsichtsratsposten zu 40 Prozent mit Frauen zu besetzen.

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