Hamburgs versteckte Paradiese
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Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 12.7.2011

Teil 8: Alter Friedhof in Harburg: Himmlische Ruhe

Von Thomas Hirschbiegel und Florian Quandt (Fotos)
Die „Trauernde“ am Grab der Familie Eddelbüttel.
Die „Trauernde“ am Grab der Familie Eddelbüttel.
Foto: Florian Quandt

Der bronzene Jüngling schaut traurig auf ein verfallenes Grab. Eine „Dame“ aus Sandstein lehnt an einer Säule und blickt schwermütig in die Ferne. Roter Fingerhut rankt an verrosteten Gittern: Vor mehr als 40 Jahren gab es auf dem „Alten Harburger Friedhof“ an der Bremer Straße die letzte Beisetzung. Heute ist die Anlage ein Park – und Tod und Trauer sind noch immer allgegenwärtig.

Wer sich die Mühe macht, die alten Inschriften auf den verwitterten Grabsteinen zu entziffern, taucht in die Geschichte ein: Bekannte Harburger wie Maret, Blohm oder Eddelbüttel liegen hier. Ihre Namen schmücken noch heute Straßen im südlichsten Bezirk Hamburgs.

Leben und Tod: Roter Fingerhut (giftig!) vor  dem rostigen Gitter eines Familengrabs  auf dem Alten Friedhof Harburg.
Leben und Tod: Roter Fingerhut (giftig!) vor dem rostigen Gitter eines Familengrabs auf dem Alten Friedhof Harburg.
Foto: Florian Quandt

1828 wurde der „Friedhof auf dem Krummholzberg“ eingeweiht. 1937 wurde die letzte Ruhestatt eingerichtet, 1969 der letzte Tote in einem Familiengrab beigesetzt.

Danach verfiel die Anlage. Viele Gräber wurden verwüstet, sogar Partys auf dem Friedhof gefeiert. Erst seit einigen Jahren kümmert sich ein Verein um das von alten Bäumen geprägte Areal.

Rostige Zäune und steinerne Kreuze unter dem Blätterdach.
Rostige Zäune und steinerne Kreuze unter dem Blätterdach.
Foto: Florian Quandt

Bis 2010 steckte außerdem die Stadtentwicklungsbehörde etwa 700000 Euro in die Anlage, davon wird aktuell ein neuer Eingang an der Knoopstraße gebaut.

Heute herrscht eine ganz besondere Stimmung an diesem stillen Ort mitten im Zentrum des Stadtteils. Welche Schicksale verbergen sich hinter Grabinschriften wie „In blühender Jugend uns verlassen, findet drein sich unser Herz, das schwere Schicksal zu erfassen in unermesslich tiefem Schmerz“?

Der junge Mann, der hier offenbar von seinen Eltern begraben wurde, hieß Robert und starb 1909 im Alter von nur 19 Jahren. Unweit davon steht ein unscheinbarer Stein mit der Aufschrift: „Hier ruht in Gott unsere innigstgeliebte Tochter Margarethe (1895-1907)“.

Welch Kontrast dazu die Schule Baererstraße. Die grenzt an den Alten Friedhof. Große Pause: die Kinder toben ausgelassen auf dem Schulhof. Blühendes Leben – vom Tod getrennt nur durch einen rostigen Zaun.

Speicherstadt
Foto: Quandt

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