Was für ein Fest im Volkspark! Der HSV schnappte sich den wichtigsten Sieg einer jeden Saison, besiegte Werder Bremen mit 3:2 (1:1) und festigte vor 54 758 Fans seine Vormachtstellung im Norden. So macht dieser HSV richtig Spaß.
Um 17.21 Uhr gab es kein Halten mehr. Die After-Show-Party konnte beginnen, dem ekligen Nieselregen zum Trotz. „Die Nummer eins im Norden sind wir“, hallte es nach dem Abpfiff durch die Arena. Gänsehaut pur nach einem Sieg des Willens gegen Werder. Nicht immer schön, auch nicht wirklich glanzvoll – aber mit eben jener Leidenschaft, die die Fans von ihrem HSV sehen wollen.
Eine der Hauptrollen kam dabei Thorsten Fink zu. Der Trainer gab alles, schwor seine Jungs auf das Derby ein. „In den letzten beiden Spielen gegen Werder habe ich das Derby-Feeling bei meinen Spielern vermisst“, erklärte Fink – und griff in die Psycho-Kiste. Er ließ vorm Anpfiff Videoszenen von den letzten Siegen gegen Werder vorspielen.
In der Kabine hing ein Poster, das einen Pitbull und die Aufforderung „Da ist der Bremer“ zeigte. Damit nicht genug: Psycho-Fuchs Fink las seinen Jungs Passagen aus Paulo Coelhos Werk „Sei wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt“ vor. Klingt gaga, wirkte aber. „Der Trainer hat uns sehr motiviert“, lobte Heung Min Son.
Zumindest hallte es nach – denn der Start ging in die Hose. Werder führte früh, nachdem Ignjovskis Flanke auf Lukimyas Kopf landete (9.). Doch der HSV schüttelte sich. Und dann ging die Lutzi ab: Son vernaschte Gebre Selassie, traf aus spitzem Winkel fantastisch in den rechten oberen Winkel – ein Traumtor zum 1:1 (22.).
Ein mitreißendes Derby, trotz aller Unwägbarkeiten auf beiden Seiten. Der HSV nahm weiter Fahrt auf – und brachte den Volkspark kurz nach dem Wechsel zum Beben: Über Lukimya und Son kam der Ball im Strafraum zu Aogo, der den Ball zum 2:1 eindrosch (46.). Glück für den HSV, dass Schiri Kinhöfer zuvor ein Handspiel übersah! Unbändiger Jubel acht Minuten später, nachdem Rudnevs Aogos Hereingabe zum 3:1 vollendete.
Die Entscheidung? Von wegen! Adler ließ Sokratis’ Schuss ins Tor flutschen, Werder verkürzte (54.), kam dem 3:3 durch de Bruyne (61.) und Ekici (63.) bedrohlich nahe. Doch der HSV rettete den Sieg gegen am Ende neun Bremer über die Zeit. Erst sah Fritz nach Foul an Arslan Gelb-Rot (80.), in der Nachspielzeit auch noch Arnautovic.
Der Rest war Jubel. Nach drei Derby-Pleiten in Folge wieder ein Erfolg gegen Werder. „Die ganze Stadt hat diesen Sieg gebraucht“, jubilierte Kapitän Heiko Westermann. Rafael van der Vaart ergänzte: „Das war ein Derby, wie es sein sollte.“ Und der Start aus der Winterpause ist geglückt: Vier Punkte aus den ersten beiden Spielen, nur einen Zähler Abstand zu den Europa-League-Rängen und weiter die Nummer eins des Nordens – das passt, HSV!
Lesen Sie hier den MOPO-Kommentar zum Derby-Sieg.
Stimmen zum Spiel:
Heiko Westermann: Wir sind katastrophal ins Spiel gekommen. Erst nach 20 Minuten wurde es besser. Es war ein Kampfspiel. Wir haben eine sehr gute Leidenschaft an den Tag gelegt. Derby-Siege sind immer etwas Besonderes. Die ganze Stadt hat diesen Sieg gebraucht.
Rafael van der Vaart: Das war ein Derby, wie es sein muss. In der zweiten Halbzeit haben wir überragend gespielt. Das Tor von Son war für uns der Weckruf. Der Sieg ist wichtig für die Fans und den Verein. Das Vertrauen ist da, dann gewinnt man solche Spiele auch. Wir haben nicht immer gut gespielt, aber trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass wir verlieren könnten.
Heung Ming Son: Ich weiß auch nicht, wie ich den Ball bei meinem Tor getroffen habe. Es war eine 50:50 Chance. Es war wohl das schönste Tor meiner Karriere.
