Natürlich geht es in den Hafen. So gehört es sich doch vorm Stadtderby. Und die Fußball-Leidenschaft könnte unterschiedlicher nicht sein. Sager, Bundestagsabgeordnete der Grünen und früher Hamburgs zweite Bürgermeisterin, ist leidenschaftliche St. Pauli-Verehrerin – ihr Mann zog jüngst in den Aufsichtsrat des HSV ein. Ein glückliches Paar, das allerdings am Derby-Sonntag strikt getrennte Wege gehen wird. Die MOPO bat im noblen „La Vela“ zum verbalen Schlagabtausch vor dem Derby.
Ertel: Die Liebe schlägt am Ende alles. Ihretwegen sieht man über alles hinweg, deshalb haben wir damit leben gelernt – auch mit Kristas Fußball-Leidenschaft. Liebe wiegt eben schwerer.
Sager: Das ging schnell. Manfred ist schon damals regelmäßig zum HSV gegangen. Da habe ich ihn ab und zu mal begleitet. Und er mich.
Ertel: Krista ist ja seit vielen Jahren Hamburgerin, auch St. Paulianerin. Ich kannte sie als politische Vermittlerin im Hafenstraßen-Konflikt für die Grünen. Eine der ersten Erfahrungen, die ich mit ihr machte, war, dass sie auch zu St. Pauli ging.
Sager: Und 2001 bist du mit zum Aufstiegsspiel nach Nürnberg gefahren.
Ertel: Ich habe mich unwahrscheinlich für Krista gefreut. Und man denkt ja ein wenig hamburgisch. Eine direkte Konkurrenz gab es damals aber auch noch nicht so.
Sager: Es wurde schwieriger, als wir 2001 in der selben Liga spielten. Da saß ich beim Stadtderby im Stadion an der Müllverbrennungsanlage und habe mich wahnsinnig geärgert.
Ertel: … bei unserem 4:0-Sieg.
Sager: Jedes Mal, wenn ein Tor fiel, sprang er auf und jubelte. Und ich habe mich wie die Pest geärgert. Bei einem Derby im Stadion nebeneinander zu sitzen, das geht gar nicht.
Ertel: Beim 4:0 hat sie mich an der Jacke runtergezogen und gesagt: Ich finde, jetzt reicht’s!
Sager: Nein, das ist eine zu heiße Nummer.
Ertel: Wir haben völlig getrennte Karten. Wir fahren getrennt hin und getrennt wieder weg. Und wir werden den HSV-Sieg nach dem Spiel auch getrennt feiern.
Sager: Und wo gehst du hin, falls du trauern musst?
Ertel: Nach Hause, ins Bett.
Sager: Aber ich pflege dich dann nicht. Ich muss dann ja irgendwo feiern.
Sager: Die Fanszene hat sich verändert, das finde ich gut. Aber ich denke, wir haben da auch ein Stück vorgelegt. Dadurch ist der HSV ein wenig unter Druck geraten – was das Image in der Stadt angeht, was Aktionen gegen Rassismus und Diskriminierung angeht. Da haben sie eine Menge gemacht. Da kann man sich moralisch nicht mehr so überlegen fühlen.
Ertel: Dass ihr in dem Bereich vorgelegt habt, sehe ich ganz anders. Rassismus wird bei uns seit Langem aktiv bekämpft. Es gibt in Hamburg eine völlig verzerrte Wahrnehmung. Kultklub gegen Kommerz – das ist völlig einseitig. Pauli hat vor einigen Jahren den Totenkopf patentieren lassen. Das war eine reine Kommerzentscheidung. Will ich nicht kritisieren, haben sie klug gemacht. Aber dann so zu tun, als seien sie der Anti-Kommerz-Klub, das passt nicht. Das Gerede geht mir ein wenig auf den Wecker.
Sager: Für mich ist es kein Verein, mit dem ich mich identifizieren könnte. Mich stört diese Arroganz, dieses: „Wir sind der Stadtverein und ihr seid die Zecken vom Kiezklub“. Ein Dämpfer tut denen mal gut. So wie beim letzten Derby. Da sind sie mit knapper Not mit einem Punkt davongekommen.
Ertel: Na ja, was heißt mit knapper Not …
Sager: So war es. Spielen wir jetzt so wie gegen Köln und ihr wie in Nürnberg, dann könnt ihr Sonntag eine ganz böse Überraschung erleben.
Ertel: Was Pauli mit seinen Strukturen und finanziellen Möglichkeiten auf die Beine gestellt hat, muss man würdigen. Und sie haben in den letzten Jahren eine ganz klare Führungsstruktur geschaffen, wo jeder sich nur um das kümmert, was er kann, um diesen Verein zu führen. Da unterscheiden sie sich vom HSV, wo es in den letzten Jahren zu viele Leute gab, die sich für omnipotent hielten. Dadurch wurden Zuständigkeiten und fachliche Qualifikationen verwischt. Da können wir von Pauli lernen.
