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Große Serie zum 75. Geburtstag

Uwe Seeler: "Ohne Mama Anni wurde nicht angepfiffen"

Von Butje Rosenfeld
Nicht nur weil Uwe in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnt, guckt er ab und zu mal auf den Trainingsplätzen in Ochsenzoll vorbei, wo er als junger Fußballer unzählige Liegestütze machen musste.
Nicht nur weil Uwe in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnt, guckt er ab und zu mal auf den Trainingsplätzen in Ochsenzoll vorbei, wo er als junger Fußballer unzählige Liegestütze machen musste.
Foto: WITTERS

Am 1. April 1946 hat mich mein Vater Erwin beim HSV angemeldet. Die Bedingungen des Trainingsgeländes in Ochsenzoll waren damals schon sensationell. Sicherlich haben mich Flugkopfbälle und Fallrückzieher auf Kopfsteinpflaster und Grandplätzen abgehärtet – aber natürlich war es eine Wohltat, auf einem der zehn Rasenplätze zu üben.

Die Kabinen waren sehr schlicht, aber die Fassbrause im alten Restaurant „Lindenhof“ total lecker. Um aus der Stadt zum Training zu kommen, gab es zwei Möglichkeiten: Entweder mit der U-Bahn – erst von der Kellinghusenstraße, später von Hoheluft – bis Ochsenzoll, von dort aus zu Fuß. Oder ich bin mit dem Fahrrad gefahren. Das musste ich mir allerdings erst erarbeiten. Einfach eines kaufen war nicht drin. Manchmal habe ich mich mit meinen Mitspielern wie Jürgen Werner oder Gerd Krug irgendwo getroffen. Dann sind wir zusammen über die Alsterkrugchaussee und über die Langenhorner Chaussee die etwa zwölf Kilometer nach Norderstedt gefahren.

1970: Mama Anni, Papa Erwin und Gattin Ilka freuen sich über  über den Pokal, den Uwe für seine Wahl zu Deutschlands erstem Fußballer des Jahres erhielt.
1970: Mama Anni, Papa Erwin und Gattin Ilka freuen sich über über den Pokal, den Uwe für seine Wahl zu Deutschlands erstem Fußballer des Jahres erhielt.
Foto: Witters

An Wettkampftagen war das Radeln verboten. Günther Mahlmann, unser Trainer, der die Jugendarbeit beim HSV mit Herzblut aufbaute, wollte nicht, dass wir erschöpft ankommen. Training war zwei, drei Mal die Woche. Einmal habe ich lieber Straßenfußball gespielt. Da ließ Mahlmann mir über meinem Vater ausrichten: „Wenn du meinst, du müsstest schwänzen, brauchst du gar nicht wieder zu kommen.“ Das hat gesessen.

In Ochsenzoll bin ich groß geworden, da habe ich mich weiterentwickelt, das Kopfballpendel kennen- und schätzen gelernt. Ich weiß, dass es heute meist keine Rolle mehr spielt, sogar verpönt ist. Ich behaupte aber, und da bin ich gern ein bisschen altmodisch, dass es immer noch Erfolg versprechen würde. Du kannst deine Sprungkraft, das Timing und die Berechnung des Balles wunderbar üben. Denn bei Flanken darfst Du nicht stehen bleiben, nicht auf den Ball warten. Du musst deinen Gegenspieler quasi bewegen, dann im richtigen Moment abspringen. Selbst für die Drehschläge mit dem Fuß war ich oft am Pendel, was meinem Fein- und Sicherheitsgefühl gut getan hat.

Nach Uwes 2:1 in Schweden war die WM ’66 klar.
Nach Uwes 2:1 in Schweden war die WM ’66 klar.
Foto: dpa

Ich weiß noch, wie mein erstes HSV-Trikot gerochen hat. Hübsch auszusehen wie heute war nicht wichtig, sondern dass man überhaupt ein Jersey hatte. Und bei meinen ersten Fußballschuhen wurden die Stollen auf einem Querbolzen draufgenagelt. Ochsenzoll war eine wunderschöne Zeit.

Bei den Spielen war meine Mutter Anni immer dabei. Ohne sie wurde nicht angepfiffen. Pöbelnde Eltern wie heute gab es bei uns nicht. Mahlmann hatte alles im Griff. Er war eine echte Respektsperson. Ich habe ihn dafür bewundert, wie er alles im Griff hatte, er sich für die Sorgen von uns Jungs in jeder Beziehung interessierte. Wenn doch mal ein Vater oder eine Mutter lauter wurde, machte er ihnen klar: „So geht’s nicht. Ihr macht die Kinder verrückt.“

Selbst mein berühmter Vater hielt sich da raus. Er gab mir nicht einmal Tipps, erklärte nur knapp: „Sprich lieber mit Herrn Mahlmann.“ Allerdings wollte Vadder nicht, dass mein Bruder Dieter und ich Weicheier oder Jammerlappen werden. Bei einem Bluterguss forderte er: „Macht einen kalten, nassen Lappen drauf, dann ist der in zwei Tagen weg.“ Vielleicht gelang es mir auch deshalb, in meiner langen Profi-Karriere so viel einzustecken und nicht gleich aufzugeben.

Fakten über Uwe

1. April 1946

Eintritt in den Hamburger SV

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Datum:  2.11.2011
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1. Bundesliga
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4 B. Mönchengladbach 49:24 60
5 Bayer Leverkusen 52:44 54
6 VfB Stuttgart 63:46 53
7 Hannover 96 41:45 48
8 VfL Wolfsburg 47:60 44
9 Werder Bremen 49:58 42
10 1. FC Nürnberg 38:49 42
11 1899 Hoffenheim 41:47 41
12 SC Freiburg 45:61 40
13 1. FSV Mainz 05 47:51 39
14 FC Augsburg 36:49 38
15 Hamburger SV 35:57 36
16 Hertha BSC Berlin 38:64 31
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