Dennis Aogo: Ich bin jetzt nicht euphorisch, aber ich freue mich, dass mir mein erstes Bundesligator für den HSV in einem so wichtigen Spiel gelungen ist. Das ist für mich die absolute Genugtuung. Dass ich den Ball mit der Hand berührt habe, hatte ich gar nicht gemerkt und es ist mir auch egal. Ich habe einfach wieder Spaß auf dem Platz und am Fußball. Wenn es jetzt wieder 117 Spiele bis zum nächsten Tor dauert, dann soll es so sein.
Artjoms Rudnevs: Das war ein harter Fight. In solchen Spielen musst du bis zum letzten Tropfen kämpfen. Das haben wir getan und das macht mich stolz.
Kurzpässe:
Poker: Die Verleihe von Paul Scharner zum FC Sunderland hängt weiterhin in der Schwebe. „Das Problem ist, dass Sunderland gern eine Kaufoption hätte“, so der Österreicher. „Für mich ist aber klar, dass ich im Sommer wieder hier in Hamburg sein werde. Ich will nur ein Leihgeschäft.“ Scharner hofft weiterhin, dass der Deal klappt. Dass er gegen Werder nur auf der Tribüne saß, quittierte er entsprechend: „Natürlich bin ich sauer darüber.“
Prügel: Ärger gab's vorm Spiel zwischen den Fangruppen. Mehrere HSV-Anhänger stürmten in die Bremer Kurve, um den Gästen ihr Banner für die Choreo zu entwenden, das den 1982 tödlich verunglückten Werder-Fan Adrian Maleika zeigte. Es kam zu Schlägereien – überflüssig und dumm.
Pulli: Aufsichtsrat Ali Eghbal erschien in seinem Glückstrikot zum Werder-Kick. Das rote 83er Meistershirt hatte er schon bei seiner überraschenden Wahl vor zwei Wochen an und geschickt in seine Rede eingebunden. Das Ding scheint Gold wert zu sein.
Promis: Der unter einem Achillessehnenriss leidende Ex-HSV-Star Nigel de Jong (jetzt AC Mailand) war zu Besuchs, schnappte sich nach Abpfiff Rafael van der Vaarts Trikot. Kehrt auch Nigel irgendwann zurück? „Im Moment fühle ich mich in Mailand wohl“, sagte er der MOPO. „Aber vielleicht mache ich es irgendwann wie Rafael und spiele wieder für den HSV.“
Patzer: Bundestorwarttrainer Andy Köpke war im Stadion, machte sich ein Bild von René Adler. Bitter, dass der Keeper ausgerechnet diesmal patzte.
Programm: Die Profis laufen am Montag um 10 Uhr aus.
| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
| 1 | Bayern München | 98:18 | 91 | ||
| 2 | Borussia Dortmund | 81:42 | 66 | ||
| 3 | Bayer Leverkusen | 65:39 | 65 | ||
| 4 | FC Schalke 04 | 58:50 | 55 | ||
| 5 | SC Freiburg | 45:40 | 51 | ||
| 6 | Eintracht Frankfurt | 49:46 | 51 | ||
| 7 | Hamburger SV | 42:53 | 48 | ||
| 8 | B. Mönchengladbach | 45:49 | 47 | ||
| 9 | Hannover 96 | 60:62 | 45 | ||
| 10 | 1. FC Nürnberg | 39:47 | 44 | ||
| 11 | VfL Wolfsburg | 47:52 | 43 | ||
| 12 | VfB Stuttgart | 37:55 | 43 | ||
| 13 | 1. FSV Mainz 05 | 42:44 | 42 | ||
| 14 | Werder Bremen | 50:66 | 34 | ||
| 15 | FC Augsburg | 33:51 | 33 | ||
| 16 | 1899 Hoffenheim | 42:67 | 31 | ||
| 17 | Fortuna Düsseldorf | 39:57 | 30 | ||
| 18 | SpVgg Greuther Fürth | 26:60 | 21 | ||
Mladen Petric hat für den HSV bislang 31 Bundesliga-Tore erzielt. Das reicht noch nicht für die Top 20 aller Zeiten. Wer's geschafft hat, lesen Sie hier.
Bundesliga-Kenner aufgepasst: Ab sofort können Sie sich für unser traditionelles Fußball-Tippspiel anmelden. Beim Buli-Cup warten tolle Preise auf die besten Tipper!
Alle wichtigen Infos über den HSV für das iPhone! Und das kostenlos! Dazu den exklusiven Reporterticker, mit dem Sie noch näher am Geschehen sind.
| Bundesliga | 2. Bundesliga |
| 3. Liga | Frauen-Bundesliga |
| A-Jugend BL Nord | B-Jugend BL Nord |