Hamburgs versteckte Paradiese
So überraschend, exotisch und aufregend ist Hamburg. 20 Orte, die echtes Urlaubs-Feeling bieten.

Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 11.7.2011

Teil 7: Hamburgs China hinter der Rothenbaumchaussee

Von Thomas Hirschbiegel und Florian Quandt (Fotos)

China fängt gleich hinter der Rothenbaumchaussee an: Kaum 200 Meter von der Hauptverkehrsader entfernt ist 2008 der „Shanghai Yu Garden“ eröffnet worden. Und wer über die Zick-Zack-Brücke (soll böse Geister fernhalten) am kleinen Wasserfall vorbei zum Teehaus mit den Pagodendächern geht, wähnt sich tatsächlich nicht mitten in Hamburg, sondern in Südchina!

Tee-Expertin Meiqin Kuang vor dem Teehaus, im Hintergrund das Restaurant
Tee-Expertin Meiqin Kuang vor dem Teehaus, im Hintergrund das Restaurant
Foto: Quandt

Der „Yu-Garden“ an der Ecke Binderstraße/Feldbrunnenstraße direkt hinterm Museum für Volkerkunde ist nach dem Vorbild des berühmtesten Teehauses Chinas, des Shanghaier „Huxinting“ , gebaut worden. Die Materialien kamen in 40 Schiffscontainern aus China: 140.000 halbrunde typische Dachziegel, 40.000 Dachsteine und 115 Tonnen Taihu-Kalkstein. Das poröse Gestein dient in China traditionell zur Gartengestaltung, die Betrachtung der Steine soll in eine meditative Stimmung versetzen.

Die wird ja auch dem Teegenuss nachgesagt. 2500 Jahre alt ist diese Tradition der Chinesen. Und die wird im Teehaus ganz ursprünglich gestaltet – mit mindestens zwei Aufgüssen. Der erste „Aufguss des guten Geruchs“ wird nicht getrunken. Er dient nur dazu, die Kanne zu wärmen und zu aromatisieren. Erst der zweite „Aufguss des guten Geschmacks“ wird dann in Ruhe genossen.

Der kleine Wasserfall „entspringt“ in porösem „Taihu“-Gestein – das Material soll eine beruhigende Wirkung haben.
Der kleine Wasserfall „entspringt“ in porösem „Taihu“-Gestein – das Material soll eine beruhigende Wirkung haben.
Foto: Quandt

Entstanden ist das Teehaus als Symbol der Freundschaft zwischen Hamburg und China. Denn die Hansestadt ist der wichtigste Handelspartner Chinas in Europa. Doch nun ist die für die Chinesen so wichtige Harmonie gestört: Das Restaurant des Teehauses ist seit Mitte Juni geschlossen. Offiziell wegen „Renovierung“. Doch die Finanzierung durch die „Shanghai Yuyuan Tourist Mart Ltd.“ ist nicht mehr gesichert. Zu wenige Hamburger haben sich für die original südchinesische Küche begeistert. Der Betrieb ist nicht rentabel.

Das Teehaus soll geöffnet bleiben. Doch das wahre Idyll ist eh der fast 3.000 Quadratmeter große Garten. In ihm wacht neben zwei mächtigen Löwen ein Kranich. In China ist er Symbol für Ewigkeit und Harmonie. Vielleicht ein gutes Omen für die Zukunft dieses einmaligen Ortes.

Speicherstadt
Foto: Quandt

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