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Nach Schlägerei und Trainer-Kritik: Suspendierter Rajkovic bittet den HSV um Verzeihung

HSV-Trainer Thorsten Fink im Gespräch mit Slobodan Rajkovic – das hat es schon lange nicht mehr gegeben.
HSV-Trainer Thorsten Fink im Gespräch mit Slobodan Rajkovic – das hat es schon lange nicht mehr gegeben.
Foto: imago

Lange hat er geschwiegen – nun meldet sich Slobodan Rajkovic zurück. Nach einer Trainingsprügelei und heftiger Kritik an Trainer Thorsten Fink wurde der Serbe Mitte Juli in die U23 strafversetzt. Im MOPO-Interview spricht er über die vielleicht schwierigste Zeit seiner Karriere – und bittet den HSV um Verzeihung.


MOPO: Eine abgedroschene, aber in Ihrem Fall sehr ernst gemeinte Frage: Wie geht es Ihnen?
Slobodan Rajkovic (23): Ich kann zurzeit nicht behaupten, dass es mir gut geht. Ich habe mir vor ein paar Monaten ein Problem geschaffen, dass mir das Leben nicht leichter macht.

Doch kein böser Typ? Slobodan Rajkovic bittet um Verzeihung.
Doch kein böser Typ? Slobodan Rajkovic bittet um Verzeihung.
Foto: WITTERS


Meinen Sie Ihre Trainings-Prügelei mit Heung Min Son oder das anschließende Interview, in dem Sie Ihren Trainer Thorsten Fink der Lüge bezichtigten?
Ich meine in erster Linie das Interview. Über das, was im Training passiert ist, möchte ich gar nicht reden, sowas kann im Eifer des Gefechts passieren. Mein Verhältnis zu Sonny ist auch völlig intakt, so wie vorher. Aber ich habe erst im Nachhinein verstanden, was ich mit meinen anschließenden Aussagen angerichtet habe. Es tut mir sehr leid.


Allerdings waren Ihre Aussagen sehr hart. Wie kam es dazu?
Ich war in einer Situation, in der ich wahrscheinlich nicht wusste, was ich tat. Aber ich wollte bestimmt niemandem im Verein und im Umfeld etwas Böses. Ganz im Gegenteil. Der Verein steht immer hinter uns und wir Spieler müssen das zu schätzen wissen. Aber in dem Moment des Interviews habe ich das völlig ausgeblendet. Ich war nicht ich selbst.

Würden Sie sich mittlerweile anders ausdrücken?
Selbstverständlich. Ich würde in jedem Fall erstmal nach Hause fahren und einen kühlen Kopf bekommen. Ich habe daraus gelernt.

Der traurige Abgang von Slobodan Rajkovic. Mit gesenktem Haupt und langsamen Schritten verlässt der Verteidiger das HSV-Trainingsgelände.
Der traurige Abgang von Slobodan Rajkovic. Mit gesenktem Haupt und langsamen Schritten verlässt der Verteidiger das HSV-Trainingsgelände.
Foto: Witters


Es war vor allem Ihr Trainer, der von Ihnen attackiert wurde …
…und ich möchte mich dafür ausdrücklich bei ihm entschuldigen! Es tut mir wirklich sehr leid.

Haben Sie sich schon persönlich bei ihm entschuldigt?
Nein.


Warum nicht? Sie trainieren doch mit der U23 und sehen sich ab und zu am Stadion.
Aber ich kann ja nach allem, was vorgefallen ist, nicht wie selbstverständlich zu ihm gehen und an seine Tür klopfen. Das ist auch eine Frage des Respekts. Doch ich würde wirklich gern mit ihm sprechen.


Ihr Sportchef Frank Arnesen hat sich sehr für Sie eingesetzt. Könnte er nicht als Feuerlöscher dienen?
Wir haben einen guten Kontakt – aber für ihn ist es auch nicht leicht. Herr Arnesen möchte den Trainer unterstützen, er möchte der Mannschaft helfen und er möchte sicherlich auch mir helfen. Sehr kompliziert.


Sie hätten im Sommer auch flüchten und woanders einen Neuanfang starten können. Wollten Sie nicht weg?
Genau das ist der Punkt: Ich wollte es nicht! Das hatte nichts damit zu tun, dass es keine Angebote gab. Es gab Vereine aus Holland, Russland, später auch Italien und Spanien.

Slobodan Rajkovic (r.) im Zweikampf mit Dennis Diekmeier. Nur allzu gerne würde der Serben-Verteidiger wieder mit den Profis trainieren.
Slobodan Rajkovic (r.) im Zweikampf mit Dennis Diekmeier. Nur allzu gerne würde der Serben-Verteidiger wieder mit den Profis trainieren.
Foto: witters


Klingt doch nicht schlecht.
Aber ich bin mir immer noch sicher, dass ich hierher gehöre. Ich wollte und will nicht weg. Ich bin doch nicht zum Spaß vor einem Jahr von Chelsea hierhergekommen. Ich hatte den HSV schon länger im TV verfolgt. Und als sich die Chance des Wechsels bot, habe ich nicht gezögert. Das ist ein toller Verein, das lässt man nicht so einfach liegen. Ich bin genau richtig hier.

Sie dürfen als Nicht-EU-Ausländer auch nicht für die U23 spielen. Was bedeutet das für Ihre Nationalmannschaftskarriere?
Nichts Gutes. Ich habe mich mit meinem Nationaltrainer in Belgrad getroffen. Er möchte mir gern helfen. Aber wenn ich im Verein nicht spiele, ist es natürlich schwierig, mich zu nominieren.


Sie trainieren in der Regel neben den Profis. Was ist es für ein Gefühl, quer über den Platz zu den Kollegen zu schauen?
Das tut natürlich weh. Aber zurzeit freue ich mich auch für Sie, dass es wieder besser läuft. Schön, dass wir jetzt zweimal vor unseren Fans gewonnen haben.

Sie sagen „wir“ und „unsere“.
Ja, natürlich.


Sie fühlen sich weiterhin als Teil des Teams?
Ja, definitiv. Ich habe ja viel Kontakt zu den Jungs. Und wenn du weißt, wo du hingehörst und das Gefühl hast, dass du zu Hause bist, dann fühlst du dich als Teil der Familie. Das macht es ja so schwer: Du fährst jeden Tag zum Training, findest Kumpels im Team – und plötzlich ist alles anders und du musst mit dieser Situation klarkommen und einen Weg finden. Ich hoffe, dass ich bald auch wieder ein richtiger Teil der Mannschaft sein kann – auf dem Platz.


Mal angenommen, das sollte nicht klappen – können Sie es sich erlauben, ein Jahr lang auf der Tribüne zu sitzen?
Klar ist: Ich will beim HSV zurück kommen. Bis zum Winter gebe ich mir Zeit. Aber ansonsten müsste ich mir natürlich irgendwann mal Gedanken machen. Es geht ja dann irgendwann auch um meine Karriere.

Herr Rajkovic, was macht Ihnen Hoffnung, dass es für Sie beim HSV eine Wende zum Guten geben wird?
Dass es mir mit meiner Entschuldigung wirklich ernst ist. Und dass Menschen nun mal Fehler machen. Ich habe meinen längst bereut. Es tut mir wirklich leid.

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