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Serie zum 75. Geburtstag

Seeler: „Die Uwe-Uwe-Rufe haben mich beflügelt“

Von Buttje Rosenfeld
Uwe Seeler im HSV-Stadion, dessen Neubau 1998 von ihm initiiert wurde. In der Hand hält er ein Foto von 1972: Die Fans trugen ihn nach seinem Abschiedsspiel im Volkspark gegen eine Weltauswahl auf ihren Schultern.
Uwe Seeler im HSV-Stadion, dessen Neubau 1998 von ihm initiiert wurde. In der Hand hält er ein Foto von 1972: Die Fans trugen ihn nach seinem Abschiedsspiel im Volkspark gegen eine Weltauswahl auf ihren Schultern.
Foto: WITTERS

Am Sonnabend ist es so weit: Uwe Seeler, Hamburgs größter Fußballer aller Zeiten, wird 75 Jahre alt. Seinen Geburtstag feiert er dort, wo er den HSV-Fans unendlich viele schöne Momente bescherte: Im Volksparkstadion begeisterte „Uns Uwe“ durch seine (Flug-)Kopfbälle, Fallrückzieher, seine unbändige Kampfkraft und schließlich durch seine vielen Tore. In der MOPO schildert er seine Erlebnisse, erklärt, wie er den Neubau vorantrieb und wie er den HSV von heute sieht.

Die Einführung der Bundesliga 1963 bedeutete für den HSV gleichzeitig den Umzug ins Volksparkstadion, in dem wir zuvor nur im Europapokal gespielt hatten. Der Rothenbaumsportplatz war zu klein und entsprach nicht den Sicherheitsbestimmungen des DFB. Jahrelang habe ich mich darüber geärgert, dass der Rasen in unserem neuen Zuhause zu lang und manchmal auch zu uneben war. Von der Stadt Hamburg hörten wir immer nur, dass „gewisse Dinge nicht machbar sind“. Und: „Wenn zu viel gewalzt wird, erstickt der Rasen.“
Daran lag es aber nicht, dass der HSV zu meiner Zeit in der Bundesliga nur Mittelmaß war. Der HSV hat zu spät das professionelle Denken angefangen. Alles lief immer hanseatisch korrekt ab. Geld war im Prinzip da, doch es wurde nicht das kleinste Risiko eingegangen. Wir Spieler konnten deshalb den normalen Beruf nicht aufgeben. Ich bin für „adidas“ nebenbei 60.000 Kilometer im Jahr gefahren.

HSV-Kapitän Uwe Seeler hat sich den Ball geschnappt, rennt los, den Blick voraus. Im Hintergrund beobachtet Franz Beckenbauer die Szene. Gegen dessen FC Bayern waren Uwe & Co. meist chancenlos.
HSV-Kapitän Uwe Seeler hat sich den Ball geschnappt, rennt los, den Blick voraus. Im Hintergrund beobachtet Franz Beckenbauer die Szene. Gegen dessen FC Bayern waren Uwe & Co. meist chancenlos.
Foto: WITTERS


Zudem war Sicherheit für mich immer extrem wichtig. Deshalb bin ich 1961 nicht zu Inter Mailand gegangen. Trainer Helenio Herrera wollte mich unbedingt, das Millionen-Angebot, von zunächst einer Million Mark Gehalt im Jahr, wurde ständig erhöht. Ich bin froh, dass ich nicht schwach wurde.


Beim HSV machte es ja auch Spaß. Natürlich hat es mich beflügelt, wenn die gewaltigen „Uwe, Uwe“-Rufe der HSV-Fans zu hören waren. Aber ich glaube, sie haben auch die gesamte Mannschaft angespornt, wir haben zusammen so manches Ding noch umgebogen.

Als meine Karriere sich dem Ende neigte, wurde eine große HSV-Ära eingeleitet. Meine Hochachtung gilt immer noch dem früh verstorbenen Talentspäher Gerhard Heid, der dem HSV u.a. Rudi Kargus, Peter Hidien, Caspar Memering und Manfred Kaltz bescherte. Ich bin froh, dass ich dem HSV später als Präsident helfen konnte – mit dem neuen Stadion. Meine Hochachtung gilt der Stadt Hamburg, die damals erkannt hat, dass wir sonst wohl schnell in der 3. Liga gelandet wären. Alle Parteien haben zugestimmt, das war großartig.


Ich gebe zu, dass ich mich in den vergangenen Jahren schon häufiger über meinen HSV geärgert habe. Ich bin alles andere als ein Nörgler, doch Kritik wurde zuletzt als etwas Böses angesehen. Ich finde es nicht gut, dass bei den Personal-Entscheidungen oft zu viel Risiko gegangen wurde. Auch beim HSV hat es immer gute Spieler gegeben, die man nach ihrer aktiven Karriere hätte einbauen können – angefangen vor langer Zeit mit Peter Nogly. Der Klub hat sich fast durchweg anders entschieden – und so viel von seiner Seele verloren. Das hat vor allem Bayern München, das viele verdienstvolle Spieler auf die eine oder andere Weise integriert hat, perfekt hingekriegt. Warum wir nicht?


Ich glaube trotz aktueller Krise, dass wir die Bundesliga halten werden, obwohl ich in jeder Liga zum HSV gehen würde. Aber es wird bis zum Schluss sehr eng bleiben. Im Stadion-Museum stehen viele Pokale aus besseren Zeiten. In dieser Saison ist der wichtigste Pokal der Klassenerhalt.

Fakten über Uwe

1. April 1946

Eintritt in den Hamburger SV

Uwe Seeler in Bildern

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Datum:  3.11.2011
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1. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Borussia Dortmund 80:25 81
2 Bayern München 77:22 73
3 FC Schalke 04 74:44 64
4 B. Mönchengladbach 49:24 60
5 Bayer Leverkusen 52:44 54
6 VfB Stuttgart 63:46 53
7 Hannover 96 41:45 48
8 VfL Wolfsburg 47:60 44
9 Werder Bremen 49:58 42
10 1. FC Nürnberg 38:49 42
11 1899 Hoffenheim 41:47 41
12 SC Freiburg 45:61 40
13 1. FSV Mainz 05 47:51 39
14 FC Augsburg 36:49 38
15 Hamburger SV 35:57 36
16 Hertha BSC Berlin 38:64 31
17 1. FC Köln 39:75 30
18 1. FC Kaiserslautern 24:54 23
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