Sager: Klar, aber Manfred ist viel frecher als ich.
Ertel: Nein, das nicht …
Sager: Doch!
Ertel: Dadurch dass Krista gebürtige Bremerin ist, gibt es zusätzliche Sensibilitäten. Als wir vor zwei Jahren während der Werder-Wochen in einem Halbfinale rausflogen und ich nach Hause kam, sagte sie: „Das tut mir aber leid.“ Und ich meinte, in der Stimme etwas Süffisantes rauszuhören.
Sager: Umgekehrt ist es genauso. Du machst einen Spaß, aber der geht mir dann zu weit. Du findest das lustig, ich bin aber gekränkt. Das macht mich sauer. Aber Manfred ist empfindlicher, wenn es um Werder geht, als um Pauli.
Ertel: Das stimmt nicht! Bei Werder habe ich die Hasskappe nur länger auf. Aber bei Pauli reagiere ich wesentlich empfindlicher. Das hast du nur nicht so mitbekommen, weil ihr so viele Jahre nicht in der ersten Liga wart. Ihr wart mir doch bis letztes Jahr völlig egal.
Ertel: Wenn wir als Aufsichtsrat Entscheidungen treffen, werden wir sicher auch mal Kritik bekommen. Wie ich dann damit umgehen kann, ist schwer vorherzusagen, das muss ich lernen. Ich spüre jetzt schon: Mit Entscheidungen Millionen zu bewegen, das ist eine emotional andere Sache, als wenn man als Außenstehender sagt: Ihr macht alles falsch.
Sager: Ich habe mich sehr für meinen Mann gefreut. Aber ich dachte auch: Meine Güte, was tut er sich da an. Aber das hat er über mich in der Politik ja auch oft gedacht. Er mutet sich da unheimlichen Stress zu.
Ertel: Ich vertraue darauf, dass wir gewinnen. Weil ich überzeugt bin, dass sich unsere Mannschaft nicht noch so eine Leistung wie im Hinspiel erlauben wird. Viele Spieler haben damals nicht begriffen, was dieses Spiel für uns Fans bedeutet. Ich denke an ein 3:1.
Sager: Unseren Jungs muss man nichts erklären – die wissen, was Derby heißt. Deshalb gewinnen wir 2:1.
Sager: …ist es nicht weiter schlimm. Wir müssen vor allem gegen Gladbach gewinnen.
Ertel: Würde ich unterstreichen. Für uns wäre es in der Tat eine Katastrophe.
Am Trikot, an der Stimme oder an der Frisur - es gibt unterschiedliche Merkmale an denen HSV-Fans ihre Lieblingsspieler erkennen können. Aber wie sieht es denn mit den Augen aus?
| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
| 1 | Borussia Dortmund | 80:25 | 81 | ||
| 2 | Bayern München | 77:22 | 73 | ||
| 3 | FC Schalke 04 | 74:44 | 64 | ||
| 4 | B. Mönchengladbach | 49:24 | 60 | ||
| 5 | Bayer Leverkusen | 52:44 | 54 | ||
| 6 | VfB Stuttgart | 63:46 | 53 | ||
| 7 | Hannover 96 | 41:45 | 48 | ||
| 8 | VfL Wolfsburg | 47:60 | 44 | ||
| 9 | Werder Bremen | 49:58 | 42 | ||
| 10 | 1. FC Nürnberg | 38:49 | 42 | ||
| 11 | 1899 Hoffenheim | 41:47 | 41 | ||
| 12 | SC Freiburg | 45:61 | 40 | ||
| 13 | 1. FSV Mainz 05 | 47:51 | 39 | ||
| 14 | FC Augsburg | 36:49 | 38 | ||
| 15 | Hamburger SV | 35:57 | 36 | ||
| 16 | Hertha BSC Berlin | 38:64 | 31 | ||
| 17 | 1. FC Köln | 39:75 | 30 | ||
| 18 | 1. FC Kaiserslautern | 24:54 | 23 | ||
Ein Spiel, ein Sieg: Frank Arnesens Trainerkarriere beim HSV hätte nicht besser laufen können. MOPO.DE zeigte die Punkteausbeute aller 33 Bundesliga-Trainer des Vereins.
Mladen Petric hat für den HSV bislang 31 Bundesliga-Tore erzielt. Das reicht noch nicht für die Top 20 aller Zeiten. Wer's geschafft hat, lesen Sie hier.
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